Warum reden Unternehmen eigentlich so wenig über Nachhaltigkeit?

Woher kommen eigentlich die Lebensmittel, die ich konsumiere? Stammt das gekaufte Gemüse aus der Region oder wird es quer durch Deutschland oder sogar aus anderen Ländern transportiert bzw. importiert? Wie sehen die Produktionsbedingungen von meinem Pullover aus? Noch nie haben sich Konsumenten so sehr für die Geschichte hinter den Produkten interessiert. Und die Unternehmen reagieren mit Nachhaltigkeitsstrategien und der Überarbeitung vom Produktlebenszyklus. Aber sie tun es (noch) meist im Stillen und reden nicht wirklich darüber. Weiterlesen

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Über Wasser, Viva con Agua und warum Gutes tun auch Spaß machen kann

Am 28. Juni war ich das erste Mal in den Fanräumen des Millerntorstadium, zu einem Projektreise-Abbend von Viva con Agua nach Äthiopien. Wer in Hamburg wohnt, hat meist schon einmal von Viva con Agua gehört. Oder wer regelmäßig Besucher eines Festivals ist. Viva con Agua ist nämlich da, wo sich die Zielgruppe aufhält. Aber fangen wir von vorne an. Ich wollte mich ja intensiver mit Nachhaltigkeit beschäftigen, bin über die Veranstaltung gestolpert und habe sie direkt in meinen Terminkalender eingetragen. Ich kannte Viva con Agua bereits und wusste, da geht es um Wasser. Weiterlesen

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Unternehmen und Bewegtbild – Wie bewegen sich deutsche Firmen auf YouTube?

Ich beschäftige mich schon lange mit der Verknüpfung von Bewegtbild und Social Media. Am Anfang lag mein Schwerpunkt auf Social TV, also wie man das klassische Fernsehen und die digitalen Medien miteinander verbindet. Da ich beruflich wenig mit Fernsehsendern, dafür aber sehr viel mit Unternehmen und deren Umgang mit Social Media zu tun habe, lag es nahe, mich mit Corporate TV bzw. Corporate YouTube intensiver zu beschäftigen. Weiterlesen

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Politik, Bewegtbild und Social Media

Letztes Jahr zur US Wahl war die Einbindung von Social Media Inhalten in Politiksendungen noch Neuland. Sowohl die ARD als auch das ZDF haben sich durch eigene Sendungen an das Thema Social TV im politischen Kontext in der Wahlnacht herangetastet.

Social TV Angebot der ARD zur US Wahl

Das Social TV Angebot der ARD verzeichnete nach Angaben der Rundfunkanstalt knapp 90.000 Besucher zwischen 22.45 Uhr und 5.00 Uhr. Zu dem damaligen Zeitpunkt bereits sehr gute Zahlen.

Jetzt – ein Jahr später – ist die Einbindung von Zuschauermeldungen von den verschiedenen Social Media Plattformen nicht mehr wegzudenken. Nahezu alle Sendungen zur diesjährigen Bundestagswahl haben Inhalte aus Social Media integriert. Eine Webseite zur Sendung, auf der die verschiedenen Inhalte der Social Media Kanäle mit eigenem Kommentarsystem kumuliert werden, ist mittlerweile Standard. Der direkte Rückkanal der Social Media Beiträge in die Sendung war bisher allerdings noch keine Selbstverständlichkeit. Hier hat sich in den letzten Monaten und vor allem bei den Formaten zur Bundestagswahl einiges getan.

Da wäre z.B. die Sendung „Überzeugt uns“, die im am 26. August spätabends in der ARD ausgestrahlt worden ist.

Einblendung von Tweets in der Sendung

Die Sendung wurde von Tagesthemen-Sprecher Ingo Zamperoni und Katrin Bauernfeind moderiert. Richard Gutjahr hat zusammen mit dem Social Media Team des SWR das Web im Blick gehabt und als „Twittertussi“ immer wieder interessante Beiträge aus dem Netz während der Sendung vorgelesen. In sogenannten Speeddating-Runden mussten die Politiker in 15 Sekunden zudem Fragen der Zuschauer beantworten. Wie das Bild mit Claudia Roth zeigt, wurden auf dem Fernsehbildschirm darüber hinaus Beiträge aus dem Web eingeblendet.

Ein weiteres Angebot der ARD zur Wahl war der Kanzlercheck. Hier konnten die Zuschauer bereits einige Wochen vor den eigentlichen Interviews mit Angela Merkel und Peer Steinbrück ihre Fragen an die beiden Kanzlerkandidaten einreichen. Damit sich die Zuschauer bereits vorab zu den Wahlthemen informieren konnten und um bereits Content auf der Seite zu haben, wurden sämtliche Inhalte der ARD für die junge Zielgruppe zur Wahl auf der Seite integriert, dazu gehörten beispielsweise auch die beiden Wahlspecials der Sendung Klub Konkret. Über 500 Fragen wurden insgesamt von den Zuschauern eingereicht.

Webseite des Kanzlercheck

Das ZDF hatte zum TV Duell, wie bereits bei der Sendung „Die Debatte“, die Aktivitäten auf Twitter in einem #ZDFnetzradar auf der eigenen Seite gespiegelt. Auf diese Weise konnten Interessierte mitverfolgen, wie viele Tweets während der Sendungen zum TV Duell an sich und zu #Merkel oder #Steinbrueck veröffentlicht worden sind.

ZDRnetzradar zum TV Duel

Die Öffentlich-rechtlichen-Sender waren also insgesamt sehr aktiv bei der Verknüpfung der Formate mit Social Media. Der Sender Pro7, der mit Stefan Raab den einzigen Moderator eines privaten Senders im TV Duell gestellt hatte, hatte für das TV Duell mit #P7TVDuell ein eigenes Hashtag zur Sendung im Einsatz. Wer das TV Duell auf ProSieben mitverfolgt hat, konnte auf deren Social TV Plattform ProSieben Connect auf dem Second Screen mitdiskutieren.

Im Vergleich zur Quote war der Anteil der Social Media Beiträge verhältnismäßig gering. Bei circa 17,64 Millionen Zuschauern haben etwa 36.000 Twitter-Nutzer das Fernsehduell in rund 173.000 Tweets mit dem Hashtag #TVDuell kommentiert.

Durch die zunehmende Einbindung von Social Media in TV-Sendungen wird diese Zahl jedoch steigen. Durch die Einführung von Hashtags bei Facebook wird auch dieses Social Netzwerk zukünftig eine wichtige Rolle im Bereich Social TV spielen.

Durch YouTube & Co haben neben den Fernsehsendern aber auch die Zuschauer die Möglichkeit eigene Inhalte ins Netz zu stellen. Der Journalist Tilo Jung hat Anfang des Jahres die Serie „Jung und naiv“ gestartet, in der er Politiker und Experten mit simplen und naiven Fragen zu politischen Themen löchert.

Bildschirmfoto 2013-10-01 um 21.48.13

Der im August in Deutschland gestartete Social TV Sender joiz hat Tilo Jung für mehrere Folgen im Rahmen der Wahl verpflichtet. Während der Ausstrahlung im TV hat Tilo Jung die Fragen der Zuschauer beantwortet. Auf diese Weise hat es ein Webformat ins klassische Fernsehen geschafft.

Jung und naiv bei joiz

Auch die Sender stellen ihre Inhalte bei YouTube ein. In der Sendung Tagessschaum wurden im Rahmen der Wahl ab Mitte Juni jeweils drei Sendungen pro Woche mit politischen Themen des Tages produziert und vorab bei YouTube eingestellt, bevor die Sendung schließlich im TV ausgestrahlt worden ist. Hier galt also Online first.

Ein weiterer Journalist, der sich mit eigenem YouTube Kanal inhaltlich der Politik und den Wahlen gewidmet hat ist Mirko Drotschmann. Ähnlich wie bei Tilo Jung war die Intention für den Kanal MrWissen2go bestimmte Dinge einfach mal simpel zu erklären. In (fast) fünf Minuten Videos stellt Mirko Drotschmann beispielsweise die verschiedenen Parteien inkl. Parteigeschichte vor. Am Wahlabend hat Mirko Drotschmann mit anderen YouTubern, wie z.B. LeFloyd, einen Hangout veranstaltet und das Ergebnis diskutiert.

