Unternehmen und Bewegtbild – Wie bewegen sich deutsche Firmen auf YouTube?

Ich beschäftige mich schon lange mit der Verknüpfung von Bewegtbild und Social Media. Am Anfang lag mein Schwerpunkt auf Social TV, also wie man das klassische Fernsehen und die digitalen Medien miteinander verbindet. Da ich beruflich wenig mit Fernsehsendern, dafür aber sehr viel mit Unternehmen und deren Umgang mit Social Media zu tun habe, lag es nahe, mich mit Corporate TV bzw. Corporate YouTube intensiver zu beschäftigen. Weiterlesen

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Was haben Video-on-Demand, Big Data und Social Media gemeinsam? 7 Fragen an WATCHEVER

WATCHEVER ist seit letztem Jahr quasi als die deutsche Antwort von Netflix hierzulande aktiv. Ich nutze den Dienst seitdem sehr oft und sehr gerne. Sei es, um mir alte HBO Serien (siehe Screenshot) anzuschauen, oder um den Abend gemütlich bei einem Film nach Lust und Laune ausklingen zu lassen. Der Trend geht zumindest in meinem Umfeld immer mehr zum Video-on-Demand Konsum. Klassisches lineares Fernsehen schaue ich selten bis nie. Aber was sagt eigentlich ein VOD Anbieter zum linearen Fernsehen, wie werden solche Plattformen genutzt und beschäftigt sich WATCHEVER auch mit Big Data? All diese Fragen habe ich an WATCHEVER weitergeleitet und die Geschäftsführerin Sabine Anger war so nett sie mir zu beantworten. Aber lest selbst. Weiterlesen

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Politik, Bewegtbild und Social Media

Letztes Jahr zur US Wahl war die Einbindung von Social Media Inhalten in Politiksendungen noch Neuland. Sowohl die ARD als auch das ZDF haben sich durch eigene Sendungen an das Thema Social TV im politischen Kontext in der Wahlnacht herangetastet.

Social TV Angebot der ARD zur US Wahl

Das Social TV Angebot der ARD verzeichnete nach Angaben der Rundfunkanstalt knapp 90.000 Besucher zwischen 22.45 Uhr und 5.00 Uhr. Zu dem damaligen Zeitpunkt bereits sehr gute Zahlen.

Jetzt – ein Jahr später – ist die Einbindung von Zuschauermeldungen von den verschiedenen Social Media Plattformen nicht mehr wegzudenken. Nahezu alle Sendungen zur diesjährigen Bundestagswahl haben Inhalte aus Social Media integriert. Eine Webseite zur Sendung, auf der die verschiedenen Inhalte der Social Media Kanäle mit eigenem Kommentarsystem kumuliert werden, ist mittlerweile Standard. Der direkte Rückkanal der Social Media Beiträge in die Sendung war bisher allerdings noch keine Selbstverständlichkeit. Hier hat sich in den letzten Monaten und vor allem bei den Formaten zur Bundestagswahl einiges getan.

Da wäre z.B. die Sendung „Überzeugt uns“, die im am 26. August spätabends in der ARD ausgestrahlt worden ist.

Einblendung von Tweets in der Sendung

Die Sendung wurde von Tagesthemen-Sprecher Ingo Zamperoni und Katrin Bauernfeind moderiert. Richard Gutjahr hat zusammen mit dem Social Media Team des SWR das Web im Blick gehabt und als „Twittertussi“ immer wieder interessante Beiträge aus dem Netz während der Sendung vorgelesen. In sogenannten Speeddating-Runden mussten die Politiker in 15 Sekunden zudem Fragen der Zuschauer beantworten. Wie das Bild mit Claudia Roth zeigt, wurden auf dem Fernsehbildschirm darüber hinaus Beiträge aus dem Web eingeblendet.

Ein weiteres Angebot der ARD zur Wahl war der Kanzlercheck. Hier konnten die Zuschauer bereits einige Wochen vor den eigentlichen Interviews mit Angela Merkel und Peer Steinbrück ihre Fragen an die beiden Kanzlerkandidaten einreichen. Damit sich die Zuschauer bereits vorab zu den Wahlthemen informieren konnten und um bereits Content auf der Seite zu haben, wurden sämtliche Inhalte der ARD für die junge Zielgruppe zur Wahl auf der Seite integriert, dazu gehörten beispielsweise auch die beiden Wahlspecials der Sendung Klub Konkret. Über 500 Fragen wurden insgesamt von den Zuschauern eingereicht.

Webseite des Kanzlercheck

Das ZDF hatte zum TV Duell, wie bereits bei der Sendung „Die Debatte“, die Aktivitäten auf Twitter in einem #ZDFnetzradar auf der eigenen Seite gespiegelt. Auf diese Weise konnten Interessierte mitverfolgen, wie viele Tweets während der Sendungen zum TV Duell an sich und zu #Merkel oder #Steinbrueck veröffentlicht worden sind.

ZDRnetzradar zum TV Duel

Die Öffentlich-rechtlichen-Sender waren also insgesamt sehr aktiv bei der Verknüpfung der Formate mit Social Media. Der Sender Pro7, der mit Stefan Raab den einzigen Moderator eines privaten Senders im TV Duell gestellt hatte, hatte für das TV Duell mit #P7TVDuell ein eigenes Hashtag zur Sendung im Einsatz. Wer das TV Duell auf ProSieben mitverfolgt hat, konnte auf deren Social TV Plattform ProSieben Connect auf dem Second Screen mitdiskutieren.

Im Vergleich zur Quote war der Anteil der Social Media Beiträge verhältnismäßig gering. Bei circa 17,64 Millionen Zuschauern haben etwa 36.000 Twitter-Nutzer das Fernsehduell in rund 173.000 Tweets mit dem Hashtag #TVDuell kommentiert.

Durch die zunehmende Einbindung von Social Media in TV-Sendungen wird diese Zahl jedoch steigen. Durch die Einführung von Hashtags bei Facebook wird auch dieses Social Netzwerk zukünftig eine wichtige Rolle im Bereich Social TV spielen.

Durch YouTube & Co haben neben den Fernsehsendern aber auch die Zuschauer die Möglichkeit eigene Inhalte ins Netz zu stellen. Der Journalist Tilo Jung hat Anfang des Jahres die Serie „Jung und naiv“ gestartet, in der er Politiker und Experten mit simplen und naiven Fragen zu politischen Themen löchert.

Bildschirmfoto 2013-10-01 um 21.48.13

Der im August in Deutschland gestartete Social TV Sender joiz hat Tilo Jung für mehrere Folgen im Rahmen der Wahl verpflichtet. Während der Ausstrahlung im TV hat Tilo Jung die Fragen der Zuschauer beantwortet. Auf diese Weise hat es ein Webformat ins klassische Fernsehen geschafft.

Jung und naiv bei joiz

Auch die Sender stellen ihre Inhalte bei YouTube ein. In der Sendung Tagessschaum wurden im Rahmen der Wahl ab Mitte Juni jeweils drei Sendungen pro Woche mit politischen Themen des Tages produziert und vorab bei YouTube eingestellt, bevor die Sendung schließlich im TV ausgestrahlt worden ist. Hier galt also Online first.

Ein weiterer Journalist, der sich mit eigenem YouTube Kanal inhaltlich der Politik und den Wahlen gewidmet hat ist Mirko Drotschmann. Ähnlich wie bei Tilo Jung war die Intention für den Kanal MrWissen2go bestimmte Dinge einfach mal simpel zu erklären. In (fast) fünf Minuten Videos stellt Mirko Drotschmann beispielsweise die verschiedenen Parteien inkl. Parteigeschichte vor. Am Wahlabend hat Mirko Drotschmann mit anderen YouTubern, wie z.B. LeFloyd, einen Hangout veranstaltet und das Ergebnis diskutiert.

Insgesamt gab es zur Wahl sehr viele Hangouts. Tilo Jung hat in Kooperation mit Google ebenfalls mehrere Hangouts durchgeführt und auch die Sender haben eigene Hangouts veranstaltet.

