Warum reden Unternehmen eigentlich so wenig ĂŒber Nachhaltigkeit?

Woher kommen eigentlich die Lebensmittel, die ich konsumiere? Stammt das gekaufte GemĂŒse aus der Region oder wird es quer durch Deutschland oder sogar aus anderen LĂ€ndern transportiert bzw. importiert? Wie sehen die Produktionsbedingungen von meinem Pullover aus? Noch nie haben sich Konsumenten so sehr fĂŒr die Geschichte hinter den Produkten interessiert. Und die Unternehmen reagieren mit Nachhaltigkeitsstrategien und der Überarbeitung vom Produktlebenszyklus. Aber sie tun es (noch) meist im Stillen und reden nicht wirklich darĂŒber. Weiterlesen

Facebooktwittergoogle_pluspinterestmailby feather

Über Wasser, Viva con Agua und warum Gutes tun auch Spaß machen kann

Am 28. Juni war ich das erste Mal in den FanrĂ€umen des Millerntorstadium, zu einem Projektreise-Abbend von Viva con Agua nach Äthiopien. Wer in Hamburg wohnt, hat meist schon einmal von Viva con Agua gehört. Oder wer regelmĂ€ĂŸig Besucher eines Festivals ist. Viva con Agua ist nĂ€mlich da, wo sich die Zielgruppe aufhĂ€lt. Aber fangen wir von vorne an. Ich wollte mich ja intensiver mit Nachhaltigkeit beschĂ€ftigen, bin ĂŒber die Veranstaltung gestolpert und habe sie direkt in meinen Terminkalender eingetragen. Ich kannte Viva con Agua bereits und wusste, da geht es um Wasser. Weiterlesen

Facebooktwittergoogle_pluspinterestmailby feather

Unternehmen und Bewegtbild – Wie bewegen sich deutsche Firmen auf YouTube?

Ich beschĂ€ftige mich schon lange mit der VerknĂŒpfung von Bewegtbild und Social Media. Am Anfang lag mein Schwerpunkt auf Social TV, also wie man das klassische Fernsehen und die digitalen Medien miteinander verbindet. Da ich beruflich wenig mit Fernsehsendern, dafĂŒr aber sehr viel mit Unternehmen und deren Umgang mit Social Media zu tun habe, lag es nahe, mich mit Corporate TV bzw. Corporate YouTube intensiver zu beschĂ€ftigen. Weiterlesen

Facebooktwittergoogle_pluspinterestmailby feather

Politik, Bewegtbild und Social Media

Letztes Jahr zur US Wahl war die Einbindung von Social Media Inhalten in Politiksendungen noch Neuland. Sowohl die ARD als auch das ZDF haben sich durch eigene Sendungen an das Thema Social TV im politischen Kontext in der Wahlnacht herangetastet.

Social TV Angebot der ARD zur US Wahl

Das Social TV Angebot der ARD verzeichnete nach Angaben der Rundfunkanstalt knapp 90.000 Besucher zwischen 22.45 Uhr und 5.00 Uhr. Zu dem damaligen Zeitpunkt bereits sehr gute Zahlen.

Jetzt – ein Jahr spĂ€ter – ist die Einbindung von Zuschauermeldungen von den verschiedenen Social Media Plattformen nicht mehr wegzudenken. Nahezu alle Sendungen zur diesjĂ€hrigen Bundestagswahl haben Inhalte aus Social Media integriert. Eine Webseite zur Sendung, auf der die verschiedenen Inhalte der Social Media KanĂ€le mit eigenem Kommentarsystem kumuliert werden, ist mittlerweile Standard. Der direkte RĂŒckkanal der Social Media BeitrĂ€ge in die Sendung war bisher allerdings noch keine SelbstverstĂ€ndlichkeit. Hier hat sich in den letzten Monaten und vor allem bei den Formaten zur Bundestagswahl einiges getan.

Da wĂ€re z.B. die Sendung „Überzeugt uns“, die im am 26. August spĂ€tabends in der ARD ausgestrahlt worden ist.

Einblendung von Tweets in der Sendung

Die Sendung wurde von Tagesthemen-Sprecher Ingo Zamperoni und Katrin Bauernfeind moderiert. Richard Gutjahr hat zusammen mit dem Social Media Team des SWR das Web im Blick gehabt und als „Twittertussi“ immer wieder interessante BeitrĂ€ge aus dem Netz wĂ€hrend der Sendung vorgelesen. In sogenannten Speeddating-Runden mussten die Politiker in 15 Sekunden zudem Fragen der Zuschauer beantworten. Wie das Bild mit Claudia Roth zeigt, wurden auf dem Fernsehbildschirm darĂŒber hinaus BeitrĂ€ge aus dem Web eingeblendet.

Ein weiteres Angebot der ARD zur Wahl war der Kanzlercheck. Hier konnten die Zuschauer bereits einige Wochen vor den eigentlichen Interviews mit Angela Merkel und Peer SteinbrĂŒck ihre Fragen an die beiden Kanzlerkandidaten einreichen. Damit sich die Zuschauer bereits vorab zu den Wahlthemen informieren konnten und um bereits Content auf der Seite zu haben, wurden sĂ€mtliche Inhalte der ARD fĂŒr die junge Zielgruppe zur Wahl auf der Seite integriert, dazu gehörten beispielsweise auch die beiden Wahlspecials der Sendung Klub Konkret. Über 500 Fragen wurden insgesamt von den Zuschauern eingereicht.

Webseite des Kanzlercheck

ïżŒDas ZDF hatte zum TV Duell, wie bereits bei der Sendung „Die Debatte“, die AktivitĂ€ten auf Twitter in einem #ZDFnetzradar auf der eigenen Seite gespiegelt. Auf diese Weise konnten Interessierte mitverfolgen, wie viele Tweets wĂ€hrend der Sendungen zum TV Duell an sich und zu #Merkel oder #Steinbrueck veröffentlicht worden sind.

ZDRnetzradar zum TV Duel

ïżŒDie Öffentlich-rechtlichen-Sender waren also insgesamt sehr aktiv bei der VerknĂŒpfung der Formate mit Social Media. Der Sender Pro7, der mit Stefan Raab den einzigen Moderator eines privaten Senders im TV Duell gestellt hatte, hatte fĂŒr das TV Duell mit #P7TVDuell ein eigenes Hashtag zur Sendung im Einsatz. Wer das TV Duell auf ProSieben mitverfolgt hat, konnte auf deren Social TV Plattform ProSieben Connect auf dem Second Screen mitdiskutieren.

Im Vergleich zur Quote war der Anteil der Social Media BeitrĂ€ge verhĂ€ltnismĂ€ĂŸig gering. Bei circa 17,64 Millionen Zuschauern haben etwa 36.000 Twitter-Nutzer das Fernsehduell in rund 173.000 Tweets mit dem Hashtag #TVDuell kommentiert.

Durch die zunehmende Einbindung von Social Media in TV-Sendungen wird diese Zahl jedoch steigen. Durch die EinfĂŒhrung von Hashtags bei Facebook wird auch dieses Social Netzwerk zukĂŒnftig eine wichtige Rolle im Bereich Social TV spielen.

Durch YouTube & Co haben neben den Fernsehsendern aber auch die Zuschauer die Möglichkeit eigene Inhalte ins Netz zu stellen. Der Journalist Tilo Jung hat Anfang des Jahres die Serie „Jung und naiv“ gestartet, in der er Politiker und Experten mit simplen und naiven Fragen zu politischen Themen löchert.

Bildschirmfoto 2013-10-01 um 21.48.13

Der im August in Deutschland gestartete Social TV Sender joiz hat Tilo Jung fĂŒr mehrere Folgen im Rahmen der Wahl verpflichtet. WĂ€hrend der Ausstrahlung im TV hat Tilo Jung die Fragen der Zuschauer beantwortet. Auf diese Weise hat es ein Webformat ins klassische Fernsehen geschafft.

Jung und naiv bei joiz

Auch die Sender stellen ihre Inhalte bei YouTube ein. In der Sendung Tagessschaum wurden im Rahmen der Wahl ab Mitte Juni jeweils drei Sendungen pro Woche mit politischen Themen des Tages produziert und vorab bei YouTube eingestellt, bevor die Sendung schließlich im TV ausgestrahlt worden ist. Hier galt also Online first.

Ein weiterer Journalist, der sich mit eigenem YouTube Kanal inhaltlich der Politik und den Wahlen gewidmet hat ist Mirko Drotschmann. Ähnlich wie bei Tilo Jung war die Intention fĂŒr den Kanal MrWissen2go bestimmte Dinge einfach mal simpel zu erklĂ€ren. In (fast) fĂŒnf Minuten Videos stellt Mirko Drotschmann beispielsweise die verschiedenen Parteien inkl. Parteigeschichte vor. Am Wahlabend hat Mirko Drotschmann mit anderen YouTubern, wie z.B. LeFloyd, einen Hangout veranstaltet und das Ergebnis diskutiert.