Insgesamt gab es zur Wahl sehr viele Hangouts. Tilo Jung hat in Kooperation mit Google ebenfalls mehrere Hangouts durchgeführt und auch die Sender haben eigene Hangouts veranstaltet.

Die Liste an politischen Sendungen mit Social Media Einbindung oder von Zuschauern mit eigenen Formaten könnte noch um weitere Beispiele ergänzt werden. Gerade bei YouTubern spielt Social Media als Feedbackkanal auch eine wichtige Rolle. Die verschiedenen Social Media Plattformen haben sich zu einem festen Bestandteil bei Bewegtbildformaten entwickelt, auf YouTube und im „klasssischen Fernsehen“. Gerade für die jüngere Generation gewinnt der Austausch über Social Media immer mehr an Bedeutung. Auch wenn das Social Media Engagement der Politiker bei dieser Wahl noch keinerlei Auswirkungen auf den Wahlausgang hatte, wird Social Media langfristig einen nicht zu vernachlässigenden Einfluss auf die Politik nehmen.

Der große Erfolg von Formaten wie Jung und Naiv oder MrWissen2go zeigt aber vor allem eins: Der Bedarf an politischen Inhalten, die Sachverhalte einfach erklären ist groß und der aktuellen Jugend kann man mit Sicherheit keine Politikverdrossenheit vorwerfen.

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Social Media und Startups am Beispiel von pixoona

Das Buch von Stephan und mir richtet sich vornehmlich an kleine und mittelständische Unternehmen. Berichte über kleine Unternehmen finde ich in meiner Filterbubble eher selten, in den meisten Fällen werden Social Media Maßnahmen und Kampagnen von großen Unternehmen thematisiert. Es wurde also Zeit, sich in einem Blogartikel mal den KMUs zu widmen. Den Anfang macht pixoona, die einen guten Job in Social Media machen und großen Wert auf Blogger Relations legen:

Was ist pixoona?

pixoona ist ein Bildtagging Dienst, das könnt ihr auf dem Bild schon sehr gut erkennen. Ihr könnt auf den Bildern Kommentare, andere Bilder, Musik oder auch Videos hinterlassen. Also etwa so etwas wie das Personentagging bei Facebook nur mit viel mehr Möglichkeiten. Unternehmen können z.B. in ihrem Blog oder auf der eignen Webseite die Produkte auf dem Bild vertaggen und auf den Online Shop verlinken.


Mit Hilfe der Browser App kann man auch im Bilder im Web mit einem PIX versehen, die dann beim eigenen Profil angezeigt werden, also ein bisschen wie Pinterest. Und die mobile App bietet einen ähnlichen Service wie Instagram & Co.

Auf den Social Media Kanälen erhalten die Besucher einen Blick hinter die Kulissen und können sich immer wieder bei Aktionen beteiligen.

Meine erste Begegnung mit pixoona war auf dem Barcamp 2012 in München. Das Startup gab es damals noch nicht, aber die Idee haben die Jungs interessierten Teilnehmern des Barcamps ausführlich vorgestellt. Der Kontakt mit Onlinern zieht sich bei pixoona wie ein roter Faden durch alle Projekte. Zum einen gehört pixoona bei manchen Barcamps schon fast zum Inventar, aber auch das Startup bekommt von den Teilnehmern immer wieder wichtigen Input. Schließlich sind die „Early Adopter“ eine relevante Zielgruppe. Aus diesem Grund nimmt pixoona etwa bei 8 bis 10 Barcamps pro Jahr teil.

Etwas mehr Aufmerksamkeit bekam pixoona durch die diesjährige re:publica. Für das Startup war das Bloggertreffen das ideale Event, um den Relaunch der Apps zu präsentieren, dazu gab es einen großen Live-Beat Test. Anstatt sich in der Startup Area mit anderen Startups zu tummeln, hatte pixoona einen größeren Stand gebucht und entsprechend gebrandet. Die Besucher der re:publica konnten sich auf dem Stand mit einem Photo-Booth verewigen.

Bilder, das passt halt auch zum Unternehmen. Darüber hinaus gab es einen amerikanischen Schulbus, der neben Photo-Touren durch Berlin verschiedenen Speaker hatte, die den Teilnehmern ein Thema kurz und knapp vorgestellt hatten. Für alle, die mit ihrer Sessionanfrage bei der re:publica nicht erfolgreich waren, war das eine prima Alternative. Ich habe auch als Speaker mitgemacht und auf einer Tour das Thema Social TV erklärt.

Die Idee zum Blogartikel hatte ich im Rahmen der Bloggertour.

pixoona sucht immer wieder den persönlichen Kontakt mit Bloggern, die Bloggertour sollte ebenfalls dazu dienen die Zielgrupppe kennenzulernen und Zeit mit ihr zu verbringen. Die Bloggertour war vom 17 bis 18. August. Nach einem Zwischenstop in Hannover, u.a. bei t3n, war das erste Event in Hamburg ein gemeinsames Frühstück in St. Pauli. Im Anschluss war eine Fototour geplant, die aber aufgrund mangelnder Teilnehmer leider ausgefallen ist. Da sind wir auch beim Problem der Tour angelangt. Die Planung oder zumindest die Bekanntgabe hat dann doch sehr kurzfristig stattgefunden, viele Blogger waren da bereits anderweitig verplant. Ich habe mich mit den Jungs von pixoona dann spontan auf den Weg nach Kiel zum Barcamp gemacht. Am Sonntag hat uns, neben einer ebenfalls eher geringen Teilnehmerzahl bei der Food Tour, auch das Wetter einen Strich durch die Rechnung gemacht. Für mich war der Sonntag aber auch interessant. So war ich als Hamburgerin das erste mal im Karolinenviertel und habe einen Blick in die Küche des Herzblut St. Pauli erhalten.

Auf der Reeperbahn halte ich mich eher selten auf, ich hätte mich daher also eher nicht ins Herzblut verirrt. Das Essen war aber wirklich sehr lecker! Auch wenn die Organisation bei pixoona hier und da ein bisschen chaotisch ist, man merkt immer, dass die Jungs es ernst meinen und wirklich an Feedback und Verbesserungsvorschlägen interessiert sind. Die verschiedenen Social Media Plattformen werden bei Startups oft viel ehrlicher und natürlicher genutzt, das fällt mir nicht nur bei Pixoona auf. Social Media gehört da eben zum Kommunikationsprozess dazu.

Julian von pixoona habe ich zum Thema Social Media dann auch gleich noch ein paar Fragen gestellt:

Warum setzt ihr auf Blogger Relations?

Blogger haben oft ein gutes Gespür für neue Entwicklungen. Sie nutzen Apps wie unsere oftmals vor den meisten anderen und finden kreative und nützliche Wege diese für sich einzusetzen. Sie sind zudem ehrlich und direkt. Man kann sich mit Bloggern oft in lockerer Atmosphäre und in regelmäßigeren Abständen austauschen. Dabei geht es nicht immer nur darum, diese dazu zu bringen über uns zu schreiben oder direkt Power-User zu werden. Es geht auch darum von ihnen zu lernen. Zu sehen, wo wir uns noch verbessern können. Oder was interessante Usecases wären und was wir dafür für Voraussetzungen schaffen müssen. Das alles bringt uns weiter.

Wie erfolgreich sind eure Aktionen?

Das hängt stark davon ab welches Ziel wir für eine jeweilige Aktion haben, welche Erfahrungen wir im Vorfeld hatten und wie die Voraussetzungen – ich nenne es mal Umweltfaktoren – gewesen sind. Wir haben schon große Erfolge erzielt und sind auch schon teilweise auf die Nase gefallen. Nur passiert uns letzteres in der Regel kein zweites Mal. Auch daraus können wir viel ziehen und es in die Vorbereitungen der nächsten Aktionen mit einbeziehen. Die re:publica war für uns zum Beispiel ein Erfolg, weil wir mit einem starken Team angerückt sind, ehrlich mit den noch vorhandenen Schwächen unserer Beta umgegangen sind und viel zugehört haben. Dadurch haben wir zum einen gelernt was unserer App noch fehlt. Zum anderen haben wir es geschafft unsere Bekanntheit in einer wichtigen Zielgruppe deutlich zu erhöhen. Das war eine super Basis für all das was folgte und noch folgen wird.

Was für eine Zielsetzung habt ihr dabei?