Die Liste an politischen Sendungen mit Social Media Einbindung oder von Zuschauern mit eigenen Formaten könnte noch um weitere Beispiele ergänzt werden. Gerade bei YouTubern spielt Social Media als Feedbackkanal auch eine wichtige Rolle. Die verschiedenen Social Media Plattformen haben sich zu einem festen Bestandteil bei Bewegtbildformaten entwickelt, auf YouTube und im „klasssischen Fernsehen“. Gerade für die jüngere Generation gewinnt der Austausch über Social Media immer mehr an Bedeutung. Auch wenn das Social Media Engagement der Politiker bei dieser Wahl noch keinerlei Auswirkungen auf den Wahlausgang hatte, wird Social Media langfristig einen nicht zu vernachlässigenden Einfluss auf die Politik nehmen.

Der große Erfolg von Formaten wie Jung und Naiv oder MrWissen2go zeigt aber vor allem eins: Der Bedarf an politischen Inhalten, die Sachverhalte einfach erklären ist groß und der aktuellen Jugend kann man mit Sicherheit keine Politikverdrossenheit vorwerfen.

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Wie lange darf es denn sein? – Über die Länge von Webvideos …

Die Idee zu diesem Blogartikel hatte ich vor zwei Tagen. Thomas Koch hatte sich in seiner Kolumne bei der WirtschaftsWoche dem Thema „Quo Vadis, Werbung“ (lesenswert) gewidmet. Ich wusste, dass am Montag dazu ein Digitales Quartett mit ihm als Teilnehmer stattgefunden hat. Seinen Artikel dazu hatte ich in 10 Minuten gelesen, eine Folge des #Quartett dauert eine Stunde. Der Empfehlung von Ulrike Langer, mir die Sendung doch noch anzuschauen, bin ich bis jetzt noch nicht gefolgt und werde es wahrscheinlich auch nicht mehr tun. Obwohl ich das Format und die Idee dahinter generell sehr gut finde, verfolge ich die Sendung selten bis nie. Sie ist mir einfach zu lang. In Gesprächen mit anderen habe ich festgestellt, dass ich damit nicht alleine bin. Muss man ein Thema denn generell auch 60 Minuten diskutieren? Talkshows im Fernsehen haben natürlich ihre feste Sendezeit. Wäre ja auch blöd, wenn man die Sendung nach 40 Minuten abbrechen würde, weil alles gesagt ist. Was sendet man dann in den restlichen 20 Minuten? Nur weil das bei Fernsehsendern der Fall ist, muss das aber keine Grundvoraussetzung für ein Webvideoformat sein.

Eigentlich ist die Länge eines Formates egal. Ist der Inhalt spannend, dann bleibe ich am Ball. Ich bin beispielsweise auch ein großer Fan vom Format „Jung und naiv“. Die Folgen hatten am Anfang immer eine Länge von etwa 12 Minuten. Zeit, die ich gerne in ein Video investiere, bei dem mich das Thema interessiert. In letzter Zeit werden aber auch hier die Folgen länger. Bei der Folge mit dem Regierungssprecher (21:06 Min.) hat mich das überhaupt nicht gestört, weil das Gespräch insgesamt sehr angenehm war. Die Folge zur Lage in Ägypten (55:04) und zur Sprache im Wahlkampf (37:55) habe ich mittendrin abgebrochen. Nicht, weil mich das Thema nicht interessiert, sondern weil die Videos ihre Längen hatten und ich gemerkt habe, dass ich abschweife. Beim Video zur Sprache im Wahlkampf habe ich mit meinem Bruder einen zweiten Versuch gestartet, erfolglos. Das soll von meiner Seite keine Kritik an den einzelnen Folgen sein. Aber hier merkt man, welche Bedeutung der Interviewpartner und seine Fähigkeit den Inhalt rüberzubringen (Stichwort: Storytelling) hat. Dabei ist ja gerade bei „Jung und naiv“ sehr wichtig, dass die interviewten Personen einfach erzählen. Ich habe nur für mich festgestellt, dass ich bis zu einer Länge von etwa 15 Minuten, mir ein Webvideo in den meisten Fällen bis zum Ende anschaue. Alles was länger dauert, muss mich inhaltlich überzeugen, quasi bei Laune halten, sonst springe ich ab. Dann lese ich lieber einen Hintergrundbericht zum Thema. Und da wären wir wieder beim Anfang vom Artikel. Ich habe zur Zukunft der Werbung eine sehr gute Kolumne gelesen, die den Inhalt sehr gut zusammenfasst. Warum soll ich mir eine Stunde Digitales Quartett anschauen, wenn ich die wichtigsten Punkte in einem Artikel in 10 Minuten lesen kann?

Wie seht ihr das? Wie lange darf eurer Meinung nach ein Webformat dauern und was sind eure Kriterien, damit ihr nicht abschaltet?

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Update 1: Und hier sind eure Antworten. Kommentieren ist übrigens auch erlaubt 😉

„Ist der Inhalt spannend, dann bleibe ich am Ball.“ Sehe ich auch so. @miss_assmann über die Länge von Webvideos: http://t.co/E8dQEVt6oP
— Andreas Rickmann (@a_rickmann) July 14, 2013

20min RT @miss_assmann: Wie lange haltet ihr so bei Webvideos aus? Wann schaltet ihr ab? Ich hab da was verbloggt. http://t.co/YFnKU75ahM
— Daniel Rehn (@danielrehn) July 14, 2013

@miss_assmann Keine feste Zeit. Hängt vom Thema/den Personen ab. Auch ne Stunde oder länger. Bei Podcasts stört mich die Dauer auch nicht.
— Steve Rückwardt (@SteveRueck) July 14, 2013

Update 2: Sandra Sperber und Martin Heller vom Webvideoblog (spannender Blog) haben sich auch die Frage, nach der geeigneten Länge – in ihrem Fall von journalistischen – Webvideos gemacht. Sandra antwortet auch auf Twitter und Martin hat seine ausführliche Antwort spontan im Artikel „Darf’s auch etwas weniger sein?“ verbloggt.

@webvideoblog @miss_assmann ohje, ich muss gestehen, ich bin kein guter Zuschauer 1-2 Minuten für Nachrichten.
— Sandra Sperber (@SperberS) July 14, 2013

@webvideoblog @miss_assmann aber wenn ich mal klassisch fernsehen will (zb ne Std Doku) gehe ich auch ins Netz und suche mir bewusst was aus
— Sandra Sperber (@SperberS) July 14, 2013

Update 3: Noch mehr Feedback auf Twitter

.@miss_assmann Webvideos müssen klar erkennbaren bildinformatorischen Mehrwert/Vorteil zum Artikel versprechen. Max 20-30 Min. #webvideo

— Tom Klein (@tmsklein) July 15, 2013

@miss_assmann Je länger ein Video, um so höher die Wahrscheinlichkeit, dass es langweilig oder unlustig wird. Ergo: je kürzer, desto besser.

— Deef Pirmasens (@Deef) July 15, 2013

@miss_assmann Ich halte eine Stunde durch. Wenn es zuweilen auch zäh ist. 🙂

— Christian de Vries (@prcdv) July 15, 2013

@miss_assmann 5min sind perfekt, max 10! Je gefragter das Thema, je besser strukturiert & je interessanter gemacht, desto länger kanns sein

— Gianna (@GluecksGlukose) July 15, 2013

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Social TV bei Unternehmen – Geht das?

Social TV ist grade das Buzzword überhaupt und alle reden darüber, wie die Sender Formate „social“ machen können und sollen. Dabei könnte und sollte Bewegtbild auch für Unternehmen eine wichtige Rolle spielen. Das Thema Corporate TV erhält meiner Meinung nach noch nicht mal annähernd die Bedeutung, die es verdient hätte. Das macht mich traurig.

Warum sich YouTube und Corporate TV lohnt?

Bertram Gugel hat zusammen mit Markus Hündgen auf der re:publica eine Session zu YouTube gehalten. Das Video und die gesamten Folien dazu findet ihr bei Bertram im Blog.

Eine Grafik möchte ich exemplarisch aufgreifen. Die Zahl der aktiven Nutzer ist bei YouTube im Vergleich zu Facebook größer.

Nutzung Facebook vs. YouTube

Und wer jetzt sagt, das sind ja nur die jugendlichen User, der sollte sich die folgenden Zahlen der ARD/ZDF-Onlinestudie anschauen.

