Über das Schreiben ins Internet

Meine ersten Erfahrungen mit dem Bloggen habe ich 2009 in einem Suchmaschinenoptimierung (SEO) Projekt im Studium gemacht. Die Aufgabe für das Team war damals, einen thematischen Blog zu erstellen, diesen mit Inhalten zu befüllen und durch SEO Maßnahmen den Blog bei Google möglichst gut zu positionieren. Unser Thema waren damals PicooZ, das sind so kleine Hubschrauber. Das Projekt dauerte ein halbes Jahr. Nach dem Projekt habe ich als einzige im Team weitergebloggt, ich hatte meine Liebe zum Bloggen entdeckt. Ich weiß noch, dass es während des Projektes im Team Diskussionen gab, wie man einen Artikel schreiben sollte. Ich hatte eine Idee im Kopf und habe sie einfach aufgeschrieben. Nach den SEO-Richtlinien sollte man sich eigentlich erst Keywords überlegen und diese dann auch entsprechend im Artikel aufgreifen.

By Alejandro Escamilla via Unsplash


Knapp ein Jahr später hatte ich mit Social Media Monitoring das perfekte Thema für meine Masterarbeit gefunden. Und dank Thomas Pleil, der mir empfohlen hat einen Blog zur Masterarbeit zu starten, habe ich ziemlich spontan diesen Blog gegründet. Damals wollte ich den Blog schnell und unkompliziert erstellen, eigentlich war er auch wirklich nur für die Inhalte meiner Masterarbeit gedacht. Aus diesem Grund hatte ich mich für einen einfachen Blogger-Blog anstatt für WordPress entschieden. Dank meiner Masterarbeit gab es im ersten Jahr auch verdammt viele Artikel, 2010 insgesamt 78. Mit dem Ende der Masterarbeit und dem Anfang eines neuen Jobs ist dann auch die Anzahl der Beiträge gesunken.

Ich habe in den vier Jahren, in denen es diesen Blog jetzt gibt, verschiedene Gastartikel veröffentlicht und mich inhaltlich irgendwann auch von dem Thema des Blogs verabschiedet. So kam es dann auch, dass ich den Blog um den Untertitel „Und was es sonst noch so über digitale Kommunikation zu erzählen gibt!“ ergänzt habe. Letztes Jahr habe ich mit Stephan zusammen den We Make Social TV Blog ins Leben gerufen und da einiges an Leidenschaft und Zeit investiert. Viel gebloggt habe ich dort aber auch nicht. Jetzt hatte ich also zwei Blogs, aber keine Motivation mehr zum regelmäßigen Schreiben. Da kam mir so ein Projekt wie Ironblogger Hamburg natürlich sehr recht.

Die Regel der Ironblogger lautet: Einen Artikel pro Woche schreiben, sonst muss man 5 Euro zahlen. Eigentlich eine tolle Idee, also habe ich mich angemeldet. Und tatsächlich habe ich am Anfang auch wieder mehr geschrieben und ich habe meine Leidenschaft für das Bloggen wieder entdeckt. Also alles gut? Jein. Es gibt einfach Wochen, die jobtechnisch sehr stressig sind. Die wenige Freizeit möchte ich dann ungerne in einen ausführlichen Blogartikel investieren. Und dann gibt es Wochen, da fällt mir kein passendes Thema ein, das sich lohnt zu verbloggen. Genau das ist die Krux an der Sache. Die Blogartikel müssen laut Regelwerk zwar keine Mindestlänge haben oder wie es Stefan für die Ironbloggern in Köln festlegt:

Die Beiträge müssen keine Mindestqualität haben (ein einfaches Bild und Link z.B. reicht). Im Zweifelsfall entscheidest Du selbst, ob Du Dich mit dem Beitrag in der Gruppe lächerlich machst oder lieber 5 Euro bezahlst.

Aber für mich ist die Veröffentlichung eines Bildes oder eines Zwei-Satz-Artikels keine Option, unter Bloggen verstehe ich dann doch etwas anderes.

Bevor ich Blödsinn blogge, zahle ich lieber! RT @ibhh_bot: @miss_assmann Deine aktuellen Iron-Blogger-Schulden betragen €15. #IronBloggerHH
— Stefanie Aßmann (@miss_assmann) July 15, 2013

Aber vielleicht sollte man das auch einfach mal diskutieren. Was ist denn eigentlich Bloggen und was versteht man unter einem ordentlichen Blogartikel?