Zuhören. Lernen. Netzwerken. Und dann auch in Kontakt bleiben. Wenn wir Bloggern oder anderen Menschen, denen wir bei Events begegnen helfen können, machen wir das gerne. Und das stößt auch oft auf Gegenseitigkeit. Und diese Gegenseitigkeit ist die Basis für all das was wir machen. Es bringt nichts nur die Hand aufzuhalten. Aber es ist toll, dass es möglich ist, dass mittlerweile beide Seiten den ersten Schritt machen und man sich danach nicht direkt wieder vergisst. Diese Kultur, die ja auch auf Barcamps vorgelebt wird, fördern wir von Anfang an. Und das wollen wir auch in Zukunft machen.

Wie viel Geld muss man in die Hand nehmen?

Das ist ganz unterschiedlich. Es muss nicht immer alles teuer sein. Kleine Gesten werden genauso wertgeschätzt. Aus unserer Erfahrung geht es insbesondere Erfahrungen und Erlebnisse zu kreieren oder einfach nur gute Gespräche zu haben. Die meisten Blogger sind offene Menschen. Wichtig ist, dass man sowohl versucht lokal ein gutes Netzwerk aufzubauen und sich gleichzeitig herauswagt. Da entstehen dann vor allem hohe Reisekosten. Wenn man ein begrenztes Budget hat, sollte man gerade was Blogger Relations angeht nicht zu viel verstreuen und nur halbherzige Aktionen machen, sondern sich auf ein paar wichtige Aktionen konzentrieren und hierfür ein bisschen mehr investieren. Darüber lassen sich bessere und interessantere Beziehungen aufbauen. Man muss nach den Events dann halt in Kontakt bleiben. Wenn man aber nun eine gemeinsame Basis, eine schöne Erinnerungen hat, dann fällt das deutlich leichter.

Was würdet ihr anderen KMUs oder Startups raten?

Traut euch raus. Guckt euch an, welche Kontakte und Medien für euch wichtig sind und was diese beschäftigt. Analysiert auch was diese ständig von anderen Unternehmen bekommen und wie ihr euch unterscheiden könnt. Wenn wir zum Beispiel unsere Stadtrundfahrt durch Berlin im amerikanischen Schulbus und mit App-Beta-Test nehmen. Das ist etwas woran sich die Teilnehmer erinnern. Wenn ihr nicht wisst wo ihr anfangen sollt, dann geht auf Events wo Leute unterwegs sind, die ähnliche Interessen haben wie ihr. Barcamps gibt es mittlerweile so viele zu den verschiedensten Themen. Da macht ihr die ersten wichtigen Kontakte und lernt wie diese ticken. Und wenn zu eurem Thema noch kein Barcamp dabei ist, dann sprecht mit Bloggern aus eurem Bereich und organisiert selbst eins. Man muss Initiative zeigen wollen. Das geht nicht mit 9-to-5, aber zahlt sich mit der richtigen Einstellung in der Regel aus. Leute mit ähnlichen Interessen zusammenbringen ist ohnehin immer eine gute Idee.

Wie ist Social Media bei euch intern aufgehängt?

Wir nehmen Social Media auf jeden Fall sehr ernst. Alle Leute in unserem Kommunikationsteam kommen damit in unterschiedlicher Intensität und Häufigkeit in Berührung. Zudem haben wir eine Community Managerin und einen Social Media Manager, deren Hauptfokus natürlich darauf liegt. Ein paar Allrounder-Fähigkeiten brauchst du aber wohl in einem Startup immer. 😉

Was ist für euch die wichtigste Social Media Plattform und warum?

Die Plattformen mit denen wir am meisten arbeiten sind auf jeden Fall Twitter, Facebook und unser Blog. Wir sind zudem bei Google+ unterwegs und bauen nach und nach unsere YouTube-Channel auf. Zudem sind wir natürlich damit beschäftigt unsere eigene Community auf pixoona auszubauen und zu supporten. Es ist schwierig eins herauszuheben, weil sie alle in gewisser Weise ihren Zweck erfüllen. Wenn wir aber über Blogger Relations und diese spezifische Zielgruppe sprechen, hat uns Twitter wohl am meisten weitergeholfen. Das liegt aber auch daran, dass die meisten von uns auch vor pixoona mit privaten Accounts sehr aktiv auf Twitter waren und dadurch sich dort eigene Communities gebildet haben. Diese Kontakte pflegen wir natürlich bis heute und pixoona profitiert sicherlich auch davon.

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Gedanken zur Zeitungsdebatte oder die Frage nach Push oder Pull

Momentan erscheint auf Spiegel Online im Rahmen eines Dossiers über die Zukunft der Zeitung jeden Tag ein Artikel von einem Journalisten, Zeitungsmacher oder einem Kenner der Szene. Interessantes Thema, ich habe mich im Jahr 2008 auch im Rahmen meiner Bachelorarbeit mit den Strategien der Zeitungmacher zur Bindung der Leser beschäftigt. Also habe ich heute wieder zwei Artikel gelesen, die nicht unterschiedlicher sein könnten.

Da wäre zum einen der Artikel von Mario Sixtus. Er bringt wichtige Fragen wie bspw. das Thema Ökonomie und Ökologie auf den Tisch. Im Anschluss habe ich den Artikel von RZ Chefredakteur Christian Lindner gelesen. Er schildert, welche Chancen regionale Zeitungen in Kooperation mit dem Leser haben und er liefert einige Argumente für Print, die ich ehrlich gar nicht so verkehrt finde.

Beide haben sie ihre Berechtigung, obwohl beide unterschiedliche Aussagen haben. Auf der einen Seite die Sichtweise eines Journalisten, auf der anderen die eines Zeitungsmacher. Aber wie sieht eigentlich die Sichtweise eines Lesers aus?

Ich schreibe in dem Beschreibungstext bei Twitter über mich „Ist in diesem Internet zuhause und macht was mit digitaler Kommunikation bei elbkind GmbH …“ Über die „Netzgemeinde“ sagt man ja, sie ist politisch sehr interessiert. Ich würde sagen, dass das auch auf mich zutrifft. Ich bin zwar am Thema Politik interessiert, die Zeit mich umfassend zu informieren habe ich allerdings nicht.

Ich besuche nicht jeden Morgen die Seiten von Spiegel Online, der Zeit oder der Süddeutschen. Bei mir stehen ganz andere To Dos auf meiner Liste, wenn ich morgens anfange zu arbeiten. An manchen Tagen habe ich auch keine Zeit meine Timeline bei Twitter zu lesen. Wenn ich das tue und dort spannende Artikel empfohlen bekomme, lese ich diese aber auch.

Während eines Praktikums im Studium bin ich immer von Darmstadt nach Frankfurt gefahren und habe mir für die Fahrt oft die Welt Kompakt gekauft. Das Wichtigste zusammengefasst. Warum ich mir die Welt Kompakt und nicht die Süddeutsche oder einen andere große Tageszeitung gekauft habe, ist einfach erklärt: Sie fasst das Wichtigste zusammen und da habe ich die Chance aufgrund der geringen Anzahl an Beiträgen auch alle zu lesen. Was ich morgens nicht geschafft habe, habe ich auf der Heimreise im Zug gelesen.

Mittlerweile habe ich die Welt Kompakt im Abo, aber ich lese sie fast nie. Mir fehlt der „lange“ Weg, die Zugfahrt, zur Arbeit. Warum ich überhaupt eine Zeitung im Abonnement habe? Ich habe eine bestimmte Anzahl an Artikeln zur Region, Deutschland und dem internationalen Weltgeschehen, die mich insgesamt auf den aktuellen Stand bringen. In der Hinsicht kann ich also Christian Lindner zustimmen. Meine Eltern lesen den Trierischen Volksfreund, weil das die einzige Möglichkeit ist, regional informiert zu bleiben. Ich habe mich lange Zeit nicht für Regionalpolitik interessiert. Für mich waren die Städte bisher immer nur das Zuhause auf Zeit, der Wohnort bis zum nächsten Job. Hier in Hamburg ist das zum ersten Mal anders. Ich fühle mich hier wohl, kann mir vorstellen hier sesshaft zu werden. Was hier regional passiert, weiß ich aber ehrlich gesagt (noch) nicht.

Wie informiere ich mich eigentlich oder besser, wie versuche ich mich zu informieren?