Web-2.0-Nutzung 2012 nach Geschlecht und Alter

Die Nutzung von Videoportalen liegt in allen Altersklassen über der Nutzung von privaten Netzwerken und Communities aka Facebook. In Gesprächen mit Offlinern höre ich immer wieder, dass sie zwar keinen Facebook Account haben, sich aber regelmäßig Videos bei YouTube anschauen. Klar, YouTube ist ja auch die zweitgrößte Suchmaschine nach Google.

YouTube ist eine Suchmaschine

Die meisten Unternehmen scheinen das aber noch nicht zu begreifen.

Wie nutzen Unternehmen YouTube?

Viele Firmen haben zwar einen Kanal, nutzen ihn aber nicht wirklich. Da wird dann der neueste Werbespot hochgeladen oder man findet Videos zu aktuellen Kampagnen. Die Inhalte stehen (meist) für sich alleine. Die Verlängerung von Werbespots werden ich sicher in einem anderen Artikel einmal thematisieren. Zum Thema Produktplacement gibt es aktuell einen schönen Artikel im ZDF Blog Hyperland.

Parship hat angefangen, kleine Dokumentation von Paaren als Serie einzustellen, die sich bei Parship kennengelernt haben. Man lässt den Kunden für sich sprechen.

Paarship-Paare

Hornbach setzt auf die hohe Nachfrage nach DIY (Do it yourself) Inhalten und hat eine Playlist unter dem Titel „Hornbach Meisterschmiede“ eingeführt.

Hornbach Meisterschmiede

Macht ja auch Sinn! Wer es schon wieder vergessen hat: YouTube ist die zweitgrößte Suchmaschine! Wenn der Kunde beispielsweise nach „Bodenfliesen verlegen“ sucht, findet er so das Corporate Video. Dass es funktioniert, zeigen die doch sehr ordentlichen Zugriffszahlen. Die Videos sind alle aus dem Jahr 2010 und zeigen damit auch ein weiteres wichtiges Merkmal von YouTube.

Archivaufrufe bei YouTube

Der Anteil der Archivabrufe ist meist höher, als der von neuen Videos.
Über den Inhalt dieser Videos möchte ich in diesem Artikel nicht genauer eingehen, hier gibt es sicher noch Optimierungsbedarf 😉

Was hier jetzt natürlich fehlt ist der interaktive Part.

Kann man als Unternehmen überhaupt Social TV machen?

Die Drogeriemarktkette hat das Format #mitgefragt entwickelt.

Die Zuschauer haben zwei Möglichkeiten sich zu beteiligen.

mitgefragt

Sie können entweder zu einem bestimmten Thema eine Frage einreichen, die dann im Video gestellt wird oder selbst ein Thema vorschlagen. Besucht wird beispielsweise Persil, payback oder die Alnatura.

Auf dem Videocamp im September 2012 haben wir einige Corporate Kanäle analysiert. Von dm wurde damals das mitgefragt Video zu fairy angeschaut. Ich weiß noch, dass wir nicht über zwei Minuten hinaus gekommen sind und das Video damals als langweilig und uninteressant abgestempelt haben.

Wenn man die Idee dahinter nicht kennt, kann man sich natürlich spannendere Inhalte für ein Unternehmen vorstellen. Was für mich hier wieder sehr deutlich wird: Die ersten Minuten entscheiden, ob ein Zuschauer wegklickt oder weiterschaut. Das ist eigentlich auch ein offenes Geheimnis bei der YouTube Community.

Ja und der Inhalt wurde natürlich auch kritisiert. Wie kann ein Unternehmen wie der Drogeriemarkt dm hingehen und dann so langweilige „Werbeinhalte“ für ein Spülmittel bringen. Dazu hatte dm auch einige kritische Kommentare unter dem Video kassiert.

Wenn wir das Konzept jetzt allerdings durch die Social TV Brille beachten, ist das eine großartige Idee. Die Zuschauer haben die Möglichkeit sich aktiv zu beteiligen, sowohl bei der Themenwahl als auch bei der Ermittlung der Fragen. Bei den eingereichten Vorschlägen entscheidet wieder der Zuschauer, welches Thema relevant ist.

Übersicht der Vorschläge

Durch einen Klick auf die Herzen können die Nutzer mitteilen, welches Thema sie interessiert. Man kann sich auch anschauen, welche User-Vorschläge bereits umgesetzt worden sind. Der Einbindung der Zuschauer ist auch bei Journalisten gerade en vogue. Beim #ZDFcheck kann die Community mit recherchieren, welche Wahlaussagen der Politiker korrekt sind. Welche Themen recherchiert werden, entscheidet jedoch das ZDF selbst. Bei der Zeit gibt es den ZEITmagazin Faktomat und die Süddeutsche Zeitung setzt beim Projekt Die Recherche ebenfalls auf das Feedback der Community. Hier ist es umgekehrt: Die Leser geben die Themen vor und die Journalisten recherchieren, also ähnlich dem dm Ansatz. Und jetzt die Masterfrage: Ist es gut, wenn Journalisten so etwas durchführen oder dürfen auch Unternehmen in diesem Bereich tätig sein?

Jetzt mal ehrlich. Ein Drogeriemarkthersteller macht die Produkte, die es verkauft greifbar und stellt sie, die Herstellung und die Unternehmen dahinter vor. Warum interessiert sich den ein Kunde für dm? Hier spielen die Produkte doch eine sehr wichtige Rolle, es ist daher ein verdammt kluger Schachzug diese auf dem YouTube Kanal in den Vordergrund zu stellen.

Neben mitgefragt gibt es bei dm auch die Formate mitgestestet, Schönheit und dm Unternehmen. Mein Fazit: Der YouTube Kanal von dm ist auf jeden Fall einen Blick Wert. Über die genaue Umsetzung lässt sich streiten, aber der Ansatz ist vorbildlich.

Kennt ihr weitere Unternehmen, die ihre Zuschauer aktiv einbeziehen? Dann ab in die Kommentare damit 😉

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Warum Social TV nicht stirbt, und was About:Kate damit zu tun hat

Ich habe in den letzten Tagen und Wochen immer wieder die Beobachtung gemacht, dass Social TV mit der linearen Diskussion auf Twitter & Co (und ggf. Zusatzinformationen) zum aktuellen Fernsehprogramm gleich gesetzt wird. Das ist zu kurz gedacht, denn Social TV ist viel mehr als das bloße kommentieren von Fernsehsendungen auf Twitter. Die wohl einfachste Definition von Social TV ist die Verknüpfung von Social Media und Fernsehen und das kann auf verschiedene Arten geschehen.

Ab wann spricht man davon, dass Fernsehen „social“ ist? Frank und ich hatten das in unserem Artikel über den aktuellen Stand in Deutschland bereits wie folgt zusammengefasst:

Von “social” im engeren Sinne können wir also immer dann sprechen wenn: Ich etwas mache, das auf andere Einfluss hat (z.B. eine Sendung bewerten oder kommentieren), ich durch Dritte beeinflusst werde (z.B. ein TV Tipp eines Freundes per Mail), wenn ich zusehe, was eine oder mehrere Personen machen (z.B. den Twitter-Stream während des Tatorts lesen), mich selber einbringe (z.B. ein YouTube Video hochlade), mit anderen Nutzern zusammen etwas gestalte (z.B. ein gemeinsamer Hangout), oder aber durch die Daten, die eine große Gruppe erzeugt hat profitiere. (z.B. bessere Orientierung bei IMDb oder iTunes durch Ranking der meistgekauften Apps oder beliebtesten Filme).

Wie kommt es jetzt, dass der Begriff Social TV hauptsächlich mit den Diskussionen auf Twitter parallel zum Programm in Verbindung gebracht wird? Für die Sender ist das Kuratieren von Twitter & Facebook Beiträgen (inkl. eigenem Kommentarsystem) auf der eigenen Webseite zu großen Events schon fast Standard geworden. Während ARD und ZDF ihre Second Screen Angebote Formatbezogen anbieten, können Interessierte die App connect von ProSiebenSat1 für das Programm bei Pro7 und Sat.1 rund um die Uhr nutzen. Anstatt sich einen eigenen Namen für das Second Screen Angebot der ARD zu überlegen, nennt der Sender seine App einfach „Social TV“ und fordert die Zuschauer auf IM Social TV über die Formate zu diskutieren. Das macht die Trennung von linearen Programm und dem Begriff Social TV natürlich nicht einfacher. Aber was ist beispielsweise mit dem Tatort+, bei dem die Zuschauer vor und nach der Ausstrahlung selbst ermitteln konnten?