Weil ich in der letzten Zeit ziemlich oft in die Bredouille gekommen bin zu zahlen, habe ich mich unter den anderen Ironbloggern mal umgeschaut. Meine Anforderungen an einen guten Blogartikel teilen dann doch nicht alle. Ich habe leider sehr viele Beiträge entdeckt, mit denen sich die Ironblogger meiner Meinung nach definitiv lächerlich machen. Ist also Geiz geil? In meinem letzten Artikel hier im Blog habe ich mich mit der Länge von Webvideos beschäftigt und bin zum Schluss gekommen: Content is king. Damit ich mir ein Webvideo anschaue, ist der Inhalt entscheidend. Ist das etwa bei Blogartikeln anders? Was haben andere davon, einen Artikel ohne Mehrwert zu lesen? Und was passiert, wenn alle brav bloggen, dann kommt man ja nie zum Trinken und gespendet wird dann auch nicht.

Wer liest eigentlich die ganzen Artikel, die die Ironblogger ins Internet schreiben? Ich habe mir ja einige Beiträge mal angeschaut und da auch ein paar Perlen entdeckt, aber das mache ich bei knapp 50 Ironbloggern in Hamburg sicher nicht regelmäßig. Aber wenn ich mir die Artikel der anderen Teilnehmer überhaupt nicht anschaue, wo genau liegt dann der Mehrwert bei der Beteiligung am Ironblogger Konzept? Ist es vielleicht sinnvoll, die besten Ironblogger Artikel der Woche in einer Top 5 zu präsentieren? Das würde zumindest die Blogger dazu anregen, einen vernünftigen Artikel zu schreiben. Man könnte auch den Top 5 Bloggern einen Joker aushändigen, den man ziehen kann, wenn man eine Woche mal nicht zum Bloggen kommt. Dann schreibt man vielleicht nur alle zwei oder drei Wochen, aber dafür richtig gute Artikel.

@miss_assmann Vorsicht! Beim nächsten Slacken bist du raus. #IronBloggerHH
— IBHH Notifier (@IBHH_Bot) July 29, 2013

Ich bin inzwischen bei 25 Euro Schulden angelangt, wenn ich eine weitere Woche nicht blogge, bin ich raus. Ich habe mir jetzt schon mehrfach die Frage gestellt, ob das wirklich so schlimm ist. In den letzten Wochen waren meine Arbeitswochen oft sehr lang und das Wetter sehr schön. Ich hatte also wenig Zeit zum Schreiben und wenig Zeit mir gute Inhalte für den Blog zu überlegen. Oder ich wollte einfach mal das schöne Wetter genießen 😉 Was bringt es also um jedem Preis einen Artikel zu veröffentlichen? Aber wie kann ich auf der anderen Seite dafür sorgen, dass ich wieder regelmäßig schreibe ohne zwischendurch ein Vermögen zu zahlen?

Durch diesen Artikel bin ich dem Slacken noch einmal entkommen, wieder fast auf den letzten Drücker. Die Lösung, wie man dafür sorgt, dass mehr Blogger regelmäßig in dieses Internet schreiben, aber weniger „Müll“ produzieren, habe ich natürlich nicht gefunden. Die Idee mit den Top 5 oder dem Joker findet ich aber gar nicht so schlecht. Allerdings muss dann auch jemand die ganzen Artikel lesen und bewerten und die Zeit hat dann ja auch keiner.

Wie sieht es denn bei euch aus? Was macht für euch einen guten Blogartikel aus? Welche Art von Beiträgen sind für euch interessant und welchen Anspruch habt ihr an eure eigenen Artikel? Seid ihr mit den Artikeln der anderen zufrieden? Tretet ihr anderen Bloggern mal auf die Füße und sagt auch mal „Den Artikel hättest du dir sparen können“? Sollte man das tun?

Disclaimer: Eigentlich hätte das ein vernünftiger Artikel über die Qualität von Blogartikeln werden können. So richtig zufrieden bin ich mit dem Inhalt allerdings nicht, dafür habe ich mich zu sehr verzettelt. Aber das musste mal raus. Und jetzt seid ihr dran!

Das tolle Bild ist übrigens von der Seite Unsplash. Was es damit auf sich hat, das Daniel bereist in seinem Artikel Blog-Tipp: Unsplash beschrieben.

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3 Gedanken zu „Über das Schreiben ins Internet

  1. Mama arbeitet sagt:

    Ich habe mich für die Ironblogger Bodensee, obwohl ich das verlockend fand, nicht angemeldet, weil ich genau dieses Problem voraussah. Lieblos oder huschig bloggen mag ich nicht, und 5 € sind für mich als an der Armutsgrenze lebende Alleinerziehende dann immer noch viel Geld. Davon kann ich einen Tag lang Essen für uns 4 besorgen.

    Viele Grüsse, Christine

  2. karin1210 sagt:

    Danke Stefanie für den tollen Artikel und auch die Antwort von Dietmar finde ich wichtig.

    Ich bin Ironbloggerin in Bonn und mir ist aufgefallen, dass es 2 Blogs gibt, die ich vor dem Ironblogging qualitativ besser fand, aber es gab auch seltener Beiträge. Die schreiben sich nun einen Schund zusammen, nur weil sie wöchentlich was schreiben müssen und ich möchte am Liebsten mich melden

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