Natürlich habe ich die Topmeldungen der Zeitungen auch in meinen RSS Reader integriert, dort schaue ich aber vielleicht einmal pro Monat rein. Ich bekomme den Reader einfach in nicht in meinen Tagesablauf integriert. Das gleiche gilt für Rivva, Virato, die Social-Media-Presseschau der Süddeutschen Zeitung, den tollen Service Tame. Alles prima Tools, Rivva und Feedly habe ich sogar als Startseite bei meinen Browsern eingerichtet, aber es hilft nichts. Auch bei Facebook, wo ich mich täglich aufhalte, habe ich eine Liste mit Nachrichtenseiten erstellt. Ich nutze sie nur selten. Damit ich doch mitbekomme, was in der Welt so los ist habe ich bei für mich wichtigen Nachrichtenseiten ein Häkchen gesetzt, so dass ich über neue Schlagzeilen informiert werde.

Leider werde ich damit auch über viele uninteressante Inhalte informiert, die auf den Seiten geteilt werden. Ich möchte die wichtigsten Inhalte – am liebsten aus verschiedenen Zeitungen – nach meinen Bedürfnissen zusammengestellt bekommen. Nicht Pull sondern Push. Die Zeitung bekomme ich jeden Morgen in meinen Briefkasten geliefert mit einer Auswahl an Artikeln. Hier fehlt allerdings die Personalisierung. Ich mag die Trending Mails von Twitter, weil sie mir immer wieder einen Überblick über bestimmte Inhalte aus meinem Netzwerk geben.

Newsletter haben derzeit ein Comeback. Das passiert doch auch nicht alles ohne Grund?! Ich lasse mich aktuell von Martin Giesler, Jannis Kucharz und Florian Kohl regelmäßig informieren, was die wichtigsten Neuigkeiten sind. Wer andere tolle Newsletter kennt, am liebsten zu politischen Themen, her damit! Auf diese Weise gebe ich dem Slogan „Wenn die Nachricht wichtig ist, wird sie mich finden.“ ein klein wenig Nachhilfe. Diese Inhalte erhalte ich aber bequem per Push in mein Emailpostfach und da werden sie von mir auch gelesen.

Während ich Seiten wie Rivva, Virato oder Tame aktiv besuchen muss (Pull). Ich tue das nicht oder nur selten, weil ich die Seiten nicht mag, sondern weil diese Dienste im Alltag bei mir in Vergessenheit geraten. Das ist bei mir glaube ich auch der Grund, warum ich Google+ einfach noch nicht nutze. Die Webseiten der Zeitungen besuche ich da schon öfter, aber oft auch nur durch Verlinkungen bei Twitter oder Facebook.

Zur Zeitungskrise werfe ich also nicht nur noch mehr Fragen auf, ich bringe auch keine Lösungen. Wie informiert ihr euch und welche Rolle spielen dabei Facebook, Twitter und RSS Feeds? Wonach entscheidet ihr, ob ihr euch zu einem Thema jetzt auf Süddeutsche, Zeit Online oder SpOn informiert? Oder lest ihr alle Artikel, um die Problematik aus den verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten? Wie viele Artikel lest ihr pro Tag?

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Social TV bei Unternehmen – Geht das?

Social TV ist grade das Buzzword überhaupt und alle reden darüber, wie die Sender Formate „social“ machen können und sollen. Dabei könnte und sollte Bewegtbild auch für Unternehmen eine wichtige Rolle spielen. Das Thema Corporate TV erhält meiner Meinung nach noch nicht mal annähernd die Bedeutung, die es verdient hätte. Das macht mich traurig.

Warum sich YouTube und Corporate TV lohnt?

Bertram Gugel hat zusammen mit Markus Hündgen auf der re:publica eine Session zu YouTube gehalten. Das Video und die gesamten Folien dazu findet ihr bei Bertram im Blog.

Eine Grafik möchte ich exemplarisch aufgreifen. Die Zahl der aktiven Nutzer ist bei YouTube im Vergleich zu Facebook größer.

Nutzung Facebook vs. YouTube

Und wer jetzt sagt, das sind ja nur die jugendlichen User, der sollte sich die folgenden Zahlen der ARD/ZDF-Onlinestudie anschauen.

Web-2.0-Nutzung 2012 nach Geschlecht und Alter

Die Nutzung von Videoportalen liegt in allen Altersklassen über der Nutzung von privaten Netzwerken und Communities aka Facebook. In Gesprächen mit Offlinern höre ich immer wieder, dass sie zwar keinen Facebook Account haben, sich aber regelmäßig Videos bei YouTube anschauen. Klar, YouTube ist ja auch die zweitgrößte Suchmaschine nach Google.

YouTube ist eine Suchmaschine

Die meisten Unternehmen scheinen das aber noch nicht zu begreifen.

Wie nutzen Unternehmen YouTube?

Viele Firmen haben zwar einen Kanal, nutzen ihn aber nicht wirklich. Da wird dann der neueste Werbespot hochgeladen oder man findet Videos zu aktuellen Kampagnen. Die Inhalte stehen (meist) für sich alleine. Die Verlängerung von Werbespots werden ich sicher in einem anderen Artikel einmal thematisieren. Zum Thema Produktplacement gibt es aktuell einen schönen Artikel im ZDF Blog Hyperland.

Parship hat angefangen, kleine Dokumentation von Paaren als Serie einzustellen, die sich bei Parship kennengelernt haben. Man lässt den Kunden für sich sprechen.

Paarship-Paare

Hornbach setzt auf die hohe Nachfrage nach DIY (Do it yourself) Inhalten und hat eine Playlist unter dem Titel „Hornbach Meisterschmiede“ eingeführt.

Hornbach Meisterschmiede

Macht ja auch Sinn! Wer es schon wieder vergessen hat: YouTube ist die zweitgrößte Suchmaschine! Wenn der Kunde beispielsweise nach „Bodenfliesen verlegen“ sucht, findet er so das Corporate Video. Dass es funktioniert, zeigen die doch sehr ordentlichen Zugriffszahlen. Die Videos sind alle aus dem Jahr 2010 und zeigen damit auch ein weiteres wichtiges Merkmal von YouTube.

Archivaufrufe bei YouTube

Der Anteil der Archivabrufe ist meist höher, als der von neuen Videos.
Über den Inhalt dieser Videos möchte ich in diesem Artikel nicht genauer eingehen, hier gibt es sicher noch Optimierungsbedarf 😉

Was hier jetzt natürlich fehlt ist der interaktive Part.

Kann man als Unternehmen überhaupt Social TV machen?

Die Drogeriemarktkette hat das Format #mitgefragt entwickelt.

Die Zuschauer haben zwei Möglichkeiten sich zu beteiligen.

mitgefragt

Sie können entweder zu einem bestimmten Thema eine Frage einreichen, die dann im Video gestellt wird oder selbst ein Thema vorschlagen. Besucht wird beispielsweise Persil, payback oder die Alnatura.

Auf dem Videocamp im September 2012 haben wir einige Corporate Kanäle analysiert. Von dm wurde damals das mitgefragt Video zu fairy angeschaut. Ich weiß noch, dass wir nicht über zwei Minuten hinaus gekommen sind und das Video damals als langweilig und uninteressant abgestempelt haben.

Wenn man die Idee dahinter nicht kennt, kann man sich natürlich spannendere Inhalte für ein Unternehmen vorstellen. Was für mich hier wieder sehr deutlich wird: Die ersten Minuten entscheiden, ob ein Zuschauer wegklickt oder weiterschaut. Das ist eigentlich auch ein offenes Geheimnis bei der YouTube Community.

Ja und der Inhalt wurde natürlich auch kritisiert. Wie kann ein Unternehmen wie der Drogeriemarkt dm hingehen und dann so langweilige „Werbeinhalte“ für ein Spülmittel bringen. Dazu hatte dm auch einige kritische Kommentare unter dem Video kassiert.

Wenn wir das Konzept jetzt allerdings durch die Social TV Brille beachten, ist das eine großartige Idee. Die Zuschauer haben die Möglichkeit sich aktiv zu beteiligen, sowohl bei der Themenwahl als auch bei der Ermittlung der Fragen. Bei den eingereichten Vorschlägen entscheidet wieder der Zuschauer, welches Thema relevant ist.