Bei About:Kate findet wenig bis gar keine Diskussion auf Twitter oder der Facebook-Seite während der linearen Ausstrahlung im TV statt. Trotzdem ist die Serie für mich ein Best Practice für Social TV. Parallel zur Serie gibt es ein Facebook Profil der Protagonistin Kate.

Kate Profil Facebook

Im Namen der Protagonistin werden hier alle möglichen Fundstücke aus dem Social Web veröffentlicht, so wie es viele anderen machen. Wer möchte, kann Kate eine Freundschaftsanfrage schicken. Viele veröffentlichen eigene Inhalte auf dem Profil von Kate. Ich habe die Inhalte von Kate abonniert und eine lange Zeit verfolgt, bis ich mir die erste Folge Wochen nach der Erstausstrahlung im TV angeschaut habe. Auf der eigentlichen Fanpage von About:Kate erfährt der Zuschauer natürlich immer wieder etwas zu der jeweils aktuellen Folge.

Neben der Präsenz auf Facebook gibt es die Webseite von About:Kate. Im Bereich Rezeption erfährt der Besucher alles über die Serie. Dort steht geschrieben:

„Unsere Identität ist virtueller denn je. Wir geben unsere Wünsche und Sehnsüchte in Suchmaschinen ein, streben in sozialen Netzwerken nach Anerkennung und sind eifersüchtig auf das inszenierte Leben anderer. Unsere eigenen Angebereien, Träume und Ängste speisen wir Tag für Tag ins Netz ein und erfinden uns dabei permanent neu. Im Gegenzug erhalten wir unentwegt Input aus dem Web. Die Grenzen zwischen Realem und Inszeniertem verschwimmen und unsere Spuren sind überall und von jedem auffindbar.“

Sind wir nicht alle ein bisschen Kate? Im Rahmen der Serie hat der Zuschauer die Möglichkeit, sich mit der eigenen (virtuellen) Identität auseinanderzusetzen. Hier setzt vor allem die Second Screen App von About:Kate an. Sie begleitet jede Folge mit zusätzlichen Einblicken in Kates Welt und ermöglicht dem Zuschauer Folge für Folge eine Selbstanalyse.

App About Kate

Das tolle an der App, sie funktioniert nicht nur linear, wie wir das von den meisten Second Screen Angeboten der Sender gewohnt sind. Die App erkennt über ein Audiosignal – wie bei Shazam – welche Folge läuft und an welcher Stelle sich der Zuschauer gerade befindet. Warum sollte es auch möglich sein, dass ich die Sendung schauen kann, wann ich möchte, das Zusatzangebot aber nur linear funktioniert? Eine besonders bemerkenswerte Verbindung zwischen der Serie und dem Zuschauer ist ein Telefonanruf während der Folge über die App. Durch die Synchronisation des Audiosignals kann genau festgestellt werden, an welcher Stelle der Zuschauer sich bei der Folge befindet. Ein ziemlicher Clou, denn damit wird dem Zuschauer vor Augen geführt, was technisch möglich ist und welche Spuren er selbst via App preisgibt und hinterlässt.

Passend dazu finde ich im Fernsehzimmer alle Folgen der Serie. Ist es nicht das Hauptanlieger der Sender dass die Inhalte konsumiert werden? Und spielt es wirklich eine wichtige Reihenfolge, ob das linear oder on demand passiert? Für die privaten Sender stellt sich hier natürlich die Frage der Finanzierung, aber hier gibt es auch neue Wege und Möglichkeiten. Auch die Werbung muss sich wandeln, aber damit befasse ich mich in einem anderen Artikel. ProSieben bietet jedenfalls alle Folgen von HalliGalli auch auf der eigenen Webseite an.

Im Gruppenraum bei About:Kate haben die Zuschauer eine weitere Möglichkeit zur Teilnahme. Die Zuschauer sind aufgerufen, eigene Beiträge zu gestellten Aufgaben einzureichen. Die besten Einreichungen werden dann in die Folgen geschnitten und erscheinen im Fernsehen.

Dekorieren

Re Action

Auf der Seite Akte Kate sind Kates digitale Spuren aufgelistet. Suchmaschineneingaben, Playlists, Downloads, Verläufe, Kommentare, Foreneinträge oder Routenbeschreibungen. Dem Besucher wird so ein Spiegel vor Augen gehalten, dass er ebenfalls Spuren im Netz hinterlässt.

Ziehen wir nun Resümee: Was ist an About:Kate nun „social“? Durch die Interaktion mit der Protagonistin auf Facebook, z.B. durch das Veröffentlichen von eigenen Beiträge auf der Pinnwand von Kate, besteht die Möglichkeit, dass dies auch die Freunde der Zuschauer sehen. Das Ergebnis der Therapiesitzungen, die via App möglich sind, kann ebenfalls auf Facebook veröffentlicht werden. Dieser Aspekt ist nicht zu unterschätzen. In der Viacom-Studie wird u.a. thematisiert, dass Social Media heute auch als eine moderne Version einer Programmzeitschrift funktioniert. Zudem rangiert es auf dem dritten Platz (39 Prozent) hinter klassischer Promotion und Mundpropaganda als Quelle, um neue Sendungen zu entdecken. Nach dem „liken“ einer Sendung sind die Zuschauer bis 75 Prozent eher interessiert, sich die Sendung auch anzusehen. An dieser Stelle hat Arte also seine Hausaufgaben gemacht. Die Möglichkeit die Sendung aktiv mitzugestalten fördert darüber hinaus die Bindung an die Sendung. Man muss als Zuschauer doch überprüfen, ob der eigene Beitrag in der Folge aufgegriffen worden ist 😉

Florian Hager, stellvertretender Programmdirektor von ARTE, ist überzeugt, „dass die Sender dem Nutzer die Möglichkeit der Wahl ermöglichen müssen, in welcher Durchdringungstiefe er die Inhalte konsumieren möchte.“ Social TV steht dabei als Sinnbild für eine sich veränderte Fernsehlandschaft. Die Zahl der Zuschauer, denen das klassische Fernsehen – also das reine Konsumieren von Inhalten – zu langweilig ist, steigt.

Crossmedia und transmediales Storytelling sind neben Social TV Begriffe, die in letzter Zeit immer häufiger genannt werden. Transmediales Storytelling bedeutet, dass die Formate durch Konzepte in diese Richtung breiter erlebbar werden und das vor, während und nach der Ausstrahlung im linearen TV. Für mich ist About:Kate neben der tiefen Integration der Zuschauer ein Paradebeispiel, dass Social TV Formate nicht unbedingt mit dem linearen TV verknüpft sein müssen und auch beim on demand Konsum funktionieren.

Das abschließende Wort möchte ich Janna Nandzik, der Regisseurin und Autorin von About:Kate überlassen: „Alles in unserer Serie ist vernetzt und voller Möglichkeiten – genau so, wie es im Internet der Fall ist.“

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Der Bewegtbild Rückblick der re:publica – Alles um und über das Fernsehen

Die re:publica ist nun schon ein paar Tage her. Wie es bei der re:publica üblich ist, spielen die Vorträge meist eine untergeordnete Rolle, auch ich habe nur sehr wenige Vorträge gesehen und war eher damit beschäftigt, meine Twitterkontakte auch mal in „echt“ zu sehen. Es gab auch mehrere Treffen unter der We Make Social TV Redaktion. Das heißt aber nicht, dass das Programm nicht ein paar Perlen hatte, die man sich anschauen sollte.

Das ZDF hat den #ZDFcheck Faktencheck vorgestellt. Worum geht es?

Das ZDF startet zur Bundestagswahl ein crossmediales Projekt, um Politikeraussagen zu checken. Stimmt das eigentlich, was Politiker in Interviews, Talkshows und Reden sagen? Der Faktencheck soll mit dem Zuschauer gemeinschaftlich durchgeführt werden.

Daniel Bröckerhoff aka Doktordab hat in seiner Session den Nutzen und die Risiken von #openjournalism vorgestellt. Worum geht es ?