ïżŒ

Insgesamt gab es zur Wahl sehr viele Hangouts. Tilo Jung hat in Kooperation mit Google ebenfalls mehrere Hangouts durchgefĂŒhrt und auch die Sender haben eigene Hangouts veranstaltet.

Die Liste an politischen Sendungen mit Social Media Einbindung oder von Zuschauern mit eigenen Formaten könnte noch um weitere Beispiele ergĂ€nzt werden. Gerade bei YouTubern spielt Social Media als Feedbackkanal auch eine wichtige Rolle. Die verschiedenen Social Media Plattformen haben sich zu einem festen Bestandteil bei Bewegtbildformaten entwickelt, auf YouTube und im „klasssischen Fernsehen“. Gerade fĂŒr die jĂŒngere Generation gewinnt der Austausch ĂŒber Social Media immer mehr an Bedeutung. Auch wenn das Social Media Engagement der Politiker bei dieser Wahl noch keinerlei Auswirkungen auf den Wahlausgang hatte, wird Social Media langfristig einen nicht zu vernachlĂ€ssigenden Einfluss auf die Politik nehmen.

Der große Erfolg von Formaten wie Jung und Naiv oder MrWissen2go zeigt aber vor allem eins: Der Bedarf an politischen Inhalten, die Sachverhalte einfach erklĂ€ren ist groß und der aktuellen Jugend kann man mit Sicherheit keine Politikverdrossenheit vorwerfen.

Facebooktwittergoogle_pluspinterestmailby feather

Social Media und Startups am Beispiel von pixoona

Das Buch von Stephan und mir richtet sich vornehmlich an kleine und mittelstĂ€ndische Unternehmen. Berichte ĂŒber kleine Unternehmen finde ich in meiner Filterbubble eher selten, in den meisten FĂ€llen werden Social Media Maßnahmen und Kampagnen von großen Unternehmen thematisiert. Es wurde also Zeit, sich in einem Blogartikel mal den KMUs zu widmen. Den Anfang macht pixoona, die einen guten Job in Social Media machen und großen Wert auf Blogger Relations legen:

Was ist pixoona?

pixoona ist ein Bildtagging Dienst, das könnt ihr auf dem Bild schon sehr gut erkennen. Ihr könnt auf den Bildern Kommentare, andere Bilder, Musik oder auch Videos hinterlassen. Also etwa so etwas wie das Personentagging bei Facebook nur mit viel mehr Möglichkeiten. Unternehmen können z.B. in ihrem Blog oder auf der eignen Webseite die Produkte auf dem Bild vertaggen und auf den Online Shop verlinken.


Mit Hilfe der Browser App kann man auch im Bilder im Web mit einem PIX versehen, die dann beim eigenen Profil angezeigt werden, also ein bisschen wie Pinterest. Und die mobile App bietet einen Àhnlichen Service wie Instagram & Co.

Auf den Social Media KanÀlen erhalten die Besucher einen Blick hinter die Kulissen und können sich immer wieder bei Aktionen beteiligen.

Meine erste Begegnung mit pixoona war auf dem Barcamp 2012 in MĂŒnchen. Das Startup gab es damals noch nicht, aber die Idee haben die Jungs interessierten Teilnehmern des Barcamps ausfĂŒhrlich vorgestellt. Der Kontakt mit Onlinern zieht sich bei pixoona wie ein roter Faden durch alle Projekte. Zum einen gehört pixoona bei manchen Barcamps schon fast zum Inventar, aber auch das Startup bekommt von den Teilnehmern immer wieder wichtigen Input. Schließlich sind die „Early Adopter“ eine relevante Zielgruppe. Aus diesem Grund nimmt pixoona etwa bei 8 bis 10 Barcamps pro Jahr teil.

Etwas mehr Aufmerksamkeit bekam pixoona durch die diesjĂ€hrige re:publica. FĂŒr das Startup war das Bloggertreffen das ideale Event, um den Relaunch der Apps zu prĂ€sentieren, dazu gab es einen großen Live-Beat Test. Anstatt sich in der Startup Area mit anderen Startups zu tummeln, hatte pixoona einen grĂ¶ĂŸeren Stand gebucht und entsprechend gebrandet. Die Besucher der re:publica konnten sich auf dem Stand mit einem Photo-Booth verewigen.

Bilder, das passt halt auch zum Unternehmen. DarĂŒber hinaus gab es einen amerikanischen Schulbus, der neben Photo-Touren durch Berlin verschiedenen Speaker hatte, die den Teilnehmern ein Thema kurz und knapp vorgestellt hatten. FĂŒr alle, die mit ihrer Sessionanfrage bei der re:publica nicht erfolgreich waren, war das eine prima Alternative. Ich habe auch als Speaker mitgemacht und auf einer Tour das Thema Social TV erklĂ€rt.

Die Idee zum Blogartikel hatte ich im Rahmen der Bloggertour.

pixoona sucht immer wieder den persönlichen Kontakt mit Bloggern, die Bloggertour sollte ebenfalls dazu dienen die Zielgrupppe kennenzulernen und Zeit mit ihr zu verbringen. Die Bloggertour war vom 17 bis 18. August. Nach einem Zwischenstop in Hannover, u.a. bei t3n, war das erste Event in Hamburg ein gemeinsames FrĂŒhstĂŒck in St. Pauli. Im Anschluss war eine Fototour geplant, die aber aufgrund mangelnder Teilnehmer leider ausgefallen ist. Da sind wir auch beim Problem der Tour angelangt. Die Planung oder zumindest die Bekanntgabe hat dann doch sehr kurzfristig stattgefunden, viele Blogger waren da bereits anderweitig verplant. Ich habe mich mit den Jungs von pixoona dann spontan auf den Weg nach Kiel zum Barcamp gemacht. Am Sonntag hat uns, neben einer ebenfalls eher geringen Teilnehmerzahl bei der Food Tour, auch das Wetter einen Strich durch die Rechnung gemacht. FĂŒr mich war der Sonntag aber auch interessant. So war ich als Hamburgerin das erste mal im Karolinenviertel und habe einen Blick in die KĂŒche des Herzblut St. Pauli erhalten.

Auf der Reeperbahn halte ich mich eher selten auf, ich hĂ€tte mich daher also eher nicht ins Herzblut verirrt. Das Essen war aber wirklich sehr lecker! Auch wenn die Organisation bei pixoona hier und da ein bisschen chaotisch ist, man merkt immer, dass die Jungs es ernst meinen und wirklich an Feedback und VerbesserungsvorschlĂ€gen interessiert sind. Die verschiedenen Social Media Plattformen werden bei Startups oft viel ehrlicher und natĂŒrlicher genutzt, das fĂ€llt mir nicht nur bei Pixoona auf. Social Media gehört da eben zum Kommunikationsprozess dazu.

Julian von pixoona habe ich zum Thema Social Media dann auch gleich noch ein paar Fragen gestellt:

Warum setzt ihr auf Blogger Relations?

Blogger haben oft ein gutes GespĂŒr fĂŒr neue Entwicklungen. Sie nutzen Apps wie unsere oftmals vor den meisten anderen und finden kreative und nĂŒtzliche Wege diese fĂŒr sich einzusetzen. Sie sind zudem ehrlich und direkt. Man kann sich mit Bloggern oft in lockerer AtmosphĂ€re und in regelmĂ€ĂŸigeren AbstĂ€nden austauschen. Dabei geht es nicht immer nur darum, diese dazu zu bringen ĂŒber uns zu schreiben oder direkt Power-User zu werden. Es geht auch darum von ihnen zu lernen. Zu sehen, wo wir uns noch verbessern können. Oder was interessante Usecases wĂ€ren und was wir dafĂŒr fĂŒr Voraussetzungen schaffen mĂŒssen. Das alles bringt uns weiter.

Wie erfolgreich sind eure Aktionen?

Das hĂ€ngt stark davon ab welches Ziel wir fĂŒr eine jeweilige Aktion haben, welche Erfahrungen wir im Vorfeld hatten und wie die Voraussetzungen – ich nenne es mal Umweltfaktoren – gewesen sind. Wir haben schon große Erfolge erzielt und sind auch schon teilweise auf die Nase gefallen. Nur passiert uns letzteres in der Regel kein zweites Mal. Auch daraus können wir viel ziehen und es in die Vorbereitungen der nĂ€chsten Aktionen mit einbeziehen. Die re:publica war fĂŒr uns zum Beispiel ein Erfolg, weil wir mit einem starken Team angerĂŒckt sind, ehrlich mit den noch vorhandenen SchwĂ€chen unserer Beta umgegangen sind und viel zugehört haben. Dadurch haben wir zum einen gelernt was unserer App noch fehlt. Zum anderen haben wir es geschafft unsere Bekanntheit in einer wichtigen Zielgruppe deutlich zu erhöhen. Das war eine super Basis fĂŒr all das was folgte und noch folgen wird.

Was fĂŒr eine Zielsetzung habt ihr dabei?