Übersicht der Vorschläge

Durch einen Klick auf die Herzen können die Nutzer mitteilen, welches Thema sie interessiert. Man kann sich auch anschauen, welche User-Vorschläge bereits umgesetzt worden sind. Der Einbindung der Zuschauer ist auch bei Journalisten gerade en vogue. Beim #ZDFcheck kann die Community mit recherchieren, welche Wahlaussagen der Politiker korrekt sind. Welche Themen recherchiert werden, entscheidet jedoch das ZDF selbst. Bei der Zeit gibt es den ZEITmagazin Faktomat und die Süddeutsche Zeitung setzt beim Projekt Die Recherche ebenfalls auf das Feedback der Community. Hier ist es umgekehrt: Die Leser geben die Themen vor und die Journalisten recherchieren, also ähnlich dem dm Ansatz. Und jetzt die Masterfrage: Ist es gut, wenn Journalisten so etwas durchführen oder dürfen auch Unternehmen in diesem Bereich tätig sein?

Jetzt mal ehrlich. Ein Drogeriemarkthersteller macht die Produkte, die es verkauft greifbar und stellt sie, die Herstellung und die Unternehmen dahinter vor. Warum interessiert sich den ein Kunde für dm? Hier spielen die Produkte doch eine sehr wichtige Rolle, es ist daher ein verdammt kluger Schachzug diese auf dem YouTube Kanal in den Vordergrund zu stellen.

Neben mitgefragt gibt es bei dm auch die Formate mitgestestet, Schönheit und dm Unternehmen. Mein Fazit: Der YouTube Kanal von dm ist auf jeden Fall einen Blick Wert. Über die genaue Umsetzung lässt sich streiten, aber der Ansatz ist vorbildlich.

Kennt ihr weitere Unternehmen, die ihre Zuschauer aktiv einbeziehen? Dann ab in die Kommentare damit 😉

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Warum Social TV nicht stirbt, und was About:Kate damit zu tun hat

Ich habe in den letzten Tagen und Wochen immer wieder die Beobachtung gemacht, dass Social TV mit der linearen Diskussion auf Twitter & Co (und ggf. Zusatzinformationen) zum aktuellen Fernsehprogramm gleich gesetzt wird. Das ist zu kurz gedacht, denn Social TV ist viel mehr als das bloße kommentieren von Fernsehsendungen auf Twitter. Die wohl einfachste Definition von Social TV ist die Verknüpfung von Social Media und Fernsehen und das kann auf verschiedene Arten geschehen.

Ab wann spricht man davon, dass Fernsehen „social“ ist? Frank und ich hatten das in unserem Artikel über den aktuellen Stand in Deutschland bereits wie folgt zusammengefasst:

Von “social” im engeren Sinne können wir also immer dann sprechen wenn: Ich etwas mache, das auf andere Einfluss hat (z.B. eine Sendung bewerten oder kommentieren), ich durch Dritte beeinflusst werde (z.B. ein TV Tipp eines Freundes per Mail), wenn ich zusehe, was eine oder mehrere Personen machen (z.B. den Twitter-Stream während des Tatorts lesen), mich selber einbringe (z.B. ein YouTube Video hochlade), mit anderen Nutzern zusammen etwas gestalte (z.B. ein gemeinsamer Hangout), oder aber durch die Daten, die eine große Gruppe erzeugt hat profitiere. (z.B. bessere Orientierung bei IMDb oder iTunes durch Ranking der meistgekauften Apps oder beliebtesten Filme).

Wie kommt es jetzt, dass der Begriff Social TV hauptsächlich mit den Diskussionen auf Twitter parallel zum Programm in Verbindung gebracht wird? Für die Sender ist das Kuratieren von Twitter & Facebook Beiträgen (inkl. eigenem Kommentarsystem) auf der eigenen Webseite zu großen Events schon fast Standard geworden. Während ARD und ZDF ihre Second Screen Angebote Formatbezogen anbieten, können Interessierte die App connect von ProSiebenSat1 für das Programm bei Pro7 und Sat.1 rund um die Uhr nutzen. Anstatt sich einen eigenen Namen für das Second Screen Angebot der ARD zu überlegen, nennt der Sender seine App einfach „Social TV“ und fordert die Zuschauer auf IM Social TV über die Formate zu diskutieren. Das macht die Trennung von linearen Programm und dem Begriff Social TV natürlich nicht einfacher. Aber was ist beispielsweise mit dem Tatort+, bei dem die Zuschauer vor und nach der Ausstrahlung selbst ermitteln konnten?

Bei About:Kate findet wenig bis gar keine Diskussion auf Twitter oder der Facebook-Seite während der linearen Ausstrahlung im TV statt. Trotzdem ist die Serie für mich ein Best Practice für Social TV. Parallel zur Serie gibt es ein Facebook Profil der Protagonistin Kate.

Kate Profil Facebook

Im Namen der Protagonistin werden hier alle möglichen Fundstücke aus dem Social Web veröffentlicht, so wie es viele anderen machen. Wer möchte, kann Kate eine Freundschaftsanfrage schicken. Viele veröffentlichen eigene Inhalte auf dem Profil von Kate. Ich habe die Inhalte von Kate abonniert und eine lange Zeit verfolgt, bis ich mir die erste Folge Wochen nach der Erstausstrahlung im TV angeschaut habe. Auf der eigentlichen Fanpage von About:Kate erfährt der Zuschauer natürlich immer wieder etwas zu der jeweils aktuellen Folge.

Neben der Präsenz auf Facebook gibt es die Webseite von About:Kate. Im Bereich Rezeption erfährt der Besucher alles über die Serie. Dort steht geschrieben:

„Unsere Identität ist virtueller denn je. Wir geben unsere Wünsche und Sehnsüchte in Suchmaschinen ein, streben in sozialen Netzwerken nach Anerkennung und sind eifersüchtig auf das inszenierte Leben anderer. Unsere eigenen Angebereien, Träume und Ängste speisen wir Tag für Tag ins Netz ein und erfinden uns dabei permanent neu. Im Gegenzug erhalten wir unentwegt Input aus dem Web. Die Grenzen zwischen Realem und Inszeniertem verschwimmen und unsere Spuren sind überall und von jedem auffindbar.“

Sind wir nicht alle ein bisschen Kate? Im Rahmen der Serie hat der Zuschauer die Möglichkeit, sich mit der eigenen (virtuellen) Identität auseinanderzusetzen. Hier setzt vor allem die Second Screen App von About:Kate an. Sie begleitet jede Folge mit zusätzlichen Einblicken in Kates Welt und ermöglicht dem Zuschauer Folge für Folge eine Selbstanalyse.

App About Kate

Das tolle an der App, sie funktioniert nicht nur linear, wie wir das von den meisten Second Screen Angeboten der Sender gewohnt sind. Die App erkennt über ein Audiosignal – wie bei Shazam – welche Folge läuft und an welcher Stelle sich der Zuschauer gerade befindet. Warum sollte es auch möglich sein, dass ich die Sendung schauen kann, wann ich möchte, das Zusatzangebot aber nur linear funktioniert? Eine besonders bemerkenswerte Verbindung zwischen der Serie und dem Zuschauer ist ein Telefonanruf während der Folge über die App. Durch die Synchronisation des Audiosignals kann genau festgestellt werden, an welcher Stelle der Zuschauer sich bei der Folge befindet. Ein ziemlicher Clou, denn damit wird dem Zuschauer vor Augen geführt, was technisch möglich ist und welche Spuren er selbst via App preisgibt und hinterlässt.

Passend dazu finde ich im Fernsehzimmer alle Folgen der Serie. Ist es nicht das Hauptanlieger der Sender dass die Inhalte konsumiert werden? Und spielt es wirklich eine wichtige Reihenfolge, ob das linear oder on demand passiert? Für die privaten Sender stellt sich hier natürlich die Frage der Finanzierung, aber hier gibt es auch neue Wege und Möglichkeiten. Auch die Werbung muss sich wandeln, aber damit befasse ich mich in einem anderen Artikel. ProSieben bietet jedenfalls alle Folgen von HalliGalli auch auf der eigenen Webseite an.

Im Gruppenraum bei About:Kate haben die Zuschauer eine weitere Möglichkeit zur Teilnahme. Die Zuschauer sind aufgerufen, eigene Beiträge zu gestellten Aufgaben einzureichen. Die besten Einreichungen werden dann in die Folgen geschnitten und erscheinen im Fernsehen.