Journalisten sollen ansprechbar sein, mit Ihrem Publikum interagieren, es in die Arbeit einbeziehen, den Entstehungprozess transparent und nachvollziehbar machen, um Leser und Zuschauer stärker an das eigene Produkt zu binden. Daniel erklärt anhand der Fernsehformate, bei denen er mitwirkt, welche Vor- und Nachteile offener Journalismus mit sich bringen. Und er stellt sein Format st_ry vor, bei dem ich er gemeinschaftlich mit den Zuschauern eine Dokumentation über Datenschutz umsetzen möchte. Hint: Für st_ry wird noch Geld gesammelt.

Die Session zu den SWR Projekten „Zeit der Helden“ und „Tatort+“ gibt es leider nicht online als Video. Daher übernehme ich an dieser Stelle mal die offizielle Beschreibung auf der Seite der re:publica. Worum geht es?

Zeit der Helden

In der neunteiligen Echtzeit-Serie “Zeit der Helden” stimmen Erzählzeit und erzählte Zeit im Fernsehen und im Web überein. Die Timeline auf zeitderhelden.de bildet den Takt ab, in dem die fünf Helden der fiktionalen TV-Serie fünf Tage lang durch die Midlife Crisis schliddern. Das Web hat die »Echtzeit-Fiktion« während der TV-Ausstrahlung unterstützt (vom 25. bis 29. März 2013 auf ARTE und im SWR Fernsehen). Und es bietet eine zusätzliche Erzähl- und Spielebene, die es so nur im Netz gibt: In einer Spurensuche konnten die Spieler die Vergangenheit der krisengeplagten Hauptfiguren aufdecken – und folgten dabei einer parallelen Dramaturgie nach dem Second-Screen-Prinzip.

Ein Transmedia-Projekt, das nicht mit SciFi, Mystery oder einem Mordfall aufwartet, sondern sich um große Fragen des Lebens dreht: Hab ich alles richtig gemacht? Bin ich zufrieden? War’s das mit Mitte 40? Wie geht es weiter?

 Tatort+

Für Krimi-Fans gibt es im Mai 2013 die Anknüpfung an ein Format, das der SWR im vergangenen Jahr mit großem Erfolg gestartet hat: Der “Tatort+” geht in die zweite Runde. Nach dem Ludwigshafener “Tatort”-Spiel von 2012 geht es nun in Stuttgart mit “Spiel auf Zeit” beim “Tatort+ 2013” weiter.

Schon eine Woche vor dem “Tatort” werden die Spieler mit einem Verbrechen konfrontiert, das es aufzulösen gilt. Nika Banovic, den “Tatort”-Zuschauern als Mitarbeiterin der Stuttgarter Spurensicherung bekannt, wird die Spieler durch den Fall führen. Dessen Lösung ist eng mit den Geschehnissen im Tatort “Spiel auf Zeit” verknüpft.

Nach der Ausstrahlung des Tatort im linearen Programm geht das Spiel für die Online-Ermittler weiter.

Ein bisschen hat Guido auch beim digitalen Quartett zum Tatort+ erzählt. Da das digitale Quartett auch eine Art Social TV ist, gibt es hier auch das passende Video dazu. Worum geht es?

Im digitalen Quartett werden wöchentlich aktuelle Themen mit verschiedenen Gästen im Hangout diskutiert. Die Zuschauer können sich via Twitter unter dem Hashtag #Quartett mit einbringen.

Wenn man über die Zukunft des Fernsehens und die Relevanz von Webvideos spricht, kommt man an YouTube nicht mehr vorbei. Worum geht es?

In der Session YouTube zwischen Wildwest und Goldgrobe werfen Bertram und Markus aka Videopunk einen Blick auf YouTube und stellen die Chancen aber auch die aktuellen Problemfehler der Plattform vor.

Und last but not least, berichten in dem Panel „YouTube macht die Stars von heute“ verschiedenen YouTube Stars auf der Bühne über ihre Motivation eigene Inhalte auf YouTube zu erstellen und welche Rolle die Community dabei spielt. Christoph Krachten von Mediakraft, das YouTube Netzwerk das auch einige der Stars auf der Bühne unter Vertrag hat, diskutiert ebenfalls mit.

Haben ich jemand wichtiges oder ein wichtiges Panel vergessen?

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TV on the move – Time for Disruptions

Fernsehen das Lagerfeuer, das die Familie im heimischen Wohnzimmer versammelt. Glaubt man den Rednern des NewTV Kongresses, der am 18. April in Hamburg stattgefunden hat, geht es dem Fernsehen gut. Der durch den Untertitel Time for Disruptions suggerierte Wandel ist überhaupt nicht nötig, denn fast in jedem Vortrag wird dem Publikum erzählt: Der lineare Konsum steigt, die Deutschen schauen MEHR Fernsehen. Brauchen sich die Sender also wirklich keine Sorgen zu machen? Betrachtet man die breite Masse, schauen die meisten Deutschen natürlich noch linear Fernsehen. Bei vielen Haushalten läuft der Fernseher allerdings nur nebenbei. Und immer mehr Zuschauer surfen während des Fernsehens im Internet. Das zeigt auch die ARD/ZDF-Onlinestudie 2012.

ARD ZDF Online Studie

Bei mir läuft der Fernseher fast gar nicht mehr und das, obwohl ich mit linearem Fernsehen aufgewachsen bin. Damit ich den Fernseher einschalte, um das Fernsehprogramm linear zu verfolgen, benötige ich einen triftigen Grund. Bei Germanys next Topmodel – ja ich gebe zu dass ich das schaue – ist das beispielsweise die Erinnerung an die gemeinsamen Fernsehabende in der WG und der Wunsch sich auch alleine auf der Couch parallel zum Programm mit anderen auszutauschen. Da sind wir wieder beim Second Screen und Social TV angelangt. Ich habe in meinen WG-Zeiten mit meiner Mitbewohnerin aber auch mehrere Abende mit Sex and the City Serienmarathons verbracht, also ein gemeinsamer on demand Konsum. Und selbst wenn ich heute Serien on demand schaue, lese ich sehr oft im Anschluss die Review auf Serienjunkies.de und die Kommentare der User. Warum ich das tue? Gerade bei Serien mit komplexen Inhalten wie z.B. Homeland oder Game of Thrones interessiert mich, wie andere die Folge aufgefasst haben. Vielleicht habe ich ja einen wichtigen Handlungsstrang verpasst? Fernsehinhalte sind aber nicht nur bei mir gesprächswürdig.

Tatort

Während sich der Zuschauer früher am nächsten Tag in der Schule oder im Büro über das Fernsehprogramm des Vortages ausgetauscht hat, findet das heute eben parallel oder nachgelagert auf den verschiedenen Social Media Plattformen statt. Der Tatort ist eine der wenigen Ausnahmen, die fest zum Sonntagabend der Deutschen in allen Altersklassen dazugehört. Hier schaut man noch linear, entweder im Kreise der Familie oder gemeinsam in einer Kneipe zum Public Viewing oder bei Twitter digital.

Bei der Jugend von heute spielt lineares Fernsehen aber fast gar keine Rolle mehr. Während die Fernsehmacher in ihren Vorträgen erzählt haben, wie rosig die Zukunft doch ist, widerlegen vier Jugendliche in dem Abschlusspanel des Kongresses zum Medienkonsum alle Aussagen der Redner.

TV Sendungen Filme über Online Sourcen

Quelle: Solon Online Video Survey 2011

Die Altersgruppen 18-34 Jahren schauen TV Sendungen und Filme verstärkt online. Für diese Zielgruppe ist Video on demand also bereits Alltag. Das haben auch die Jugendlichen im Panel bestätigt. Sie suchen sich ihre Informationen bzw. Sendungen zielgerichtet im Web. Aus diesem Grund hat die junge Generation auch kein Interesse an einem Jugendsender. Die Aussage der Teens: Die Interessen der Jugendlichen sind so heterogen, die kann ein Sender eh nicht abbilden. Wenn sie Lust auf Musik habe, möchten sie auch Musik schauen und nicht das was gerade im TV läuft. Sie stellen sich ihr TV Programm also selbst zusammen.

Halten wir also fest. Die „ältere“ Generation kennt noch das lineare Fernsehen und schaut auch noch klassisch TV, während die Jungen Fernsehinhalte verstärkt on demand konsumieren. Wie ein Format wie die Tagesschaut über die verschiedenen Altersgruppen genutzt wird, wurde am NewTV Kongress sehr schön am Beispiel der Tagesschau gezeigt.