Zuhören. Lernen. Netzwerken. Und dann auch in Kontakt bleiben. Wenn wir Bloggern oder anderen Menschen, denen wir bei Events begegnen helfen können, machen wir das gerne. Und das stĂ¶ĂŸt auch oft auf Gegenseitigkeit. Und diese Gegenseitigkeit ist die Basis fĂŒr all das was wir machen. Es bringt nichts nur die Hand aufzuhalten. Aber es ist toll, dass es möglich ist, dass mittlerweile beide Seiten den ersten Schritt machen und man sich danach nicht direkt wieder vergisst. Diese Kultur, die ja auch auf Barcamps vorgelebt wird, fördern wir von Anfang an. Und das wollen wir auch in Zukunft machen.

Wie viel Geld muss man in die Hand nehmen?

Das ist ganz unterschiedlich. Es muss nicht immer alles teuer sein. Kleine Gesten werden genauso wertgeschĂ€tzt. Aus unserer Erfahrung geht es insbesondere Erfahrungen und Erlebnisse zu kreieren oder einfach nur gute GesprĂ€che zu haben. Die meisten Blogger sind offene Menschen. Wichtig ist, dass man sowohl versucht lokal ein gutes Netzwerk aufzubauen und sich gleichzeitig herauswagt. Da entstehen dann vor allem hohe Reisekosten. Wenn man ein begrenztes Budget hat, sollte man gerade was Blogger Relations angeht nicht zu viel verstreuen und nur halbherzige Aktionen machen, sondern sich auf ein paar wichtige Aktionen konzentrieren und hierfĂŒr ein bisschen mehr investieren. DarĂŒber lassen sich bessere und interessantere Beziehungen aufbauen. Man muss nach den Events dann halt in Kontakt bleiben. Wenn man aber nun eine gemeinsame Basis, eine schöne Erinnerungen hat, dann fĂ€llt das deutlich leichter.

Was wĂŒrdet ihr anderen KMUs oder Startups raten?

Traut euch raus. Guckt euch an, welche Kontakte und Medien fĂŒr euch wichtig sind und was diese beschĂ€ftigt. Analysiert auch was diese stĂ€ndig von anderen Unternehmen bekommen und wie ihr euch unterscheiden könnt. Wenn wir zum Beispiel unsere Stadtrundfahrt durch Berlin im amerikanischen Schulbus und mit App-Beta-Test nehmen. Das ist etwas woran sich die Teilnehmer erinnern. Wenn ihr nicht wisst wo ihr anfangen sollt, dann geht auf Events wo Leute unterwegs sind, die Ă€hnliche Interessen haben wie ihr. Barcamps gibt es mittlerweile so viele zu den verschiedensten Themen. Da macht ihr die ersten wichtigen Kontakte und lernt wie diese ticken. Und wenn zu eurem Thema noch kein Barcamp dabei ist, dann sprecht mit Bloggern aus eurem Bereich und organisiert selbst eins. Man muss Initiative zeigen wollen. Das geht nicht mit 9-to-5, aber zahlt sich mit der richtigen Einstellung in der Regel aus. Leute mit Ă€hnlichen Interessen zusammenbringen ist ohnehin immer eine gute Idee.

Wie ist Social Media bei euch intern aufgehÀngt?

Wir nehmen Social Media auf jeden Fall sehr ernst. Alle Leute in unserem Kommunikationsteam kommen damit in unterschiedlicher IntensitĂ€t und HĂ€ufigkeit in BerĂŒhrung. Zudem haben wir eine Community Managerin und einen Social Media Manager, deren Hauptfokus natĂŒrlich darauf liegt. Ein paar Allrounder-FĂ€higkeiten brauchst du aber wohl in einem Startup immer. 😉

Was ist fĂŒr euch die wichtigste Social Media Plattform und warum?

Die Plattformen mit denen wir am meisten arbeiten sind auf jeden Fall Twitter, Facebook und unser Blog. Wir sind zudem bei Google+ unterwegs und bauen nach und nach unsere YouTube-Channel auf. Zudem sind wir natĂŒrlich damit beschĂ€ftigt unsere eigene Community auf pixoona auszubauen und zu supporten. Es ist schwierig eins herauszuheben, weil sie alle in gewisser Weise ihren Zweck erfĂŒllen. Wenn wir aber ĂŒber Blogger Relations und diese spezifische Zielgruppe sprechen, hat uns Twitter wohl am meisten weitergeholfen. Das liegt aber auch daran, dass die meisten von uns auch vor pixoona mit privaten Accounts sehr aktiv auf Twitter waren und dadurch sich dort eigene Communities gebildet haben. Diese Kontakte pflegen wir natĂŒrlich bis heute und pixoona profitiert sicherlich auch davon.

Facebooktwittergoogle_pluspinterestmailby feather

Gedanken zur Zeitungsdebatte oder die Frage nach Push oder Pull

Momentan erscheint auf Spiegel Online im Rahmen eines Dossiers ĂŒber die Zukunft der Zeitung jeden Tag ein Artikel von einem Journalisten, Zeitungsmacher oder einem Kenner der Szene. Interessantes Thema, ich habe mich im Jahr 2008 auch im Rahmen meiner Bachelorarbeit mit den Strategien der Zeitungmacher zur Bindung der Leser beschĂ€ftigt. Also habe ich heute wieder zwei Artikel gelesen, die nicht unterschiedlicher sein könnten.

Da wĂ€re zum einen der Artikel von Mario Sixtus. Er bringt wichtige Fragen wie bspw. das Thema Ökonomie und Ökologie auf den Tisch. Im Anschluss habe ich den Artikel von RZ Chefredakteur Christian Lindner gelesen. Er schildert, welche Chancen regionale Zeitungen in Kooperation mit dem Leser haben und er liefert einige Argumente fĂŒr Print, die ich ehrlich gar nicht so verkehrt finde.

Beide haben sie ihre Berechtigung, obwohl beide unterschiedliche Aussagen haben. Auf der einen Seite die Sichtweise eines Journalisten, auf der anderen die eines Zeitungsmacher. Aber wie sieht eigentlich die Sichtweise eines Lesers aus?

Ich schreibe in dem Beschreibungstext bei Twitter ĂŒber mich „Ist in diesem Internet zuhause und macht was mit digitaler Kommunikation bei elbkind GmbH …“ Über die „Netzgemeinde“ sagt man ja, sie ist politisch sehr interessiert. Ich wĂŒrde sagen, dass das auch auf mich zutrifft. Ich bin zwar am Thema Politik interessiert, die Zeit mich umfassend zu informieren habe ich allerdings nicht.

Ich besuche nicht jeden Morgen die Seiten von Spiegel Online, der Zeit oder der SĂŒddeutschen. Bei mir stehen ganz andere To Dos auf meiner Liste, wenn ich morgens anfange zu arbeiten. An manchen Tagen habe ich auch keine Zeit meine Timeline bei Twitter zu lesen. Wenn ich das tue und dort spannende Artikel empfohlen bekomme, lese ich diese aber auch.

WĂ€hrend eines Praktikums im Studium bin ich immer von Darmstadt nach Frankfurt gefahren und habe mir fĂŒr die Fahrt oft die Welt Kompakt gekauft. Das Wichtigste zusammengefasst. Warum ich mir die Welt Kompakt und nicht die SĂŒddeutsche oder einen andere große Tageszeitung gekauft habe, ist einfach erklĂ€rt: Sie fasst das Wichtigste zusammen und da habe ich die Chance aufgrund der geringen Anzahl an BeitrĂ€gen auch alle zu lesen. Was ich morgens nicht geschafft habe, habe ich auf der Heimreise im Zug gelesen.

Mittlerweile habe ich die Welt Kompakt im Abo, aber ich lese sie fast nie. Mir fehlt der „lange“ Weg, die Zugfahrt, zur Arbeit. Warum ich ĂŒberhaupt eine Zeitung im Abonnement habe? Ich habe eine bestimmte Anzahl an Artikeln zur Region, Deutschland und dem internationalen Weltgeschehen, die mich insgesamt auf den aktuellen Stand bringen. In der Hinsicht kann ich also Christian Lindner zustimmen. Meine Eltern lesen den Trierischen Volksfreund, weil das die einzige Möglichkeit ist, regional informiert zu bleiben. Ich habe mich lange Zeit nicht fĂŒr Regionalpolitik interessiert. FĂŒr mich waren die StĂ€dte bisher immer nur das Zuhause auf Zeit, der Wohnort bis zum nĂ€chsten Job. Hier in Hamburg ist das zum ersten Mal anders. Ich fĂŒhle mich hier wohl, kann mir vorstellen hier sesshaft zu werden. Was hier regional passiert, weiß ich aber ehrlich gesagt (noch) nicht.

Wie informiere ich mich eigentlich oder besser, wie versuche ich mich zu informieren?