Dekorieren

Re Action

Auf der Seite Akte Kate sind Kates digitale Spuren aufgelistet. Suchmaschineneingaben, Playlists, Downloads, Verläufe, Kommentare, Foreneinträge oder Routenbeschreibungen. Dem Besucher wird so ein Spiegel vor Augen gehalten, dass er ebenfalls Spuren im Netz hinterlässt.

Ziehen wir nun Resümee: Was ist an About:Kate nun „social“? Durch die Interaktion mit der Protagonistin auf Facebook, z.B. durch das Veröffentlichen von eigenen Beiträge auf der Pinnwand von Kate, besteht die Möglichkeit, dass dies auch die Freunde der Zuschauer sehen. Das Ergebnis der Therapiesitzungen, die via App möglich sind, kann ebenfalls auf Facebook veröffentlicht werden. Dieser Aspekt ist nicht zu unterschätzen. In der Viacom-Studie wird u.a. thematisiert, dass Social Media heute auch als eine moderne Version einer Programmzeitschrift funktioniert. Zudem rangiert es auf dem dritten Platz (39 Prozent) hinter klassischer Promotion und Mundpropaganda als Quelle, um neue Sendungen zu entdecken. Nach dem „liken“ einer Sendung sind die Zuschauer bis 75 Prozent eher interessiert, sich die Sendung auch anzusehen. An dieser Stelle hat Arte also seine Hausaufgaben gemacht. Die Möglichkeit die Sendung aktiv mitzugestalten fördert darüber hinaus die Bindung an die Sendung. Man muss als Zuschauer doch überprüfen, ob der eigene Beitrag in der Folge aufgegriffen worden ist 😉

Florian Hager, stellvertretender Programmdirektor von ARTE, ist überzeugt, „dass die Sender dem Nutzer die Möglichkeit der Wahl ermöglichen müssen, in welcher Durchdringungstiefe er die Inhalte konsumieren möchte.“ Social TV steht dabei als Sinnbild für eine sich veränderte Fernsehlandschaft. Die Zahl der Zuschauer, denen das klassische Fernsehen – also das reine Konsumieren von Inhalten – zu langweilig ist, steigt.

Crossmedia und transmediales Storytelling sind neben Social TV Begriffe, die in letzter Zeit immer häufiger genannt werden. Transmediales Storytelling bedeutet, dass die Formate durch Konzepte in diese Richtung breiter erlebbar werden und das vor, während und nach der Ausstrahlung im linearen TV. Für mich ist About:Kate neben der tiefen Integration der Zuschauer ein Paradebeispiel, dass Social TV Formate nicht unbedingt mit dem linearen TV verknüpft sein müssen und auch beim on demand Konsum funktionieren.

Das abschließende Wort möchte ich Janna Nandzik, der Regisseurin und Autorin von About:Kate überlassen: „Alles in unserer Serie ist vernetzt und voller Möglichkeiten – genau so, wie es im Internet der Fall ist.“

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Social TV in Deutschland – Status Quo und Ausblick

Die Vorstellung darüber, was Social TV nun eigentlich ist, gehen ungefähr so weit auseinander, wie der Sprung von Felix Baumgartner tief war. Die wohl einfachste Definition ist die Verknüpfung von Social Media und Fernsehen. Dabei steckt hinter dem Trend deutlich mehr als nur ein Tweet zum Tatort. Es steht als Sinnbild für eine sich veränderte Fernsehlandschaft, das einigen großen Playern das Mark in den Knochen gefrieren lässt. Hätten doch nur Print- und Musikindustrie so ein wundervolles Schlagwort gehabt.

Ein Spruch den man in letzter Zeit öfter hört wenn es um Fernsehen geht lautet: “Ich hab aber gar keinen Fernseher mehr”. Es gibt sicher auch viele Menschen, die kein Radio mehr haben, aber hören sie deswegen keine Musik mehr? Fernsehen ist schon lange nicht mehr nur das Konsumieren linearer TV-Inhalte. TV-Signale via Kabel, Antenne, IP und Satellit und deren Darstellung auf einem Fernseher sind nur eine Möglichkeit “fernzusehen”. Genauso wie ein festes Programmschema quasi nur ein Serviervorschlag für Bewegtbildinhalte ist. Längst können Sendungen auch über Mediatheken, Videoportale und Online-Videotheken abgerufen werden. Es wäre durchaus sinnvoll den Konsum von Bewegtbildinhalten in seiner Gesamtheit als „Fernsehen“ zu betrachten, nicht nur das „klassische“ lineare TV – aufgrund des Programms einiger Sender dürfte an dieser Stelle auch keine Qualitätsdebatte zur Abgrenzung des Begriffs “Fernsehen” losgetreten werden.

Auch das Sehverhalten kann kaum abgegrenzt werden. Schaut Papa noch Fern während die Tochter iPad guckt? Es ist doch eher so, dass auf dem Gerät geschaut wird, das gerade zur Hand ist, egal ob TV, Smartphone, Tablet oder Notebook.

Ab wann ist ein Service nun Social? Nahezu jede Anwendung im Netz lässt mittlerweile Austausch unter den Nutzern zu, oder verlässt sich auf Daten, die durch Nutzer generiert werden. Von “social” im engeren Sinne können wir also immer dann sprechen wenn: Ich etwas mache, das auf andere Einfluss hat (z.B. eine Sendung bewerten oder kommentieren), ich durch Dritte beeinflusst werde (z.B. ein TV Tipp eines Freundes per Mail), wenn ich zusehe, was eine oder mehrere Personen machen (z.B. den Twitter-Stream während des Tatorts lesen), mich selber einbringe (z.B. ein YouTube Video hochlade), mit anderen Nutzern zusammen etwas gestalte (z.B. ein gemeinsamer Hangout), oder aber durch die Daten, die eine große Gruppe erzeugt hat profitiere. (z.B. bessere Orientierung bei IMDb oder iTunes durch Ranking der meistgekauften Apps oder beliebtesten Filme).

Zusammenfassend bezeichnet Social-TV das Zusammenspiel aus Bewegtbildinhalten, zusätzlichen (nutzergenerierten) Inhalten dazu, den Interessen und sozialen Beziehungen der Nutzer, und den (Nutzungs-)Daten, die sie erzeugen.

Social Media und Fernsehen

Auch wenn das Thema Social TV gehyped ist, die Service-Revolution im Fernsehmarkt läuft langsam. Steigende Zahlen mobiler Endgeräte sind eine Voraussetzung, schnelle Internetverbindungen und ein heimisches W-LAN sind weitere. Der größte Treiber für die Veränderungen im TV Bereich aber sind Schnittstellen (APIs) und eine gute “User Experience” des jeweiligen Service. Erst durch sie werden wir unabhängig vom Endgerät und können konsumieren wo und wie wir wollen. Besonders beliebt ist dabei das Zusammenspiel eines Fernseher und einem weiteren mobilen Device, vorzugsweise eines Smartphone oder Tablet. Der Nutzungsschwerpunkt unserer mobilen Helfer liegt nämlich nicht unterwegs sondern in den heimischen vier Wänden.

Gibt es einen Zusammenhang zwischen der Nutzung des mobilen Endgerätes und des TV befinden wir uns in einem Second Screen Szenario. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Nutzung zur Steuerung, Unterhaltung oder Information geschieht. Second Screen Szenarien nehmen eine Sonderrolle im Social TV ein, da man sich von ihnen nicht nur ein erweitertes Storytelling oder ein besonders großartiges Nutzungserlebnis verspricht, sondern auch Tune-In-Effekte zum linearen TV. Erste vielversprechende Geschäftsmodelle zeichnen sich mit (Werbe-)Angeboten, die sich auf den Inhalt des First Screen beziehen und mit dem mobilen Gerät einen Performancekanal bekommen, ab. Im E-Commerce macht man sich diese Möglichkeiten bereits erkannt und schaltet gezielt mobile Werbung zur TV-Primetime.

Aufgrund der Vielseitigkeit von Social TV setzt jeder Dienst seine eigenen Schwerpunkte. Dabei lässt sich grob in die Kategorien: Hardwaresteuerung & Zugang, Unterhaltung & Interaktion, Content & Information, Empfehlen & Entdecken sowie Daten & Analyse unterteilen.

