Social TV – Wie kann man ein TV-Ereignis und Social Media verbinden

In angloamerikanischen L√§ndern ist Fernsehen bereits l√§ngst nicht mehr das, was es einmal war. Fr√ľher haben sich die Zuschauer ausschlie√ülich vom TV Programm berieseln lassen. Die einzige T√§tigkeit lag beim Programmwechsel beim Zappen via Fernbedienung. Heute l√§uft zeitgleich zum TV auch der PC oder der User hat das Smartphone im Blickfeld. Viele Zuschauer unterhalten sich vor allem via Twitter und Facebook √ľber Serien und TV Ereignisse mit anderen Usern und die Sender diskutieren mit. Generell geht es bei Social TV um Fernsehen, das interaktiv wird und es geht um den Dialog zwischen den Nutzern und den Fernsehsendern.


Nutzungsarten von Twitter und Facebook beim TV-Konsum, Quelle: TVGuide.com

Laut dem Marktforscher GfK nutzen britische Zuschauer unter 35 Jahren vor allem Facebook um sich mit Freunden √ľber das TV-Programm zu unterhalten, w√§hrend sie vor der Mattscheibe sitzen. In den USA sind bereits 40 Prozent der Zuschauer, die ein Smartphone oder Tablet-PC besitzen, parallel zum Fernsehen online.
Jonathan Taplin, Professor f√ľr Neue Medien und Direktor des Annenberg Innovation Lab in Los Angeles, sieht einen enormen Trend zum Social TV: „Interaktives Fernsehen ist uns seit mehr als 20 Jahren versprochen worden, aber es ist nie etwas daraus geworden“. Nach Taplin lag das bisher an der Fernbedienung, die f√ľr nichts anderes tauge, als den Kanal zu wechseln. Jetzt im Zeitalter von Smartphone oder Tablet-PC, √§ndert sich das: „Man hat diese Ger√§te st√§ndig in Griffweite, also nutzt man sie auch.“ (Quelle: Stern)

Social TV in Deutschland

In Deutschland hat die Verbindung von TV und Social Media durch den Tatort erste Ber√ľhrungspunkte erhalten. Nachdem sich der Tatort als gemeinsames Online-Erlebnis etabliert hatte, wurden auch weitere TV-Formate wie z.B. ‚ÄúBauer sucht Frau‚ÄĚ oder ‚ÄúDeutschland sucht den Superstar‚ÄĚ auf Twitter oder Facebook online diskutiert. Dadurch wird das konsumieren einer Sendung zu einem Gemeinschaftserlebnis. Die Nutzer tauschen sich aus und spekulieren √ľber den weiteren Verlauf der Sendung. Der fr√ľher so beliebte gemeinsame Fernsehabend mit der ganzen Familie erh√§lt durch die technologische Entwicklung und die ¬†M√∂glichkeiten von Social Media eine Renaissance. Allerdings diskutieren hier die User gr√∂√ütenteils nur untereinander, w√§hrend die Fernsehsender das Potential scheinbar noch gar nicht richtig erkennen. ¬†
Es l√§sst sich nicht genau spezifizieren, ob und in welchem Umfang die Fernsehsender diese Gespr√§che √ľberhaupt wahrnehmen.

Twitter und Facebook im Deutschen Fernsehen, Quelle: AppAdvisors

Viele Deutsche Sender stehen bez√ľglich Social TV noch am Anfang. Zu aktuellen Beispielen geh√∂ren ProSieben und Sat.1 mit der Castingshow ‚ÄúThe Voice‚ÄĚ und „Gottschalk TV“ von der ARD.
√úber die App ‚ÄúThe Voice of Germany Connect‚ÄĚ konnten die Zuschauer via PC, Tablet oder Smartphone die Twitter-Timeline zum Hashtag #voice und die Facebook-Updates der Show verfolgen und im Chat mit Facebook-Freunden diskutieren. Eine wirkliche Diskussion zwischen Sender und Zuschauer fand allerdings nicht statt. Beim Hashtag #voice wurde nicht mit einem Sprachfilter gearbeitet, so dass auch viele irrelevante Tweets auftauchten. Verbesserungsw√ľrdig ist auch die Integration von Social Media in die Show selbst. W√§hrend der Sendung wurden bspw. nur vereinzelt Tweets vorgelesen oder kurzzeitig eingeblendet. Oft wirkte die Integration von Social Media dar√ľber hinaus etwas zu gewollt. Insgesamt ist die ProSiebenSat1 Media AG trotzdem auf dem richtigen Weg.