NatĂŒrlich habe ich die Topmeldungen der Zeitungen auch in meinen RSS Reader integriert, dort schaue ich aber vielleicht einmal pro Monat rein. Ich bekomme den Reader einfach in nicht in meinen Tagesablauf integriert. Das gleiche gilt fĂŒr Rivva, Virato, die Social-Media-Presseschau der SĂŒddeutschen Zeitung, den tollen Service Tame. Alles prima Tools, Rivva und Feedly habe ich sogar als Startseite bei meinen Browsern eingerichtet, aber es hilft nichts. Auch bei Facebook, wo ich mich tĂ€glich aufhalte, habe ich eine Liste mit Nachrichtenseiten erstellt. Ich nutze sie nur selten. Damit ich doch mitbekomme, was in der Welt so los ist habe ich bei fĂŒr mich wichtigen Nachrichtenseiten ein HĂ€kchen gesetzt, so dass ich ĂŒber neue Schlagzeilen informiert werde.

Leider werde ich damit auch ĂŒber viele uninteressante Inhalte informiert, die auf den Seiten geteilt werden. Ich möchte die wichtigsten Inhalte – am liebsten aus verschiedenen Zeitungen – nach meinen BedĂŒrfnissen zusammengestellt bekommen. Nicht Pull sondern Push. Die Zeitung bekomme ich jeden Morgen in meinen Briefkasten geliefert mit einer Auswahl an Artikeln. Hier fehlt allerdings die Personalisierung. Ich mag die Trending Mails von Twitter, weil sie mir immer wieder einen Überblick ĂŒber bestimmte Inhalte aus meinem Netzwerk geben.

Newsletter haben derzeit ein Comeback. Das passiert doch auch nicht alles ohne Grund?! Ich lasse mich aktuell von Martin Giesler, Jannis Kucharz und Florian Kohl regelmĂ€ĂŸig informieren, was die wichtigsten Neuigkeiten sind. Wer andere tolle Newsletter kennt, am liebsten zu politischen Themen, her damit! Auf diese Weise gebe ich dem Slogan „Wenn die Nachricht wichtig ist, wird sie mich finden.“ ein klein wenig Nachhilfe. Diese Inhalte erhalte ich aber bequem per Push in mein Emailpostfach und da werden sie von mir auch gelesen.

WÀhrend ich Seiten wie Rivva, Virato oder Tame aktiv besuchen muss (Pull). Ich tue das nicht oder nur selten, weil ich die Seiten nicht mag, sondern weil diese Dienste im Alltag bei mir in Vergessenheit geraten. Das ist bei mir glaube ich auch der Grund, warum ich Google+ einfach noch nicht nutze. Die Webseiten der Zeitungen besuche ich da schon öfter, aber oft auch nur durch Verlinkungen bei Twitter oder Facebook.

Zur Zeitungskrise werfe ich also nicht nur noch mehr Fragen auf, ich bringe auch keine Lösungen. Wie informiert ihr euch und welche Rolle spielen dabei Facebook, Twitter und RSS Feeds? Wonach entscheidet ihr, ob ihr euch zu einem Thema jetzt auf SĂŒddeutsche, Zeit Online oder SpOn informiert? Oder lest ihr alle Artikel, um die Problematik aus den verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten? Wie viele Artikel lest ihr pro Tag?

Facebooktwittergoogle_pluspinterestmailby feather

Social TV bei Unternehmen – Geht das?

Social TV ist grade das Buzzword ĂŒberhaupt und alle reden darĂŒber, wie die Sender Formate „social“ machen können und sollen. Dabei könnte und sollte Bewegtbild auch fĂŒr Unternehmen eine wichtige Rolle spielen. Das Thema Corporate TV erhĂ€lt meiner Meinung nach noch nicht mal annĂ€hernd die Bedeutung, die es verdient hĂ€tte. Das macht mich traurig.

Warum sich YouTube und Corporate TV lohnt?

Bertram Gugel hat zusammen mit Markus HĂŒndgen auf der re:publica eine Session zu YouTube gehalten. Das Video und die gesamten Folien dazu findet ihr bei Bertram im Blog.

Eine Grafik möchte ich exemplarisch aufgreifen. Die Zahl der aktiven Nutzer ist bei YouTube im Vergleich zu Facebook grĂ¶ĂŸer.

Nutzung Facebook vs. YouTube

Und wer jetzt sagt, das sind ja nur die jugendlichen User, der sollte sich die folgenden Zahlen der ARD/ZDF-Onlinestudie anschauen.

Web-2.0-Nutzung 2012 nach Geschlecht und Alter

Die Nutzung von Videoportalen liegt in allen Altersklassen ĂŒber der Nutzung von privaten Netzwerken und Communities aka Facebook. In GesprĂ€chen mit Offlinern höre ich immer wieder, dass sie zwar keinen Facebook Account haben, sich aber regelmĂ€ĂŸig Videos bei YouTube anschauen. Klar, YouTube ist ja auch die zweitgrĂ¶ĂŸte Suchmaschine nach Google.

YouTube ist eine Suchmaschine

Die meisten Unternehmen scheinen das aber noch nicht zu begreifen.

Wie nutzen Unternehmen YouTube?

Viele Firmen haben zwar einen Kanal, nutzen ihn aber nicht wirklich. Da wird dann der neueste Werbespot hochgeladen oder man findet Videos zu aktuellen Kampagnen. Die Inhalte stehen (meist) fĂŒr sich alleine. Die VerlĂ€ngerung von Werbespots werden ich sicher in einem anderen Artikel einmal thematisieren. Zum Thema Produktplacement gibt es aktuell einen schönen Artikel im ZDF Blog Hyperland.

Parship hat angefangen, kleine Dokumentation von Paaren als Serie einzustellen, die sich bei Parship kennengelernt haben. Man lĂ€sst den Kunden fĂŒr sich sprechen.

Paarship-Paare

Hornbach setzt auf die hohe Nachfrage nach DIY (Do it yourself) Inhalten und hat eine Playlist unter dem Titel „Hornbach Meisterschmiede“ eingefĂŒhrt.

Hornbach Meisterschmiede

Macht ja auch Sinn! Wer es schon wieder vergessen hat: YouTube ist die zweitgrĂ¶ĂŸte Suchmaschine! Wenn der Kunde beispielsweise nach „Bodenfliesen verlegen“ sucht, findet er so das Corporate Video. Dass es funktioniert, zeigen die doch sehr ordentlichen Zugriffszahlen. Die Videos sind alle aus dem Jahr 2010 und zeigen damit auch ein weiteres wichtiges Merkmal von YouTube.

Archivaufrufe bei YouTube

Der Anteil der Archivabrufe ist meist höher, als der von neuen Videos.
Über den Inhalt dieser Videos möchte ich in diesem Artikel nicht genauer eingehen, hier gibt es sicher noch Optimierungsbedarf 😉

Was hier jetzt natĂŒrlich fehlt ist der interaktive Part.

Kann man als Unternehmen ĂŒberhaupt Social TV machen?

Die Drogeriemarktkette hat das Format #mitgefragt entwickelt.

Die Zuschauer haben zwei Möglichkeiten sich zu beteiligen.

mitgefragt

Sie können entweder zu einem bestimmten Thema eine Frage einreichen, die dann im Video gestellt wird oder selbst ein Thema vorschlagen. Besucht wird beispielsweise Persil, payback oder die Alnatura.

Auf dem Videocamp im September 2012 haben wir einige Corporate KanĂ€le analysiert. Von dm wurde damals das mitgefragt Video zu fairy angeschaut. Ich weiß noch, dass wir nicht ĂŒber zwei Minuten hinaus gekommen sind und das Video damals als langweilig und uninteressant abgestempelt haben.

Wenn man die Idee dahinter nicht kennt, kann man sich natĂŒrlich spannendere Inhalte fĂŒr ein Unternehmen vorstellen. Was fĂŒr mich hier wieder sehr deutlich wird: Die ersten Minuten entscheiden, ob ein Zuschauer wegklickt oder weiterschaut. Das ist eigentlich auch ein offenes Geheimnis bei der YouTube Community.

Ja und der Inhalt wurde natĂŒrlich auch kritisiert. Wie kann ein Unternehmen wie der Drogeriemarkt dm hingehen und dann so langweilige „Werbeinhalte“ fĂŒr ein SpĂŒlmittel bringen. Dazu hatte dm auch einige kritische Kommentare unter dem Video kassiert.

Wenn wir das Konzept jetzt allerdings durch die Social TV Brille beachten, ist das eine großartige Idee. Die Zuschauer haben die Möglichkeit sich aktiv zu beteiligen, sowohl bei der Themenwahl als auch bei der Ermittlung der Fragen. Bei den eingereichten VorschlĂ€gen entscheidet wieder der Zuschauer, welches Thema relevant ist.