Trendrr.TV Social TV Ecosystem 2011 – 2012

Natürlich wird Social-TV nicht nur durch 3rd-Party-Apps getrieben – auch die TV Netzwerke selbst nutzen die Möglichkeiten das interessierte Publikum näher an sich zu binden. Das geschieht zumeist über Präsenzen in den drei großen Netzwerken Facebook, Google+ und Twitter. Besonders erfolgreich: Das Format „Berlin Tag & Nacht“ mit über 2,5 Mio. Fans auf Facebook. Über den Tag verteilt werden zur Storyverlängerung Clips, Bilder und Statements der Darsteller eingespielt – das Konzept funktioniert und hat mit Köln 50667 bereits einen weiteren Ableger. RTL2 hat zudem gezeigt, dass sie ihre Zuschauer nicht nur dazu animieren können, ihre Lieblingssendung, sondern auch weitere Inhalte des TV-Programms von RTL2 zu konsumieren. Die Bewohner von “Berlin – Tag und Nacht” haben gemeinsam mit den Zuschauern einen “Dirty Dancing”-Fernsehabend gestaltet. Während im Fernsehen Dirty Dancing lief, könnte der Zuschauer live auf der Seite von RTL2 oder via Smartphone mit der App dabeisein, wenn die WG den Film schaut. Darüber hinaus wurden die Zuschauer beispielsweise daran beteiligt zu entscheiden, welche Pizza nun für den Familienabend bestellt wurde.

Ein ähnliches Erlebnis konnte die Zuschauer der Sendung “Walulis sieht fern” erleben. Während der Ausstrahlung der ersten Folge einer neuen Staffel, waren die Macher der Sendung live dabei. Die Zuschauer konnten ihre Fragen zur Sendung per Chat an Tobis und Philipp von Walulis stellen.

Wenn Sender heute von Social TV sprechen, ist meistens das fast schon standardisierte Angebot für Zuschauern über Webseiten, mit eigenem Kommentarsystem, der Integration von Twitter & Facebook in unterschiedlicher Qualität und zusätzliche Informationen und Inhalte zur laufenden Sendung gemeint. Bei einigen Formaten werden die Nutzer oder Ihre Kommentare sogar direkt in die Sendung integriert. Größere Ereignisse wie “Wetten, dass…?”, Fußballspiele, Wahlen und der Tatort werden eigentlich immer mit Zusatzangeboten abgedeckt.

Überhaupt sind die Öffentlich-rechtlichen-Sender recht aktiv bei der zusätzlichen Verknüpfung von Formaten mit Social Media – wenn auch selten mit direkten Rückkanal in eine Sendung herein. In der “Netzgemeinde” besonders beliebt war Format “rundshow” mit Richard Gutjahr. Über die dazugehörige App “Die Macht” konnten Zuschauer direkt Kommentare zur Sendung an die Sendungsmacher schreiben, zu Themen abstimmen und während der Sendung Applaus spendieren. Auch wenn es Kritik zur Bild und Ton-Qualität eines per Hangout zugeschalteten Gastes gab, die rundshow bot die bis heute tiefste Integration von Zuschauern in eine deutsche TV-Sendung, den “Superball”, “Pronto Salvatore” und “Hugo” mal ausgeschlossen ;D

Besonders gelungen war auch die Verlängerung des Tatorts “Der Wald steht schwarz und schweiget” der zudem zeigte, dass Social TV mehr ist als nur Facebook & Twitter. Während in der Show die Tatverdächtigen zusammenhielten und sich zu keinem Geständnis bewegen ließen, konnte der Zuschauer durch ein paar geschickte Verhöre im an die Sendung angeschlossenen Spiel einen der Tatverdächtigen zum Geständnis bewegen und so den Mörder finden.
Eine weitere Möglichkeit, wie man die Zuschauer in ein Format einbinden kann, zeigt die Sendung quer vom Bayerischen Rundfunk. Über mehrere Wochen hatten die Zuschauer die Möglichkeit, die Sendung live auf der Webseite mitzuferfolgen, ihre Kommentare abzugeben und schließlich in einem Hangout (Online-Aftershow) dem Moderator und seinem Team ein direktes Feedback zur Sendung zu geben. Die Einbindung von Social Media ist seitdem fester Bestandteil des Formats.

 

Status Quo

Auch wenn bei Großereignissen schon einmal 15.000 Tweets von 10.000 Nutzern verfasst werden, der Anteil von Nutzern, die aktiv sozialen Austausch zu einem Programm auf Twitter betreiben ist im Vergleich zur Quote sehr gering. Bei Samstagabend-Formaten mit durchschnittlich 6 Mio. Zuschauern, entspricht das noch nicht einmal 0,2% der Zuschauer, die sich an Diskussionen auf Twitter beteiligen.

Werden zusätzliche Informationen ausgespielt und im Fernsehen Verweise zum Angebot eingeblendet sieht die Statistik etwas besser aus. So führten 40.000 Webseiten parallele Abrufe während des Films “Rommel” bei, 6,4 Mio Zuschauer immerhin zu einer “Social TV Beteiligung” von 0,6%. Die 60.000 nachgelagerten Abrufe eingerechnet ergibt dies knapp 1,6% Beteiligung. Etwa 1.000 Nutzer nahmen zusätzlich an der Diskussion zum Programm teil.

Bei Berlin Tag & Nacht steht den 2,5 Mio. Facebook Fans eine Einschaltquote von ca. 1. Mio Zuschauern gegenüber. Dieser Umstand lässt u.a. folgende Rückschlüsse zu:

  1. Die Einschaltquote wird falsch gemessen,
  2. Es gibt mindestens 2,5 Mio Zuschauer, die das Format Berlin Tag & Nacht grundsätzlich interessant finden – 40% von Ihnen sind “Wiederkehrende Zuschauer”
  3. 60% der ehemaligen Zuschauer erreiche ich nur noch durch die Verknüpfung mit Social Media, sonst hätten sie sich bereits völlig von meinem Format verabschiedet
  4. Der Großteil der BerlinTN Fans schaut die Sendung nicht live sondern nachgelagert. Der Umkehrschluss würde bedeuten, dass ich einen Großteil meiner Zuschauerschafft auf anderen Kanälen besser erreiche, als im linearen TV.

Auch die privaten Sender besetzen den Begriff Social TV mit ihren Angeboten. ProSiebenSat.1 und RTL bietet mit “ProSieben Connect” und “RTLinside” eigene Lösungen an. Neben Kommentaren und Videoabrufen sind so z.B. auch Check-Ins möglich. Während “The Voice of Germany” konnten die Nutzer durch ihre Beteiligung sogar zusätzliche Preise gewinnen. Votings für Kandidaten, die aus der App stammten wurden ebenfalls mit einberechnet und auch live in der Sendung eingeblendet. Zusätzlich positiv bei “The Voice” fällt die Bespielung der Social Media Profile der Kandidaten und der Jury auf – ob das am Sender oder an den Formatvorgaben liegt sei dahingestellt.

Sowohl RTL als auch ProSiebenSat.1 bieten in Ihren Apps darüber hinaus zusätzliche Inhalte zu den Sendungen an. Ob Social TV damit schon am Ende seiner Möglichkeiten ist, darf bezweifelt werden. Gerade von den Öffentlich-Rechtlichen werden wir in 2013 wohl noch mehr sehen, als das, was bisher gezeigt wurde. Dabei ist der ÖR klar im Vorteil, was die Durchführung von Social TV Maßnahmen angeht: Im Gegensatz zu den privaten haben sie nämlich weder Gewinnerzielungsabsichten, noch müssen sie ihre Maßnahmen einer Kosten/Nutzen Rechnungen unterwerfen. Auf diese Weise dürften noch viele interessante Verknüpfungen entstehen, mit denen wir heute noch gar nicht rechnen.

Wenn es nicht funktioniert

Es gibt noch keine geschriebenen Gesetze, wie man Formate und Menschen erfolgreich verknüpft. Daher bedeutet Social TV immer auch Trial & Error. Groß angekündigt und am Ende nach mehreren Umbaumaßnahmen doch eingestellt wurde z.B. “Gottschalk Live”. Es war kein wirkliches Social Media Desaster, das Konzept aber lieblos umgesetzt, vom Moderator nicht ernst genommen und aufgrund der fehlenden Authentizität am Ende vom Publikum gemieden. Auch beim Vorzeigeprojekt “Rundshow” war nicht alles rosig: Von der Möglichkeit Videos als Botschaften zur Sendung zu schicken, wurde quasi nicht Gebrauch gemacht. Neben dem “Aufwand” für ein Video dürfte wohl auch die Angst, sein Gesicht im TV zu sehen, eine entscheidende Rolle gespielt haben. Oder auch nicht? Auch der NDR hatte bei “Mein Norden” eine ähnliche Aktion: Zuschauer konnten Videos aus ihrem Leben im Norden einreichen. Was zunächst aussah, als würde es ein Desaster werden, wurde am Ende ein Erfolg. Die Zuschauer hatten sich nur einfach viel Zeit genommen, um wirklich gutes Material zu erstellen.