Quelle: Beckmann (NDR) – newTV Kongress HH - 2013

Quelle: Beckmann (NDR) – newTV Kongress HH – 2013

Während die Tagesschau im linearen Programm um 20 Uhr von einem Altersdurchschnitt über 60 Jahren geschaut wird, informieren sich die Altersgruppen um 36 Jahren über die Tagesschau-App. Hier haben auch die Teens gesagt, die Tagesschau in 100 Sekunden schauen sie gerne, 15 Minuten sind zu lang. Sie möchten bei Nachrichten angeteasert werden, bei den Punkten die sie interessieren informieren sie sich im Anschluss.

Der NDR hat erkannt, wo der Bedarf liegt und hat für die eigenen Inhalte die Regel „Online first“ erstellt. Sind Formate produziert, werden sie online gestellt. Das geschieht bei der Tagesschau aber auch bei Sendungen wie dem Tatortreiniger. Kritiker könnten nun sagen, dass diese Zuschauer nun beim linearen TV-Konsum wegfallen. Aber die On demand-Nutzung kannibalisiert das lineare Fernsehen nicht. Ganz im Gegenteil, wenn ich die Inhalte vorher sehe und sie mir gefallen, erzählen ich das doch meinen Freunden und die schalten vielleicht beim klassischen Fernsehen ein.

Quelle: Beckmann (NDR) – newTV Kongress HH - 2013

Quelle: Beckmann (NDR) – newTV Kongress HH – 2013

Neben den 1,3 Mio Zuschauern im linearen Programm, wird die Soap Verbotene Liebe zusätzlich von 300.000 Zuschauern on demand konsumiert. Bei der Dokumentation der ARD zum Versandhändler Amazon war der Anteil der on demand Zuschauer fast identisch, wie der Anteil der linearen Zuschauer. Der Video on demand Konsum wird weiter steigen.

Insgesamt betrachtet steht also fest: Der Wandel der Mediennutzung macht auch vor dem Fernsehen nicht halt. Das lineare Fernsehen altert mit dem Zuschauer, die junge Generation kann mit dem linearen Fernsehen nicht mehr allzu viel anfangen. Das Fernsehprogramm ob es nun linear oder on demand konsumiert wird, löst aber weiterhin Gesprächsbedarf aus. Am Beispiel der Tagesschau hat sich gezeigt, dass auch Sender wie der NDR mit entsprechenden (Online-) Angeboten junge Zuschauer erreichen können. Zurücklehen ist also nicht, der Untertitel des NewTV Kongresses Time for disruptions sollten sich die Fernsehmacher also doch zu Herzen nehmen.

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Social TV in Deutschland – Status Quo und Ausblick

Die Vorstellung darüber, was Social TV nun eigentlich ist, gehen ungefähr so weit auseinander, wie der Sprung von Felix Baumgartner tief war. Die wohl einfachste Definition ist die Verknüpfung von Social Media und Fernsehen. Dabei steckt hinter dem Trend deutlich mehr als nur ein Tweet zum Tatort. Es steht als Sinnbild für eine sich veränderte Fernsehlandschaft, das einigen großen Playern das Mark in den Knochen gefrieren lässt. Hätten doch nur Print- und Musikindustrie so ein wundervolles Schlagwort gehabt.

Ein Spruch den man in letzter Zeit öfter hört wenn es um Fernsehen geht lautet: “Ich hab aber gar keinen Fernseher mehr”. Es gibt sicher auch viele Menschen, die kein Radio mehr haben, aber hören sie deswegen keine Musik mehr? Fernsehen ist schon lange nicht mehr nur das Konsumieren linearer TV-Inhalte. TV-Signale via Kabel, Antenne, IP und Satellit und deren Darstellung auf einem Fernseher sind nur eine Möglichkeit “fernzusehen”. Genauso wie ein festes Programmschema quasi nur ein Serviervorschlag für Bewegtbildinhalte ist. Längst können Sendungen auch über Mediatheken, Videoportale und Online-Videotheken abgerufen werden. Es wäre durchaus sinnvoll den Konsum von Bewegtbildinhalten in seiner Gesamtheit als „Fernsehen“ zu betrachten, nicht nur das „klassische“ lineare TV – aufgrund des Programms einiger Sender dürfte an dieser Stelle auch keine Qualitätsdebatte zur Abgrenzung des Begriffs “Fernsehen” losgetreten werden.

Auch das Sehverhalten kann kaum abgegrenzt werden. Schaut Papa noch Fern während die Tochter iPad guckt? Es ist doch eher so, dass auf dem Gerät geschaut wird, das gerade zur Hand ist, egal ob TV, Smartphone, Tablet oder Notebook.

Ab wann ist ein Service nun Social? Nahezu jede Anwendung im Netz lässt mittlerweile Austausch unter den Nutzern zu, oder verlässt sich auf Daten, die durch Nutzer generiert werden. Von “social” im engeren Sinne können wir also immer dann sprechen wenn: Ich etwas mache, das auf andere Einfluss hat (z.B. eine Sendung bewerten oder kommentieren), ich durch Dritte beeinflusst werde (z.B. ein TV Tipp eines Freundes per Mail), wenn ich zusehe, was eine oder mehrere Personen machen (z.B. den Twitter-Stream während des Tatorts lesen), mich selber einbringe (z.B. ein YouTube Video hochlade), mit anderen Nutzern zusammen etwas gestalte (z.B. ein gemeinsamer Hangout), oder aber durch die Daten, die eine große Gruppe erzeugt hat profitiere. (z.B. bessere Orientierung bei IMDb oder iTunes durch Ranking der meistgekauften Apps oder beliebtesten Filme).

Zusammenfassend bezeichnet Social-TV das Zusammenspiel aus Bewegtbildinhalten, zusätzlichen (nutzergenerierten) Inhalten dazu, den Interessen und sozialen Beziehungen der Nutzer, und den (Nutzungs-)Daten, die sie erzeugen.

Social Media und Fernsehen

Auch wenn das Thema Social TV gehyped ist, die Service-Revolution im Fernsehmarkt läuft langsam. Steigende Zahlen mobiler Endgeräte sind eine Voraussetzung, schnelle Internetverbindungen und ein heimisches W-LAN sind weitere. Der größte Treiber für die Veränderungen im TV Bereich aber sind Schnittstellen (APIs) und eine gute “User Experience” des jeweiligen Service. Erst durch sie werden wir unabhängig vom Endgerät und können konsumieren wo und wie wir wollen. Besonders beliebt ist dabei das Zusammenspiel eines Fernseher und einem weiteren mobilen Device, vorzugsweise eines Smartphone oder Tablet. Der Nutzungsschwerpunkt unserer mobilen Helfer liegt nämlich nicht unterwegs sondern in den heimischen vier Wänden.

Gibt es einen Zusammenhang zwischen der Nutzung des mobilen Endgerätes und des TV befinden wir uns in einem Second Screen Szenario. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Nutzung zur Steuerung, Unterhaltung oder Information geschieht. Second Screen Szenarien nehmen eine Sonderrolle im Social TV ein, da man sich von ihnen nicht nur ein erweitertes Storytelling oder ein besonders großartiges Nutzungserlebnis verspricht, sondern auch Tune-In-Effekte zum linearen TV. Erste vielversprechende Geschäftsmodelle zeichnen sich mit (Werbe-)Angeboten, die sich auf den Inhalt des First Screen beziehen und mit dem mobilen Gerät einen Performancekanal bekommen, ab. Im E-Commerce macht man sich diese Möglichkeiten bereits erkannt und schaltet gezielt mobile Werbung zur TV-Primetime.

Aufgrund der Vielseitigkeit von Social TV setzt jeder Dienst seine eigenen Schwerpunkte. Dabei lässt sich grob in die Kategorien: Hardwaresteuerung & Zugang, Unterhaltung & Interaktion, Content & Information, Empfehlen & Entdecken sowie Daten & Analyse unterteilen.