Übersicht der VorschlĂ€ge

Durch einen Klick auf die Herzen können die Nutzer mitteilen, welches Thema sie interessiert. Man kann sich auch anschauen, welche User-VorschlĂ€ge bereits umgesetzt worden sind. Der Einbindung der Zuschauer ist auch bei Journalisten gerade en vogue. Beim #ZDFcheck kann die Community mit recherchieren, welche Wahlaussagen der Politiker korrekt sind. Welche Themen recherchiert werden, entscheidet jedoch das ZDF selbst. Bei der Zeit gibt es den ZEITmagazin Faktomat und die SĂŒddeutsche Zeitung setzt beim Projekt Die Recherche ebenfalls auf das Feedback der Community. Hier ist es umgekehrt: Die Leser geben die Themen vor und die Journalisten recherchieren, also Ă€hnlich dem dm Ansatz. Und jetzt die Masterfrage: Ist es gut, wenn Journalisten so etwas durchfĂŒhren oder dĂŒrfen auch Unternehmen in diesem Bereich tĂ€tig sein?

Jetzt mal ehrlich. Ein Drogeriemarkthersteller macht die Produkte, die es verkauft greifbar und stellt sie, die Herstellung und die Unternehmen dahinter vor. Warum interessiert sich den ein Kunde fĂŒr dm? Hier spielen die Produkte doch eine sehr wichtige Rolle, es ist daher ein verdammt kluger Schachzug diese auf dem YouTube Kanal in den Vordergrund zu stellen.

Neben mitgefragt gibt es bei dm auch die Formate mitgestestet, Schönheit und dm Unternehmen. Mein Fazit: Der YouTube Kanal von dm ist auf jeden Fall einen Blick Wert. Über die genaue Umsetzung lĂ€sst sich streiten, aber der Ansatz ist vorbildlich.

Kennt ihr weitere Unternehmen, die ihre Zuschauer aktiv einbeziehen? Dann ab in die Kommentare damit 😉

Facebooktwittergoogle_pluspinterestmailby feather

Warum Social TV nicht stirbt, und was About:Kate damit zu tun hat

Ich habe in den letzten Tagen und Wochen immer wieder die Beobachtung gemacht, dass Social TV mit der linearen Diskussion auf Twitter & Co (und ggf. Zusatzinformationen) zum aktuellen Fernsehprogramm gleich gesetzt wird. Das ist zu kurz gedacht, denn Social TV ist viel mehr als das bloße kommentieren von Fernsehsendungen auf Twitter. Die wohl einfachste Definition von Social TV ist die VerknĂŒpfung von Social Media und Fernsehen und das kann auf verschiedene Arten geschehen.

Ab wann spricht man davon, dass Fernsehen „social“ ist? Frank und ich hatten das in unserem Artikel ĂŒber den aktuellen Stand in Deutschland bereits wie folgt zusammengefasst:

Von “social” im engeren Sinne können wir also immer dann sprechen wenn: Ich etwas mache, das auf andere Einfluss hat (z.B. eine Sendung bewerten oder kommentieren), ich durch Dritte beeinflusst werde (z.B. ein TV Tipp eines Freundes per Mail), wenn ich zusehe, was eine oder mehrere Personen machen (z.B. den Twitter-Stream wĂ€hrend des Tatorts lesen), mich selber einbringe (z.B. ein YouTube Video hochlade), mit anderen Nutzern zusammen etwas gestalte (z.B. ein gemeinsamer Hangout), oder aber durch die Daten, die eine große Gruppe erzeugt hat profitiere. (z.B. bessere Orientierung bei IMDb oder iTunes durch Ranking der meistgekauften Apps oder beliebtesten Filme).

Wie kommt es jetzt, dass der Begriff Social TV hauptsĂ€chlich mit den Diskussionen auf Twitter parallel zum Programm in Verbindung gebracht wird? FĂŒr die Sender ist das Kuratieren von Twitter & Facebook BeitrĂ€gen (inkl. eigenem Kommentarsystem) auf der eigenen Webseite zu großen Events schon fast Standard geworden. WĂ€hrend ARD und ZDF ihre Second Screen Angebote Formatbezogen anbieten, können Interessierte die App connect von ProSiebenSat1 fĂŒr das Programm bei Pro7 und Sat.1 rund um die Uhr nutzen. Anstatt sich einen eigenen Namen fĂŒr das Second Screen Angebot der ARD zu ĂŒberlegen, nennt der Sender seine App einfach „Social TV“ und fordert die Zuschauer auf IM Social TV ĂŒber die Formate zu diskutieren. Das macht die Trennung von linearen Programm und dem Begriff Social TV natĂŒrlich nicht einfacher. Aber was ist beispielsweise mit dem Tatort+, bei dem die Zuschauer vor und nach der Ausstrahlung selbst ermitteln konnten?

Bei About:Kate findet wenig bis gar keine Diskussion auf Twitter oder der Facebook-Seite wĂ€hrend der linearen Ausstrahlung im TV statt. Trotzdem ist die Serie fĂŒr mich ein Best Practice fĂŒr Social TV. Parallel zur Serie gibt es ein Facebook Profil der Protagonistin Kate.

Kate Profil Facebook

Im Namen der Protagonistin werden hier alle möglichen FundstĂŒcke aus dem Social Web veröffentlicht, so wie es viele anderen machen. Wer möchte, kann Kate eine Freundschaftsanfrage schicken. Viele veröffentlichen eigene Inhalte auf dem Profil von Kate. Ich habe die Inhalte von Kate abonniert und eine lange Zeit verfolgt, bis ich mir die erste Folge Wochen nach der Erstausstrahlung im TV angeschaut habe. Auf der eigentlichen Fanpage von About:Kate erfĂ€hrt der Zuschauer natĂŒrlich immer wieder etwas zu der jeweils aktuellen Folge.

Neben der PrĂ€senz auf Facebook gibt es die Webseite von About:Kate. Im Bereich Rezeption erfĂ€hrt der Besucher alles ĂŒber die Serie. Dort steht geschrieben:

„Unsere IdentitĂ€t ist virtueller denn je. Wir geben unsere WĂŒnsche und SehnsĂŒchte in Suchmaschinen ein, streben in sozialen Netzwerken nach Anerkennung und sind eifersĂŒchtig auf das inszenierte Leben anderer. Unsere eigenen Angebereien, TrĂ€ume und Ängste speisen wir Tag fĂŒr Tag ins Netz ein und erfinden uns dabei permanent neu. Im Gegenzug erhalten wir unentwegt Input aus dem Web. Die Grenzen zwischen Realem und Inszeniertem verschwimmen und unsere Spuren sind ĂŒberall und von jedem auffindbar.“

Sind wir nicht alle ein bisschen Kate? Im Rahmen der Serie hat der Zuschauer die Möglichkeit, sich mit der eigenen (virtuellen) IdentitĂ€t auseinanderzusetzen. Hier setzt vor allem die Second Screen App von About:Kate an. Sie begleitet jede Folge mit zusĂ€tzlichen Einblicken in Kates Welt und ermöglicht dem Zuschauer Folge fĂŒr Folge eine Selbstanalyse.

App About Kate

Das tolle an der App, sie funktioniert nicht nur linear, wie wir das von den meisten Second Screen Angeboten der Sender gewohnt sind. Die App erkennt ĂŒber ein Audiosignal – wie bei Shazam – welche Folge lĂ€uft und an welcher Stelle sich der Zuschauer gerade befindet. Warum sollte es auch möglich sein, dass ich die Sendung schauen kann, wann ich möchte, das Zusatzangebot aber nur linear funktioniert? Eine besonders bemerkenswerte Verbindung zwischen der Serie und dem Zuschauer ist ein Telefonanruf wĂ€hrend der Folge ĂŒber die App. Durch die Synchronisation des Audiosignals kann genau festgestellt werden, an welcher Stelle der Zuschauer sich bei der Folge befindet. Ein ziemlicher Clou, denn damit wird dem Zuschauer vor Augen gefĂŒhrt, was technisch möglich ist und welche Spuren er selbst via App preisgibt und hinterlĂ€sst.

Passend dazu finde ich im Fernsehzimmer alle Folgen der Serie. Ist es nicht das Hauptanlieger der Sender dass die Inhalte konsumiert werden? Und spielt es wirklich eine wichtige Reihenfolge, ob das linear oder on demand passiert? FĂŒr die privaten Sender stellt sich hier natĂŒrlich die Frage der Finanzierung, aber hier gibt es auch neue Wege und Möglichkeiten. Auch die Werbung muss sich wandeln, aber damit befasse ich mich in einem anderen Artikel. ProSieben bietet jedenfalls alle Folgen von HalliGalli auch auf der eigenen Webseite an.

Im Gruppenraum bei About:Kate haben die Zuschauer eine weitere Möglichkeit zur Teilnahme. Die Zuschauer sind aufgerufen, eigene BeitrÀge zu gestellten Aufgaben einzureichen. Die besten Einreichungen werden dann in die Folgen geschnitten und erscheinen im Fernsehen.

Dekorieren

Re Action

Auf der Seite Akte Kate sind Kates digitale Spuren aufgelistet. Suchmaschineneingaben, Playlists, Downloads, VerlÀufe, Kommentare, ForeneintrÀge oder Routenbeschreibungen. Dem Besucher wird so ein Spiegel vor Augen gehalten, dass er ebenfalls Spuren im Netz hinterlÀsst.