Im Gegensatz zur ProSiebenSat1 Media AG bindet die ARD mit Ihrer Sendung ‚ÄúGottschalk TV‚ÄĚ die sozialen Kommunikationskan√§le noch weniger ein. Beim neuen Fernsehformat mit Thomas Gottschalk wurde angek√ľndigt, dass Social Media eine besondere Rolle spielen soll. Die Idee war gut und wurde im Vorfeld sehr stark im Netz thematisiert. Das hohe Kommunikationsvolumen im Vorfeld hat dann auch zu einer guten Einschaltquote der ersten Sendung gef√ľhrt. Das Format an sich und die mangelnde Integration von Social Media f√ľhrte jedoch zu einer schnellen Ern√ľchterung. Social Media spielt bei Gottschalk TV nur eine untergeordnete Rolle und wird kaum oder gar nicht erw√§hnt. Der Sender verspielt hier (noch) sehr viel Potential.


Wie könnte man Social TV effektiver einsetzen?

Wenn sich die Nutzer √ľber eine Sendung online austauschen, k√∂nnten TV-Sender durch eine aktive Teilnahme an den Gespr√§chen sowie das Streuen von ‚Äúexklusiven‚ÄĚ Zusatzinformationen den Usern einen Mehrwert bieten. Die Sendung ‚ÄúGottschalk TV‚ÄĚ k√∂nnte z.B. Links zu Seiten und Projekten der G√§ste, Fotos oder kurze Videos aus dem Backstagebereich etc. einbinden. Und warum fragt man die Zuschauer nicht, welche Fragen sie an die G√§ste haben und beantwortet diese Live in der Sendung? Thomas Gottschalk k√∂nnte sich z.B. auch durch Gespr√§che mit seinen G√§sten √ľber deren Erfahrungen mit Twitter & Co. austauschen um damit sich und die Zuschauer in das Themenfeld Social Media einzuf√ľhren.

Dies w√ľrde nicht nur eine Steigerung der Kundenzufriedenheit und -bindung mit sich bringen, sondern erm√∂glicht den TV-Sendern auch ein direktes Feedback zu den Sendungen zu erhalten. Dieses Feedback kann z.B. zur Verbesserung zuk√ľnftiger Sendungen, Ideengenerierung und Trendforschung eingesetzt werden.

Social TV meets Oscars

Wir haben uns dazu entschieden zumindest den Teil, den wir ohne Hilfe der Sender beeinflussen k√∂nnen, so umzusetzen wie wir uns das w√ľnschen w√ľrden und haben uns als erstes Event f√ľr die Oscar Verleihung in der Nacht vom 26.02.2012 auf den 27.02.2012 entschieden. Das Team welches f√ľr Euch zusammen die Oscar-Nacht zu einem besonderen Social TV Erlebnis machen m√∂chte, setzt sich aus folgenden Mitgliedern zusammen:

Mit Couchfunk haben wir einen Anbieter gefunden der sich auf das Themenfeld Social TV spezialisiert hat und auf t3n bereits im Artikel ‚ÄúDas Fernsehen im Wandel ‚Äď Second-Screen-Apps f√ľr den Social-TV-Konsum‚ÄĚ vorgestellt wurde.
Technologisch arbeiten wir mit der von Couchfunk entwickelten App. Diese wurde f√ľr Euch auf einer eigens aufgesetzten Website eingebunden. Zum anderen haben alle die M√∂glichkeit √ľber einen Javascript Code den Stream in jede x-beliebige Website einzubinden.

So k√∂nnt Ihr Euren Lesern die M√∂glichkeit geben auch √ľber Eure Seite an diesem Event teilzunehmen. Es gibt verschiedene Optionen, wie Ihr Euch mit uns und den anderen Teilnehmern austauschen k√∂nnt. Um Beitr√§ge zu verfassen k√∂nnt Ihr entweder ein Benutzerkonto anlegen oder Euch mit Eurem Facebook Account einloggen. Es besteht aber auch die M√∂glichkeit √ľber einen Gast-Account ohne LogIn teilzunehmen. Zus√§tzlich flie√üen alle Tweets mit dem Hashtag #makesocialtv in die App ein. Alle Beitr√§ge k√∂nnt Ihr auch via Twitter und Facebook teilen.¬†

Wir werden f√ľr Euch die gesamte Oscar Verleihung kommentieren und moderieren. Zus√§tzlich werden wir Euch mit Zusatzinformationen versorgen. Von Trailern, √ľber historische Informationen zu den Oscars bis hin zu allen wichtigen Infos zu den Filmen und Schauspielern wird alles vertreten sein. Nat√ľrlich stehen wir Euch auch f√ľr Fragen zur Verf√ľgung und freuen uns auf den Dialog mit Euch.

Ist das jetzt Social TV?

Diese Frage l√§sst sich ziemlich einfach beantworten. Nein, nat√ľrlich ist dies nicht die endg√ľltige Definition von Social TV. Als Sender hat man noch viel mehr M√∂glichkeiten auf das Geschehen im Netz einzugehen und dies wieder in der Sendung aufzugreifen. Das Potential f√ľr die Kombination aus TV und dem Social Web ist enorm und hier sind der Phantasie auch fast keine Grenzen gesetzt. ¬†Auch wir haben noch viel mehr Ideen um das Erlebnis f√ľr die Nutzer noch zu intensivieren. Diese werden wir in k√ľnftige Social TV Events mit einflie√üen lassen. Die Oscar-Verleihung wird das Start-Event f√ľr weitere Projekte sein. Sowohl konzeptionell als auch technologisch werden wir diese Events noch verfeinern und ausbauen. Wir freuen uns auf ein tolles Social TV Event mit Euch!