Trendrr.TV Social TV Ecosystem 2011 – 2012

Natürlich wird Social-TV nicht nur durch 3rd-Party-Apps getrieben – auch die TV Netzwerke selbst nutzen die Möglichkeiten das interessierte Publikum näher an sich zu binden. Das geschieht zumeist über Präsenzen in den drei großen Netzwerken Facebook, Google+ und Twitter. Besonders erfolgreich: Das Format „Berlin Tag & Nacht“ mit über 2,5 Mio. Fans auf Facebook. Über den Tag verteilt werden zur Storyverlängerung Clips, Bilder und Statements der Darsteller eingespielt – das Konzept funktioniert und hat mit Köln 50667 bereits einen weiteren Ableger. RTL2 hat zudem gezeigt, dass sie ihre Zuschauer nicht nur dazu animieren können, ihre Lieblingssendung, sondern auch weitere Inhalte des TV-Programms von RTL2 zu konsumieren. Die Bewohner von “Berlin – Tag und Nacht” haben gemeinsam mit den Zuschauern einen “Dirty Dancing”-Fernsehabend gestaltet. Während im Fernsehen Dirty Dancing lief, könnte der Zuschauer live auf der Seite von RTL2 oder via Smartphone mit der App dabeisein, wenn die WG den Film schaut. Darüber hinaus wurden die Zuschauer beispielsweise daran beteiligt zu entscheiden, welche Pizza nun für den Familienabend bestellt wurde.

Ein ähnliches Erlebnis konnte die Zuschauer der Sendung “Walulis sieht fern” erleben. Während der Ausstrahlung der ersten Folge einer neuen Staffel, waren die Macher der Sendung live dabei. Die Zuschauer konnten ihre Fragen zur Sendung per Chat an Tobis und Philipp von Walulis stellen.

Wenn Sender heute von Social TV sprechen, ist meistens das fast schon standardisierte Angebot für Zuschauern über Webseiten, mit eigenem Kommentarsystem, der Integration von Twitter & Facebook in unterschiedlicher Qualität und zusätzliche Informationen und Inhalte zur laufenden Sendung gemeint. Bei einigen Formaten werden die Nutzer oder Ihre Kommentare sogar direkt in die Sendung integriert. Größere Ereignisse wie “Wetten, dass…?”, Fußballspiele, Wahlen und der Tatort werden eigentlich immer mit Zusatzangeboten abgedeckt.

Überhaupt sind die Öffentlich-rechtlichen-Sender recht aktiv bei der zusätzlichen Verknüpfung von Formaten mit Social Media – wenn auch selten mit direkten Rückkanal in eine Sendung herein. In der “Netzgemeinde” besonders beliebt war Format “rundshow” mit Richard Gutjahr. Über die dazugehörige App “Die Macht” konnten Zuschauer direkt Kommentare zur Sendung an die Sendungsmacher schreiben, zu Themen abstimmen und während der Sendung Applaus spendieren. Auch wenn es Kritik zur Bild und Ton-Qualität eines per Hangout zugeschalteten Gastes gab, die rundshow bot die bis heute tiefste Integration von Zuschauern in eine deutsche TV-Sendung, den “Superball”, “Pronto Salvatore” und “Hugo” mal ausgeschlossen ;D

Besonders gelungen war auch die Verlängerung des Tatorts “Der Wald steht schwarz und schweiget” der zudem zeigte, dass Social TV mehr ist als nur Facebook & Twitter. Während in der Show die Tatverdächtigen zusammenhielten und sich zu keinem Geständnis bewegen ließen, konnte der Zuschauer durch ein paar geschickte Verhöre im an die Sendung angeschlossenen Spiel einen der Tatverdächtigen zum Geständnis bewegen und so den Mörder finden.
Eine weitere Möglichkeit, wie man die Zuschauer in ein Format einbinden kann, zeigt die Sendung quer vom Bayerischen Rundfunk. Über mehrere Wochen hatten die Zuschauer die Möglichkeit, die Sendung live auf der Webseite mitzuferfolgen, ihre Kommentare abzugeben und schließlich in einem Hangout (Online-Aftershow) dem Moderator und seinem Team ein direktes Feedback zur Sendung zu geben. Die Einbindung von Social Media ist seitdem fester Bestandteil des Formats.

 

Status Quo

Auch wenn bei Großereignissen schon einmal 15.000 Tweets von 10.000 Nutzern verfasst werden, der Anteil von Nutzern, die aktiv sozialen Austausch zu einem Programm auf Twitter betreiben ist im Vergleich zur Quote sehr gering. Bei Samstagabend-Formaten mit durchschnittlich 6 Mio. Zuschauern, entspricht das noch nicht einmal 0,2% der Zuschauer, die sich an Diskussionen auf Twitter beteiligen.

Werden zusätzliche Informationen ausgespielt und im Fernsehen Verweise zum Angebot eingeblendet sieht die Statistik etwas besser aus. So führten 40.000 Webseiten parallele Abrufe während des Films “Rommel” bei, 6,4 Mio Zuschauer immerhin zu einer “Social TV Beteiligung” von 0,6%. Die 60.000 nachgelagerten Abrufe eingerechnet ergibt dies knapp 1,6% Beteiligung. Etwa 1.000 Nutzer nahmen zusätzlich an der Diskussion zum Programm teil.

Bei Berlin Tag & Nacht steht den 2,5 Mio. Facebook Fans eine Einschaltquote von ca. 1. Mio Zuschauern gegenüber. Dieser Umstand lässt u.a. folgende Rückschlüsse zu:

  1. Die Einschaltquote wird falsch gemessen,
  2. Es gibt mindestens 2,5 Mio Zuschauer, die das Format Berlin Tag & Nacht grundsätzlich interessant finden – 40% von Ihnen sind “Wiederkehrende Zuschauer”
  3. 60% der ehemaligen Zuschauer erreiche ich nur noch durch die Verknüpfung mit Social Media, sonst hätten sie sich bereits völlig von meinem Format verabschiedet
  4. Der Großteil der BerlinTN Fans schaut die Sendung nicht live sondern nachgelagert. Der Umkehrschluss würde bedeuten, dass ich einen Großteil meiner Zuschauerschafft auf anderen Kanälen besser erreiche, als im linearen TV.

Auch die privaten Sender besetzen den Begriff Social TV mit ihren Angeboten. ProSiebenSat.1 und RTL bietet mit “ProSieben Connect” und “RTLinside” eigene Lösungen an. Neben Kommentaren und Videoabrufen sind so z.B. auch Check-Ins möglich. Während “The Voice of Germany” konnten die Nutzer durch ihre Beteiligung sogar zusätzliche Preise gewinnen. Votings für Kandidaten, die aus der App stammten wurden ebenfalls mit einberechnet und auch live in der Sendung eingeblendet. Zusätzlich positiv bei “The Voice” fällt die Bespielung der Social Media Profile der Kandidaten und der Jury auf – ob das am Sender oder an den Formatvorgaben liegt sei dahingestellt.

Sowohl RTL als auch ProSiebenSat.1 bieten in Ihren Apps darüber hinaus zusätzliche Inhalte zu den Sendungen an. Ob Social TV damit schon am Ende seiner Möglichkeiten ist, darf bezweifelt werden. Gerade von den Öffentlich-Rechtlichen werden wir in 2013 wohl noch mehr sehen, als das, was bisher gezeigt wurde. Dabei ist der ÖR klar im Vorteil, was die Durchführung von Social TV Maßnahmen angeht: Im Gegensatz zu den privaten haben sie nämlich weder Gewinnerzielungsabsichten, noch müssen sie ihre Maßnahmen einer Kosten/Nutzen Rechnungen unterwerfen. Auf diese Weise dürften noch viele interessante Verknüpfungen entstehen, mit denen wir heute noch gar nicht rechnen.

Wenn es nicht funktioniert

Es gibt noch keine geschriebenen Gesetze, wie man Formate und Menschen erfolgreich verknüpft. Daher bedeutet Social TV immer auch Trial & Error. Groß angekündigt und am Ende nach mehreren Umbaumaßnahmen doch eingestellt wurde z.B. “Gottschalk Live”. Es war kein wirkliches Social Media Desaster, das Konzept aber lieblos umgesetzt, vom Moderator nicht ernst genommen und aufgrund der fehlenden Authentizität am Ende vom Publikum gemieden. Auch beim Vorzeigeprojekt “Rundshow” war nicht alles rosig: Von der Möglichkeit Videos als Botschaften zur Sendung zu schicken, wurde quasi nicht Gebrauch gemacht. Neben dem “Aufwand” für ein Video dürfte wohl auch die Angst, sein Gesicht im TV zu sehen, eine entscheidende Rolle gespielt haben. Oder auch nicht? Auch der NDR hatte bei “Mein Norden” eine ähnliche Aktion: Zuschauer konnten Videos aus ihrem Leben im Norden einreichen. Was zunächst aussah, als würde es ein Desaster werden, wurde am Ende ein Erfolg. Die Zuschauer hatten sich nur einfach viel Zeit genommen, um wirklich gutes Material zu erstellen.