Generell gibt es nur eine begrenzte Anzahl von Formaten, die zur parallelen Unterhaltung von Nutzern geeignet sind. Die Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover (HMTMH) hat hierzu sogar eine eigene Studie angelegt (S.26). Hohe Emotionalität und zeitliche Aktualität sind die beiden wichtigsten Voraussetzung, damit viel Interaktion um ein Format entstehen kann. Hinzu kommt die Komplexität des jeweiligen Formates, die Situation, in der ich TV schaue (alleine, mit Freunden), und natürlich ob das was man sieht überhaupt einen persönlichen Anreiz darstellt, sich zu informieren oder auszutauschen.

Das auch der Kanal, über den ich Inhalt verbreite eine wichtige Rolle spielt, zeigen neben den YouTube Channels von ZDF, ARD & Co., die sich schwer tun, eine größere Nutzerschaft zu gewinnen, auch einige der neuen “Premium” Channels von gestandenen TV-Produzenten. Hier zeigt sich, dass es gar nicht so leicht ist, eine Community aufzubauen, aber auch, dass der Content zur jeweiligen Plattform passen muss. Ob der Austausch untereinander da wäre, wenn ich 30 Minuten lang auf RTL II YouTube Videos ausstrahle?

Ausblick

Das Fazit dürfte klar sein, Social TV steht vor allem in Deutschland noch am Anfang. Die Chancen dagegen sind riesig. TV-Programm alleine reicht vielen nicht mehr. Es müssen mehr Möglichkeiten her, die Nutzer zu unterhalten. Erweiterungen des TV-Erlebnisses durch Second Screen Szenarien in Echtzeit spielen dabei eine entscheidende Rolle. Automatische Erkennung von Inhalten und das damit einhergehende Ausspielen von weiteren Informationen, Unterhaltungselementen und natürlich auch Werbung an interessierte Nutzer ist ein weiterer großer Baustein.

Auch die mobile Nutzung wird sich stärker durchsetzen. Dabei sind größere Datenpakete weniger entscheidend als die Verfügbarkeit von Smartphones und Tablets und den passenden Inhalten an und für sich. Durch bessere Schnittstellen zwischen mobilen und stationären Geräten (TV, Set-Top-Box) werden zum einen deutlich mehr Services entstehen zum anderen aber auch mehr Möglichkeiten gegeben, das Storytelling von Sendungen zu verändern – über verschiedene Endgeräte hinweg.

Auch wenn das Thema oft mit Urheberrechtsverstößen einhergeht: Nutzergenerierte Inhalte, Lieblingsszenen in GIF und JPG Form mit Untertitel werden immer beliebter und sind zugleich Promotion für ein Format. Es bleibt mit Spannung abzuwarten, wann hier über den eigenen Schatten gesprungen wird und ein Content-Inhaber aktiv dieses Nutzerverhalten unterstützt.

Weitere Veränderungen bei der Verbreitung von Inhalten sind bereits im Gange: Mit dem Launch von WATCHever, gibt es einen ersten vielversprechenden und bezahlbaren Abo-Service für Video-Content. Das besonders spannende daran ist die Zusammenarbeit mit BILD, bzw. Axel Springer. Auch die Verlage werden im Bereich Social TV noch eine große Rolle spielen. Zum einen sind die mobilen Apps ihrer TV-Zeitungen in den Stores bereits etabliert zum anderen produzieren sie auch aktiv zusätzlichen Content zu TV-Inhalten – teilweise unterhaltsamer als das Original.

Social TV Services stehen vor der Herausforderungen, die verschiedenen Plattformen und Verbreitungswege miteinander zu verknüpfen und gleichzeitig sinnvolle Empfehlungsmechanismen, vor allem aber eine intelligente Suche anzubieten. Social TV ist also kein Hype, es ist nur das Schlagwort für gravierende Änderungen im Bewegtbildmarkt, wie wir sie zuvor bei Print und Audio gesehen haben.

Anmerkung

Dieser Blogbeitrag ist die Grundlage für den in der t3n Nr. 31 – So funktioniert Bewegtbild im Netz auf Seite 132 erschienen Artikel „Soziales Fernsehen“ und wurde in Zusammenarbeit mit Stefanie Aßmann verfasst. Wir möchten euch die weiterführenden Überlegungen, die im Print-Artikel leider gekürzt werden mussten nicht vorenthalten, da sie aus unserer Sicht für das Verständnis von Social TV wichtig sind. 

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Die EM 2012 und Social Media – Da geht noch mehr!

Deutschland ist im Fußballfieber. Das zeigt Euer Interesse an unserem Artikel Die EM 2012 und Social Media – Da geht einiges! – an dieser Stellen vielen, vielen Dank – und auch die zahlreichen weiteren Social Media Maßnahmen von anderen Unternehmen. Mir begegnen fast täglich neue tolle Social Media EM Projekte. Streng genommen haben viele der Konzepte mit Social TV nicht mehr viel am Hut. Aber, wie das Hamburger Abendblatt schon im Artikel zur EM und Social Media betitelt hat: Social Media ist ein Paradies für die Fans während der EM. Deutschland kommt derzeit nicht an der EM vorbei. Aus diesem Grund machen wir hier eine Ausnahme und bringen heute eine Fortsetzung zum ersten Artikel.

Fangen wir mit der Fanpage der Deutschen Nationalmannschaft an. Hier soll man als Fan der Deutschen Nationalmannschaft auf jeden Fall einmal vorbeischauen. Das haben sich sicher auch die 1,5 Millionen Fans gedacht. Auf der Fanpage könnt ihr die Spiele der deutschen Elf im Livestream direkt bei Facebook verfolgen, beim Tippspiel mitmachen oder Euch mit Hilfe Eures Profilbildes im EM Trikot ablichten lassen. Und und und, also vorbeischauen lohnt sich.

Sehr schön finde ich auch die Aktion von Brandwatch. Der Monitoring Anbieter zeigt, wie man die Datenmengen von Twitter zum Leben erwecken kann. Und dann könntet ihr bei einem Spiel der Deutschen Nationalmannschaft mal das Hashtag #IchBinSchiri verwenden 😉

Wer wissen möchte, wie hoch die Interaktion um die Europameisterschaft bei Facebook sind, sollte bei AllfacebookStats vorbeischauen. Hier werden die Fanpages der Nationalspieler miteinander verglichen.

Auch wenn Jogi leider kein Fan von Facebook & Twitter ist „Meine Art, zu kommunizieren, ist das nicht. Ich halte diese Form des Austausches eher für gefährlich“ erklärte er in einem Interview mit der Zeit. Social Media hatte in Deutschland noch nie so viel (positive) Aufmerksamkeit wie derzeit zur Europameisterschaft. Dank Twitter & Co erfährt der aufmerksame Social Media Beobachter bspw. vom spanischen Nationalspieler Cesc Fàbregas, dass es am ersten Spieltag Pannen bei der Dopingkontrolle gab und einige Spanier gleich dreifach getestet werden mussten. Und Wayne Rooney veröffentliche vor dem Spiel mit Spanien ein Foto, das ihn mit Teamkollege Ashley Young beim Pool Billard zeigt mit dem Kommentar: „Rumhängen mit meinem Freund Ash, eine gute Ablenkung‘‘. Am Ende des Artikel zieht das Hamburger Abendblatt das Fazit: „Fakt ist: Durch die sozialen Netzwerke Facebook und Twitter erfahren die Fans oft mehr von ihren Stars als die Journalisten vor Ort.“ Ist es nicht genau das, was wir uns eigentlich wünschen? Der Blick hinter die Kulissen, das Gefühl am Geschehen aktiv teilzunehmen?

Zum Ende gibt es noch eine schöne Infografik von Zalando mit den etwas anderen Statistiken zur EM. Sehr gelungen würde ich sagen, oder wusstet ihr schon, wann die beste Zeit ist sich ein Bier zu organisieren 😉

ZALANDO Infografik

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