Ziehen wir nun ResĂŒmee: Was ist an About:Kate nun „social“? Durch die Interaktion mit der Protagonistin auf Facebook, z.B. durch das Veröffentlichen von eigenen BeitrĂ€ge auf der Pinnwand von Kate, besteht die Möglichkeit, dass dies auch die Freunde der Zuschauer sehen. Das Ergebnis der Therapiesitzungen, die via App möglich sind, kann ebenfalls auf Facebook veröffentlicht werden. Dieser Aspekt ist nicht zu unterschĂ€tzen. In der Viacom-Studie wird u.a. thematisiert, dass Social Media heute auch als eine moderne Version einer Programmzeitschrift funktioniert. Zudem rangiert es auf dem dritten Platz (39 Prozent) hinter klassischer Promotion und Mundpropaganda als Quelle, um neue Sendungen zu entdecken. Nach dem „liken“ einer Sendung sind die Zuschauer bis 75 Prozent eher interessiert, sich die Sendung auch anzusehen. An dieser Stelle hat Arte also seine Hausaufgaben gemacht. Die Möglichkeit die Sendung aktiv mitzugestalten fördert darĂŒber hinaus die Bindung an die Sendung. Man muss als Zuschauer doch ĂŒberprĂŒfen, ob der eigene Beitrag in der Folge aufgegriffen worden ist 😉

Florian Hager, stellvertretender Programmdirektor von ARTE, ist ĂŒberzeugt, „dass die Sender dem Nutzer die Möglichkeit der Wahl ermöglichen mĂŒssen, in welcher Durchdringungstiefe er die Inhalte konsumieren möchte.“ Social TV steht dabei als Sinnbild fĂŒr eine sich verĂ€nderte Fernsehlandschaft. Die Zahl der Zuschauer, denen das klassische Fernsehen – also das reine Konsumieren von Inhalten – zu langweilig ist, steigt.

Crossmedia und transmediales Storytelling sind neben Social TV Begriffe, die in letzter Zeit immer hĂ€ufiger genannt werden. Transmediales Storytelling bedeutet, dass die Formate durch Konzepte in diese Richtung breiter erlebbar werden und das vor, wĂ€hrend und nach der Ausstrahlung im linearen TV. FĂŒr mich ist About:Kate neben der tiefen Integration der Zuschauer ein Paradebeispiel, dass Social TV Formate nicht unbedingt mit dem linearen TV verknĂŒpft sein mĂŒssen und auch beim on demand Konsum funktionieren.

Das abschließende Wort möchte ich Janna Nandzik, der Regisseurin und Autorin von About:Kate ĂŒberlassen: „Alles in unserer Serie ist vernetzt und voller Möglichkeiten – genau so, wie es im Internet der Fall ist.“

Facebooktwittergoogle_pluspinterestmailby feather

Social TV in Deutschland – Status Quo und Ausblick

Die Vorstellung darĂŒber, was Social TV nun eigentlich ist, gehen ungefĂ€hr so weit auseinander, wie der Sprung von Felix Baumgartner tief war. Die wohl einfachste Definition ist die VerknĂŒpfung von Social Media und Fernsehen. Dabei steckt hinter dem Trend deutlich mehr als nur ein Tweet zum Tatort. Es steht als Sinnbild fĂŒr eine sich verĂ€nderte Fernsehlandschaft, das einigen großen Playern das Mark in den Knochen gefrieren lĂ€sst. HĂ€tten doch nur Print- und Musikindustrie so ein wundervolles Schlagwort gehabt.

Ein Spruch den man in letzter Zeit öfter hört wenn es um Fernsehen geht lautet: “Ich hab aber gar keinen Fernseher mehr”. Es gibt sicher auch viele Menschen, die kein Radio mehr haben, aber hören sie deswegen keine Musik mehr? Fernsehen ist schon lange nicht mehr nur das Konsumieren linearer TV-Inhalte. TV-Signale via Kabel, Antenne, IP und Satellit und deren Darstellung auf einem Fernseher sind nur eine Möglichkeit “fernzusehen”. Genauso wie ein festes Programmschema quasi nur ein Serviervorschlag fĂŒr Bewegtbildinhalte ist. LĂ€ngst können Sendungen auch ĂŒber Mediatheken, Videoportale und Online-Videotheken abgerufen werden. Es wĂ€re durchaus sinnvoll den Konsum von Bewegtbildinhalten in seiner Gesamtheit als „Fernsehen“ zu betrachten, nicht nur das „klassische“ lineare TV – aufgrund des Programms einiger Sender dĂŒrfte an dieser Stelle auch keine QualitĂ€tsdebatte zur Abgrenzung des Begriffs “Fernsehen” losgetreten werden.

Auch das Sehverhalten kann kaum abgegrenzt werden. Schaut Papa noch Fern wÀhrend die Tochter iPad guckt? Es ist doch eher so, dass auf dem GerÀt geschaut wird, das gerade zur Hand ist, egal ob TV, Smartphone, Tablet oder Notebook.

Ab wann ist ein Service nun Social? Nahezu jede Anwendung im Netz lĂ€sst mittlerweile Austausch unter den Nutzern zu, oder verlĂ€sst sich auf Daten, die durch Nutzer generiert werden. Von “social” im engeren Sinne können wir also immer dann sprechen wenn: Ich etwas mache, das auf andere Einfluss hat (z.B. eine Sendung bewerten oder kommentieren), ich durch Dritte beeinflusst werde (z.B. ein TV Tipp eines Freundes per Mail), wenn ich zusehe, was eine oder mehrere Personen machen (z.B. den Twitter-Stream wĂ€hrend des Tatorts lesen), mich selber einbringe (z.B. ein YouTube Video hochlade), mit anderen Nutzern zusammen etwas gestalte (z.B. ein gemeinsamer Hangout), oder aber durch die Daten, die eine große Gruppe erzeugt hat profitiere. (z.B. bessere Orientierung bei IMDb oder iTunes durch Ranking der meistgekauften Apps oder beliebtesten Filme).

Zusammenfassend bezeichnet Social-TV das Zusammenspiel aus Bewegtbildinhalten, zusÀtzlichen (nutzergenerierten) Inhalten dazu, den Interessen und sozialen Beziehungen der Nutzer, und den (Nutzungs-)Daten, die sie erzeugen.

Social Media und Fernsehen

Auch wenn das Thema Social TV gehyped ist, die Service-Revolution im Fernsehmarkt lĂ€uft langsam. Steigende Zahlen mobiler EndgerĂ€te sind eine Voraussetzung, schnelle Internetverbindungen und ein heimisches W-LAN sind weitere. Der grĂ¶ĂŸte Treiber fĂŒr die VerĂ€nderungen im TV Bereich aber sind Schnittstellen (APIs) und eine gute “User Experience” des jeweiligen Service. Erst durch sie werden wir unabhĂ€ngig vom EndgerĂ€t und können konsumieren wo und wie wir wollen. Besonders beliebt ist dabei das Zusammenspiel eines Fernseher und einem weiteren mobilen Device, vorzugsweise eines Smartphone oder Tablet. Der Nutzungsschwerpunkt unserer mobilen Helfer liegt nĂ€mlich nicht unterwegs sondern in den heimischen vier WĂ€nden.

Gibt es einen Zusammenhang zwischen der Nutzung des mobilen EndgerĂ€tes und des TV befinden wir uns in einem Second Screen Szenario. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Nutzung zur Steuerung, Unterhaltung oder Information geschieht. Second Screen Szenarien nehmen eine Sonderrolle im Social TV ein, da man sich von ihnen nicht nur ein erweitertes Storytelling oder ein besonders großartiges Nutzungserlebnis verspricht, sondern auch Tune-In-Effekte zum linearen TV. Erste vielversprechende GeschĂ€ftsmodelle zeichnen sich mit (Werbe-)Angeboten, die sich auf den Inhalt des First Screen beziehen und mit dem mobilen GerĂ€t einen Performancekanal bekommen, ab. Im E-Commerce macht man sich diese Möglichkeiten bereits erkannt und schaltet gezielt mobile Werbung zur TV-Primetime.

Aufgrund der Vielseitigkeit von Social TV setzt jeder Dienst seine eigenen Schwerpunkte. Dabei lÀsst sich grob in die Kategorien: Hardwaresteuerung & Zugang, Unterhaltung & Interaktion, Content & Information, Empfehlen & Entdecken sowie Daten & Analyse unterteilen.