Dieser Artikel wurde von mir und Stephan Röbbeln verfasst.

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Der Tatort auf Twitter – Das Dorf (Teil 2)

Steffi hat gestern in Teil 1 unserer Aufbereitung zum gestrigen Tatort bereits einige recht beeindruckende Zahlen bzw. Statistiken aus unserem neuen Tatort-Liveboard ver√∂ffentlicht (noch einmal ein dickes Dankesch√∂n an Anja von Twingly daf√ľr!). Heute wollen wir in Teil 2 noch einmal genauer auf die verschiedenen Themen und Meinungen der Twitter User eingehen.

Wie gestern schon erw√§hnt, hat dieser Tatort f√ľr bemerkenswert viel Gespr√§chsstoff gesorgt. Ob die ARD diesen Tatort von Regisseur Justus von Dohnanyi als Erfolg verbuchen kann – dabei gehen die Meinungen vermutlich weit auseinander. Die Twitter-Tatort-Gemeinde war zwiegespalten. W√§hrend die einen „Das Dorf“ aufgrund seiner (f√ľr einen Tatort) au√üergew√∂hnlichen Optik, Verweise auf andere Fime und abgedrehten Story als Meisterwerk betitelten, war er anderen zu wirr und f√ľhrte dazu, dass einige nach (mehr oder weniger) kurzer Zeit den Sender wechselten.

Auf die Handlung wollen wir bei unserer Aufbereitung diesmal gar nicht wirklich genauer eingehen. Zum einen, weil diese in der Diskussion auf Twitter gestern eher in den Hintergrund trat. Zum anderen, weil auch wir zu denjenigen geh√∂rten, die der Handlung irgendwann nicht mehr wirklich folgen konnten (Schande auf unser Haupt). Vielmehr wollen wir kurz auf die vielen anderen Themen und Bez√ľge eingehen, √ľber die gestern w√§hrend des Tatorts flei√üig gezwitschert wurde.

Eine¬†interessante¬†Aspekte und Themen k√∂nnt ihr bereits aus der Tag Cloud herauslesen. In der Adjektiv Tag Cloud dominieren die Begriffe „sch√∂n“ und „gef√§llt“.

Hinter dem Wort „lieb“ stecken Tweets wie
  • Mir ist ein Kommissar ohne Tumor lieber! #Tatort
  • Lieber #Tatort. N√§chste Woche einfach bitte eine ganz normale Folge, ja? Das w√§re toll. Vielen Dank. #Tatort
  • #Tatort Fazit: grandios. Kleingeister erkennen wahre Kunst nur selten liebes selbsternanntes Kritiker Volk.
  • RT @soulstewmartin: Liebe #ard, ich m√∂chte diesen #tatort auf der Leinweind sehen: Kino-Tournee pretty please

Zu Beginn aber doch eine kleine Auswahl an Tweets (man verzeihe uns die optisch unterschiedlichen Screenshots, das √ľben wir nochmal bis n√§chste Woche) zur Handlung von „Das Dorf“, die schon gut erahnen lassen, dass die Handlung von einigen Usern entweder nicht verstanden wurde, oder tats√§chlich nicht wirklich existent war:

Das Intro im Edgar Wallace-Stil war vermutlich der Punkt des Tatorts, bei dem sich alle Twitterer einig waren.

 
Ein besonderes Merkmal des Tatorts war mit Sicherheit dessen Optik. Viele User mussten bei diesem „Retro“-Stil sofort an Instagram denken.

  
 
 
 
Die Musik war ein weiterer Anlass f√ľr viele Tweets. Insgesamt schien sie Gefallen zu finden. Highlight waren aber sicherlich die gelegentlichen (dem Tumor geschuldeten) Musical-Einlagen.
 
 
 
 
 
 
In dem Zusammenhang fanden auch die Kessler-Zwillinge mit ihrer Showeinlage gr√∂√ütenteils gro√üen Anklang. Die zwei scheinen noch fit zu sein, Respekt! ūüėČ
 
 
 
 
Justus von Dohnanysi wurde in den Tweets nat√ľrlich auch erw√§hnt. Er hat mit diesem Tatort sein Regiedeb√ľt gegeben.
 
 
Dann gab es zahlreiche Tweets zu Til Schweiger. Das sieht man im Liveboard auch schon am Hashtag #Schweiger, #TillSchweiger und #TilSchweiger. Ja, der Name wurde sehr oft falsch geschrieben ūüėČ
 
 
 
Der Stil und die zahlreichen Filmzitate wurden auch mehrfach erwähnt.
 
Zum Tumor gibt es eigentlich nur einen Satz zu sagen ūüôā