Generell gibt es nur eine begrenzte Anzahl von Formaten, die zur parallelen Unterhaltung von Nutzern geeignet sind. Die Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover (HMTMH) hat hierzu sogar eine eigene Studie angelegt (S.26). Hohe Emotionalität und zeitliche Aktualität sind die beiden wichtigsten Voraussetzung, damit viel Interaktion um ein Format entstehen kann. Hinzu kommt die Komplexität des jeweiligen Formates, die Situation, in der ich TV schaue (alleine, mit Freunden), und natürlich ob das was man sieht überhaupt einen persönlichen Anreiz darstellt, sich zu informieren oder auszutauschen.

Das auch der Kanal, über den ich Inhalt verbreite eine wichtige Rolle spielt, zeigen neben den YouTube Channels von ZDF, ARD & Co., die sich schwer tun, eine größere Nutzerschaft zu gewinnen, auch einige der neuen “Premium” Channels von gestandenen TV-Produzenten. Hier zeigt sich, dass es gar nicht so leicht ist, eine Community aufzubauen, aber auch, dass der Content zur jeweiligen Plattform passen muss. Ob der Austausch untereinander da wäre, wenn ich 30 Minuten lang auf RTL II YouTube Videos ausstrahle?

Ausblick

Das Fazit dürfte klar sein, Social TV steht vor allem in Deutschland noch am Anfang. Die Chancen dagegen sind riesig. TV-Programm alleine reicht vielen nicht mehr. Es müssen mehr Möglichkeiten her, die Nutzer zu unterhalten. Erweiterungen des TV-Erlebnisses durch Second Screen Szenarien in Echtzeit spielen dabei eine entscheidende Rolle. Automatische Erkennung von Inhalten und das damit einhergehende Ausspielen von weiteren Informationen, Unterhaltungselementen und natürlich auch Werbung an interessierte Nutzer ist ein weiterer großer Baustein.

Auch die mobile Nutzung wird sich stärker durchsetzen. Dabei sind größere Datenpakete weniger entscheidend als die Verfügbarkeit von Smartphones und Tablets und den passenden Inhalten an und für sich. Durch bessere Schnittstellen zwischen mobilen und stationären Geräten (TV, Set-Top-Box) werden zum einen deutlich mehr Services entstehen zum anderen aber auch mehr Möglichkeiten gegeben, das Storytelling von Sendungen zu verändern – über verschiedene Endgeräte hinweg.

Auch wenn das Thema oft mit Urheberrechtsverstößen einhergeht: Nutzergenerierte Inhalte, Lieblingsszenen in GIF und JPG Form mit Untertitel werden immer beliebter und sind zugleich Promotion für ein Format. Es bleibt mit Spannung abzuwarten, wann hier über den eigenen Schatten gesprungen wird und ein Content-Inhaber aktiv dieses Nutzerverhalten unterstützt.

Weitere Veränderungen bei der Verbreitung von Inhalten sind bereits im Gange: Mit dem Launch von WATCHever, gibt es einen ersten vielversprechenden und bezahlbaren Abo-Service für Video-Content. Das besonders spannende daran ist die Zusammenarbeit mit BILD, bzw. Axel Springer. Auch die Verlage werden im Bereich Social TV noch eine große Rolle spielen. Zum einen sind die mobilen Apps ihrer TV-Zeitungen in den Stores bereits etabliert zum anderen produzieren sie auch aktiv zusätzlichen Content zu TV-Inhalten – teilweise unterhaltsamer als das Original.

Social TV Services stehen vor der Herausforderungen, die verschiedenen Plattformen und Verbreitungswege miteinander zu verknüpfen und gleichzeitig sinnvolle Empfehlungsmechanismen, vor allem aber eine intelligente Suche anzubieten. Social TV ist also kein Hype, es ist nur das Schlagwort für gravierende Änderungen im Bewegtbildmarkt, wie wir sie zuvor bei Print und Audio gesehen haben.

Anmerkung

Dieser Blogbeitrag ist die Grundlage für den in der t3n Nr. 31 – So funktioniert Bewegtbild im Netz auf Seite 132 erschienen Artikel „Soziales Fernsehen“ und wurde in Zusammenarbeit mit Stefanie Aßmann verfasst. Wir möchten euch die weiterführenden Überlegungen, die im Print-Artikel leider gekürzt werden mussten nicht vorenthalten, da sie aus unserer Sicht für das Verständnis von Social TV wichtig sind. 

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Food Tube – Die Kochsendung von Jamie Oliver

Was habe ich sie früher geliebt, die Kochsendungen mit Jamie Oliver. Die Sendung war fester Bestandteil eines Samstagmorgen von mir. Der berühmte Koch aus England hat eine ganze Welle an Kochshows ausgelöst. Auf einmal kamen sie alle damit um die Ecke. Damals waren die TV-Sender daran interessiert einen Koch unter Vertrag zu nehmen. Auch heute gibt es noch zahlreiche Kochshows im Programm.

Aber es hat sich etwas verändert. Eine Kochsendung nach den Wünschen der Zuschauer existierte im Fernsehen nicht so wirklich. Zumindest sehen das einige Zuschauer so, denn auf diese Weise sind auch die konspirativen Küchenkonzerte entstanden. Der Zuschauer macht sich sein eigenes Programm. Im letzten Jahr sind auch einige schöne „Kochsendungen“ entstanden. Die Blogrebellen haben beispielsweise den Spaß am Kochen mit Musik verbunden. Auch Michael Seeman aka @mspro hat zur Feier des Nudeltages spontan ein Kochvideo erstellt – für Anfänger 😉

Wir sehen also, die Zuschauer machen sich ihr Programm teilweise selber. Jetzt haben aber auch die bekannten Fernsehköche gemerkt, dass YouTube ja doch ein ziemlich geniales Medium ist, auf dem sich zufällig die gewünschte Zielgruppe befindet. Jamie Oliver ist jetzt auf YouTube und braucht „obacht“ die Fernsehsender nicht mehr als Distributionskanal.

Jamie Oliver möchte Feedback von den Zuschauern, die Sendung nach den Wünschen der Zuschauer gestalten. Jamie Oliver möchte Interaktivität. Also gibt es nicht einfach nur die Sendung. Mit dem Video  Slap Jamie Oliver – Interactice gibt es ein paar schöne Interaktionsmöglichkeiten für den Zuschauer. Das müsst ihr euch allerdings direkt auf dem YouTube Kanal von Jamie Oliver anschauen. Aber ist ja auch nicht schlimm, dann könnt ihr den gleich abonnieren 😉 Jamie Oliver ist auch auf den anderen Social Media Kanälen (Instagram, Facebook, Google+) präsent. Klar, dass man hier natürlich auch gleich ein Event einstellt.

Wenn man sich jetzt das TV Programm anschaut, wird man feststellen … da gibt es noch mehr Formate bei denen ein Kanal auf YouTube durchaus Sinn machen würde. Alleine die ganzen Talkshows, bei denen der Diskussionsbedarf der Zuschauer ja immer sehr hoch ist, bieten sich dafür beispielsweise an. Man stelle sich jetzt mal vor Joko und Klaas wären vom ZDF nicht zu ProSieben, sondern zu YouTube gewechselt. Klar ProSieben zahlt besser und die Reichweite ist auch eine andere, aber mal ehrlich wie lange ist das noch so?

Die Konkurrenz der Sender lauert aber nicht nur in Form von YouTube, auch Amazon (und viele viele andere) rüstet auf. Bei Amazon Prime sollen demnächst eigene Produktionen als Stream gesendet werden. Den Anfang macht wahrscheinlich Zombieland. Ja, ein fiktives Format. Wie man sieht, sind Serien oder Filme somit auch kein Novum des klassischen Fernsehens.

Natürlich wird der Umbruch nicht von heute auf morgen passieren. Für den Zuschauer sind aber letztendlich nur die Inhalte relevant und die gibt es in absehbarer Zeit im TV und bei YouTube & Co.

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