Trendrr.TV Social TV Ecosystem 2011 – 2012

NatĂŒrlich wird Social-TV nicht nur durch 3rd-Party-Apps getrieben – auch die TV Netzwerke selbst nutzen die Möglichkeiten das interessierte Publikum nĂ€her an sich zu binden. Das geschieht zumeist ĂŒber PrĂ€senzen in den drei großen Netzwerken Facebook, Google+ und Twitter. Besonders erfolgreich: Das Format „Berlin Tag & Nacht“ mit ĂŒber 2,5 Mio. Fans auf Facebook. Über den Tag verteilt werden zur StoryverlĂ€ngerung Clips, Bilder und Statements der Darsteller eingespielt – das Konzept funktioniert und hat mit Köln 50667 bereits einen weiteren Ableger. RTL2 hat zudem gezeigt, dass sie ihre Zuschauer nicht nur dazu animieren können, ihre Lieblingssendung, sondern auch weitere Inhalte des TV-Programms von RTL2 zu konsumieren. Die Bewohner von “Berlin – Tag und Nacht” haben gemeinsam mit den Zuschauern einen “Dirty Dancing”-Fernsehabend gestaltet. WĂ€hrend im Fernsehen Dirty Dancing lief, könnte der Zuschauer live auf der Seite von RTL2 oder via Smartphone mit der App dabeisein, wenn die WG den Film schaut. DarĂŒber hinaus wurden die Zuschauer beispielsweise daran beteiligt zu entscheiden, welche Pizza nun fĂŒr den Familienabend bestellt wurde.

Ein Ă€hnliches Erlebnis konnte die Zuschauer der Sendung “Walulis sieht fern” erleben. WĂ€hrend der Ausstrahlung der ersten Folge einer neuen Staffel, waren die Macher der Sendung live dabei. Die Zuschauer konnten ihre Fragen zur Sendung per Chat an Tobis und Philipp von Walulis stellen.

Wenn Sender heute von Social TV sprechen, ist meistens das fast schon standardisierte Angebot fĂŒr Zuschauern ĂŒber Webseiten, mit eigenem Kommentarsystem, der Integration von Twitter & Facebook in unterschiedlicher QualitĂ€t und zusĂ€tzliche Informationen und Inhalte zur laufenden Sendung gemeint. Bei einigen Formaten werden die Nutzer oder Ihre Kommentare sogar direkt in die Sendung integriert. GrĂ¶ĂŸere Ereignisse wie “Wetten, dass…?”, Fußballspiele, Wahlen und der Tatort werden eigentlich immer mit Zusatzangeboten abgedeckt.

Überhaupt sind die Öffentlich-rechtlichen-Sender recht aktiv bei der zusĂ€tzlichen VerknĂŒpfung von Formaten mit Social Media – wenn auch selten mit direkten RĂŒckkanal in eine Sendung herein. In der “Netzgemeinde” besonders beliebt war Format “rundshow” mit Richard Gutjahr. Über die dazugehörige App “Die Macht” konnten Zuschauer direkt Kommentare zur Sendung an die Sendungsmacher schreiben, zu Themen abstimmen und wĂ€hrend der Sendung Applaus spendieren. Auch wenn es Kritik zur Bild und Ton-QualitĂ€t eines per Hangout zugeschalteten Gastes gab, die rundshow bot die bis heute tiefste Integration von Zuschauern in eine deutsche TV-Sendung, den “Superball”, “Pronto Salvatore” und “Hugo” mal ausgeschlossen ;D

Besonders gelungen war auch die VerlĂ€ngerung des Tatorts “Der Wald steht schwarz und schweiget” der zudem zeigte, dass Social TV mehr ist als nur Facebook & Twitter. WĂ€hrend in der Show die TatverdĂ€chtigen zusammenhielten und sich zu keinem GestĂ€ndnis bewegen ließen, konnte der Zuschauer durch ein paar geschickte Verhöre im an die Sendung angeschlossenen Spiel einen der TatverdĂ€chtigen zum GestĂ€ndnis bewegen und so den Mörder finden.
Eine weitere Möglichkeit, wie man die Zuschauer in ein Format einbinden kann, zeigt die Sendung quer vom Bayerischen Rundfunk. Über mehrere Wochen hatten die Zuschauer die Möglichkeit, die Sendung live auf der Webseite mitzuferfolgen, ihre Kommentare abzugeben und schließlich in einem Hangout (Online-Aftershow) dem Moderator und seinem Team ein direktes Feedback zur Sendung zu geben. Die Einbindung von Social Media ist seitdem fester Bestandteil des Formats.

 

Status Quo

Auch wenn bei Großereignissen schon einmal 15.000 Tweets von 10.000 Nutzern verfasst werden, der Anteil von Nutzern, die aktiv sozialen Austausch zu einem Programm auf Twitter betreiben ist im Vergleich zur Quote sehr gering. Bei Samstagabend-Formaten mit durchschnittlich 6 Mio. Zuschauern, entspricht das noch nicht einmal 0,2% der Zuschauer, die sich an Diskussionen auf Twitter beteiligen.

Werden zusĂ€tzliche Informationen ausgespielt und im Fernsehen Verweise zum Angebot eingeblendet sieht die Statistik etwas besser aus. So fĂŒhrten 40.000 Webseiten parallele Abrufe wĂ€hrend des Films “Rommel” bei, 6,4 Mio Zuschauer immerhin zu einer “Social TV Beteiligung” von 0,6%. Die 60.000 nachgelagerten Abrufe eingerechnet ergibt dies knapp 1,6% Beteiligung. Etwa 1.000 Nutzer nahmen zusĂ€tzlich an der Diskussion zum Programm teil.

Bei Berlin Tag & Nacht steht den 2,5 Mio. Facebook Fans eine Einschaltquote von ca. 1. Mio Zuschauern gegenĂŒber. Dieser Umstand lĂ€sst u.a. folgende RĂŒckschlĂŒsse zu:

  1. Die Einschaltquote wird falsch gemessen,
  2. Es gibt mindestens 2,5 Mio Zuschauer, die das Format Berlin Tag & Nacht grundsĂ€tzlich interessant finden – 40% von Ihnen sind “Wiederkehrende Zuschauer”
  3. 60% der ehemaligen Zuschauer erreiche ich nur noch durch die VerknĂŒpfung mit Social Media, sonst hĂ€tten sie sich bereits völlig von meinem Format verabschiedet
  4. Der Großteil der BerlinTN Fans schaut die Sendung nicht live sondern nachgelagert. Der Umkehrschluss wĂŒrde bedeuten, dass ich einen Großteil meiner Zuschauerschafft auf anderen KanĂ€len besser erreiche, als im linearen TV.

Auch die privaten Sender besetzen den Begriff Social TV mit ihren Angeboten. ProSiebenSat.1 und RTL bietet mit “ProSieben Connect” und “RTLinside” eigene Lösungen an. Neben Kommentaren und Videoabrufen sind so z.B. auch Check-Ins möglich. WĂ€hrend “The Voice of Germany” konnten die Nutzer durch ihre Beteiligung sogar zusĂ€tzliche Preise gewinnen. Votings fĂŒr Kandidaten, die aus der App stammten wurden ebenfalls mit einberechnet und auch live in der Sendung eingeblendet. ZusĂ€tzlich positiv bei “The Voice” fĂ€llt die Bespielung der Social Media Profile der Kandidaten und der Jury auf – ob das am Sender oder an den Formatvorgaben liegt sei dahingestellt.

Sowohl RTL als auch ProSiebenSat.1 bieten in Ihren Apps darĂŒber hinaus zusĂ€tzliche Inhalte zu den Sendungen an. Ob Social TV damit schon am Ende seiner Möglichkeiten ist, darf bezweifelt werden. Gerade von den Öffentlich-Rechtlichen werden wir in 2013 wohl noch mehr sehen, als das, was bisher gezeigt wurde. Dabei ist der ÖR klar im Vorteil, was die DurchfĂŒhrung von Social TV Maßnahmen angeht: Im Gegensatz zu den privaten haben sie nĂ€mlich weder Gewinnerzielungsabsichten, noch mĂŒssen sie ihre Maßnahmen einer Kosten/Nutzen Rechnungen unterwerfen. Auf diese Weise dĂŒrften noch viele interessante VerknĂŒpfungen entstehen, mit denen wir heute noch gar nicht rechnen.

Wenn es nicht funktioniert

Es gibt noch keine geschriebenen Gesetze, wie man Formate und Menschen erfolgreich verknĂŒpft. Daher bedeutet Social TV immer auch Trial & Error. Groß angekĂŒndigt und am Ende nach mehreren Umbaumaßnahmen doch eingestellt wurde z.B. “Gottschalk Live”. Es war kein wirkliches Social Media Desaster, das Konzept aber lieblos umgesetzt, vom Moderator nicht ernst genommen und aufgrund der fehlenden AuthentizitĂ€t am Ende vom Publikum gemieden. Auch beim Vorzeigeprojekt “Rundshow” war nicht alles rosig: Von der Möglichkeit Videos als Botschaften zur Sendung zu schicken, wurde quasi nicht Gebrauch gemacht. Neben dem “Aufwand” fĂŒr ein Video dĂŒrfte wohl auch die Angst, sein Gesicht im TV zu sehen, eine entscheidende Rolle gespielt haben. Oder auch nicht? Auch der NDR hatte bei “Mein Norden” eine Ă€hnliche Aktion: Zuschauer konnten Videos aus ihrem Leben im Norden einreichen. Was zunĂ€chst aussah, als wĂŒrde es ein Desaster werden, wurde am Ende ein Erfolg. Die Zuschauer hatten sich nur einfach viel Zeit genommen, um wirklich gutes Material zu erstellen.

Generell gibt es nur eine begrenzte Anzahl von Formaten, die zur parallelen Unterhaltung von Nutzern geeignet sind. Die Hochschule fĂŒr Musik, Theater und Medien Hannover (HMTMH) hat hierzu sogar eine eigene Studie angelegt (S.26). Hohe EmotionalitĂ€t und zeitliche AktualitĂ€t sind die beiden wichtigsten Voraussetzung, damit viel Interaktion um ein Format entstehen kann. Hinzu kommt die KomplexitĂ€t des jeweiligen Formates, die Situation, in der ich TV schaue (alleine, mit Freunden), und natĂŒrlich ob das was man sieht ĂŒberhaupt einen persönlichen Anreiz darstellt, sich zu informieren oder auszutauschen.

Das auch der Kanal, ĂŒber den ich Inhalt verbreite eine wichtige Rolle spielt, zeigen neben den YouTube Channels von ZDF, ARD & Co., die sich schwer tun, eine grĂ¶ĂŸere Nutzerschaft zu gewinnen, auch einige der neuen “Premium” Channels von gestandenen TV-Produzenten. Hier zeigt sich, dass es gar nicht so leicht ist, eine Community aufzubauen, aber auch, dass der Content zur jeweiligen Plattform passen muss. Ob der Austausch untereinander da wĂ€re, wenn ich 30 Minuten lang auf RTL II YouTube Videos ausstrahle?

Ausblick

Das Fazit dĂŒrfte klar sein, Social TV steht vor allem in Deutschland noch am Anfang. Die Chancen dagegen sind riesig. TV-Programm alleine reicht vielen nicht mehr. Es mĂŒssen mehr Möglichkeiten her, die Nutzer zu unterhalten. Erweiterungen des TV-Erlebnisses durch Second Screen Szenarien in Echtzeit spielen dabei eine entscheidende Rolle. Automatische Erkennung von Inhalten und das damit einhergehende Ausspielen von weiteren Informationen, Unterhaltungselementen und natĂŒrlich auch Werbung an interessierte Nutzer ist ein weiterer großer Baustein.

Auch die mobile Nutzung wird sich stĂ€rker durchsetzen. Dabei sind grĂ¶ĂŸere Datenpakete weniger entscheidend als die VerfĂŒgbarkeit von Smartphones und Tablets und den passenden Inhalten an und fĂŒr sich. Durch bessere Schnittstellen zwischen mobilen und stationĂ€ren GerĂ€ten (TV, Set-Top-Box) werden zum einen deutlich mehr Services entstehen zum anderen aber auch mehr Möglichkeiten gegeben, das Storytelling von Sendungen zu verĂ€ndern – ĂŒber verschiedene EndgerĂ€te hinweg.

Auch wenn das Thema oft mit UrheberrechtsverstĂ¶ĂŸen einhergeht: Nutzergenerierte Inhalte, Lieblingsszenen in GIF und JPG Form mit Untertitel werden immer beliebter und sind zugleich Promotion fĂŒr ein Format. Es bleibt mit Spannung abzuwarten, wann hier ĂŒber den eigenen Schatten gesprungen wird und ein Content-Inhaber aktiv dieses Nutzerverhalten unterstĂŒtzt.

Weitere VerĂ€nderungen bei der Verbreitung von Inhalten sind bereits im Gange: Mit dem Launch von WATCHever, gibt es einen ersten vielversprechenden und bezahlbaren Abo-Service fĂŒr Video-Content. Das besonders spannende daran ist die Zusammenarbeit mit BILD, bzw. Axel Springer. Auch die Verlage werden im Bereich Social TV noch eine große Rolle spielen. Zum einen sind die mobilen Apps ihrer TV-Zeitungen in den Stores bereits etabliert zum anderen produzieren sie auch aktiv zusĂ€tzlichen Content zu TV-Inhalten – teilweise unterhaltsamer als das Original.

Social TV Services stehen vor der Herausforderungen, die verschiedenen Plattformen und Verbreitungswege miteinander zu verknĂŒpfen und gleichzeitig sinnvolle Empfehlungsmechanismen, vor allem aber eine intelligente Suche anzubieten. Social TV ist also kein Hype, es ist nur das Schlagwort fĂŒr gravierende Änderungen im Bewegtbildmarkt, wie wir sie zuvor bei Print und Audio gesehen haben.

Anmerkung

Dieser Blogbeitrag ist die Grundlage fĂŒr den in der t3n Nr. 31 – So funktioniert Bewegtbild im Netz auf Seite 132 erschienen Artikel „Soziales Fernsehen“ und wurde in Zusammenarbeit mit Stefanie Aßmann verfasst. Wir möchten euch die weiterfĂŒhrenden Überlegungen, die im Print-Artikel leider gekĂŒrzt werden mussten nicht vorenthalten, da sie aus unserer Sicht fĂŒr das VerstĂ€ndnis von Social TV wichtig sind. 

Facebooktwittergoogle_pluspinterestmailby feather

Die EM 2012 und Social Media – Da geht noch mehr!

Deutschland ist im Fußballfieber. Das zeigt Euer Interesse an unserem Artikel Die EM 2012 und Social Media – Da geht einiges! – an dieser Stellen vielen, vielen Dank – und auch die zahlreichen weiteren Social Media Maßnahmen von anderen Unternehmen. Mir begegnen fast tĂ€glich neue tolle Social Media EM Projekte. Streng genommen haben viele der Konzepte mit Social TV nicht mehr viel am Hut. Aber, wie das Hamburger Abendblatt schon im Artikel zur EM und Social Media betitelt hat: Social Media ist ein Paradies fĂŒr die Fans wĂ€hrend der EM. Deutschland kommt derzeit nicht an der EM vorbei. Aus diesem Grund machen wir hier eine Ausnahme und bringen heute eine Fortsetzung zum ersten Artikel.

Fangen wir mit der Fanpage der Deutschen Nationalmannschaft an. Hier soll man als Fan der Deutschen Nationalmannschaft auf jeden Fall einmal vorbeischauen. Das haben sich sicher auch die 1,5 Millionen Fans gedacht. Auf der Fanpage könnt ihr die Spiele der deutschen Elf im Livestream direkt bei Facebook verfolgen, beim Tippspiel mitmachen oder Euch mit Hilfe Eures Profilbildes im EM Trikot ablichten lassen. Und und und, also vorbeischauen lohnt sich.

Sehr schön finde ich auch die Aktion von Brandwatch. Der Monitoring Anbieter zeigt, wie man die Datenmengen von Twitter zum Leben erwecken kann. Und dann könntet ihr bei einem Spiel der Deutschen Nationalmannschaft mal das Hashtag #IchBinSchiri verwenden 😉

Wer wissen möchte, wie hoch die Interaktion um die Europameisterschaft bei Facebook sind, sollte bei AllfacebookStats vorbeischauen. Hier werden die Fanpages der Nationalspieler miteinander verglichen.

Auch wenn Jogi leider kein Fan von Facebook & Twitter ist „Meine Art, zu kommunizieren, ist das nicht. Ich halte diese Form des Austausches eher fĂŒr gefĂ€hrlich“ erklĂ€rte er in einem Interview mit der Zeit. Social Media hatte in Deutschland noch nie so viel (positive) Aufmerksamkeit wie derzeit zur Europameisterschaft. Dank Twitter & Co erfĂ€hrt der aufmerksame Social Media Beobachter bspw. vom spanischen Nationalspieler Cesc FĂ bregas, dass es am ersten Spieltag Pannen bei der Dopingkontrolle gab und einige Spanier gleich dreifach getestet werden mussten. Und Wayne Rooney veröffentliche vor dem Spiel mit Spanien ein Foto, das ihn mit Teamkollege Ashley Young beim Pool Billard zeigt mit dem Kommentar: „RumhĂ€ngen mit meinem Freund Ash, eine gute Ablenkung‘‘. Am Ende des Artikel zieht das Hamburger Abendblatt das Fazit: „Fakt ist: Durch die sozialen Netzwerke Facebook und Twitter erfahren die Fans oft mehr von ihren Stars als die Journalisten vor Ort.“ Ist es nicht genau das, was wir uns eigentlich wĂŒnschen? Der Blick hinter die Kulissen, das GefĂŒhl am Geschehen aktiv teilzunehmen?

Zum Ende gibt es noch eine schöne Infografik von Zalando mit den etwas anderen Statistiken zur EM. Sehr gelungen wĂŒrde ich sagen, oder wusstet ihr schon, wann die beste Zeit ist sich ein Bier zu organisieren 😉

ZALANDO Infografik

Facebooktwittergoogle_pluspinterestmailby feather