Gedanken zur Zeitungsdebatte oder die Frage nach Push oder Pull

Momentan erscheint auf Spiegel Online im Rahmen eines Dossiers über die Zukunft der Zeitung jeden Tag ein Artikel von einem Journalisten, Zeitungsmacher oder einem Kenner der Szene. Interessantes Thema, ich habe mich im Jahr 2008 auch im Rahmen meiner Bachelorarbeit mit den Strategien der Zeitungmacher zur Bindung der Leser beschäftigt. Also habe ich heute wieder zwei Artikel gelesen, die nicht unterschiedlicher sein könnten.

Da wäre zum einen der Artikel von Mario Sixtus. Er bringt wichtige Fragen wie bspw. das Thema Ökonomie und Ökologie auf den Tisch. Im Anschluss habe ich den Artikel von RZ Chefredakteur Christian Lindner gelesen. Er schildert, welche Chancen regionale Zeitungen in Kooperation mit dem Leser haben und er liefert einige Argumente für Print, die ich ehrlich gar nicht so verkehrt finde.

Beide haben sie ihre Berechtigung, obwohl beide unterschiedliche Aussagen haben. Auf der einen Seite die Sichtweise eines Journalisten, auf der anderen die eines Zeitungsmacher. Aber wie sieht eigentlich die Sichtweise eines Lesers aus?

Ich schreibe in dem Beschreibungstext bei Twitter über mich „Ist in diesem Internet zuhause und macht was mit digitaler Kommunikation bei elbkind GmbH …“ Über die „Netzgemeinde“ sagt man ja, sie ist politisch sehr interessiert. Ich würde sagen, dass das auch auf mich zutrifft. Ich bin zwar am Thema Politik interessiert, die Zeit mich umfassend zu informieren habe ich allerdings nicht.

Ich besuche nicht jeden Morgen die Seiten von Spiegel Online, der Zeit oder der Süddeutschen. Bei mir stehen ganz andere To Dos auf meiner Liste, wenn ich morgens anfange zu arbeiten. An manchen Tagen habe ich auch keine Zeit meine Timeline bei Twitter zu lesen. Wenn ich das tue und dort spannende Artikel empfohlen bekomme, lese ich diese aber auch.

Während eines Praktikums im Studium bin ich immer von Darmstadt nach Frankfurt gefahren und habe mir für die Fahrt oft die Welt Kompakt gekauft. Das Wichtigste zusammengefasst. Warum ich mir die Welt Kompakt und nicht die Süddeutsche oder einen andere große Tageszeitung gekauft habe, ist einfach erklärt: Sie fasst das Wichtigste zusammen und da habe ich die Chance aufgrund der geringen Anzahl an Beiträgen auch alle zu lesen. Was ich morgens nicht geschafft habe, habe ich auf der Heimreise im Zug gelesen.

Mittlerweile habe ich die Welt Kompakt im Abo, aber ich lese sie fast nie. Mir fehlt der „lange“ Weg, die Zugfahrt, zur Arbeit. Warum ich überhaupt eine Zeitung im Abonnement habe? Ich habe eine bestimmte Anzahl an Artikeln zur Region, Deutschland und dem internationalen Weltgeschehen, die mich insgesamt auf den aktuellen Stand bringen. In der Hinsicht kann ich also Christian Lindner zustimmen. Meine Eltern lesen den Trierischen Volksfreund, weil das die einzige Möglichkeit ist, regional informiert zu bleiben. Ich habe mich lange Zeit nicht für Regionalpolitik interessiert. Für mich waren die Städte bisher immer nur das Zuhause auf Zeit, der Wohnort bis zum nächsten Job. Hier in Hamburg ist das zum ersten Mal anders. Ich fühle mich hier wohl, kann mir vorstellen hier sesshaft zu werden. Was hier regional passiert, weiß ich aber ehrlich gesagt (noch) nicht.

Wie informiere ich mich eigentlich oder besser, wie versuche ich mich zu informieren?

Natürlich habe ich die Topmeldungen der Zeitungen auch in meinen RSS Reader integriert, dort schaue ich aber vielleicht einmal pro Monat rein. Ich bekomme den Reader einfach in nicht in meinen Tagesablauf integriert. Das gleiche gilt für Rivva, Virato, die Social-Media-Presseschau der Süddeutschen Zeitung, den tollen Service Tame. Alles prima Tools, Rivva und Feedly habe ich sogar als Startseite bei meinen Browsern eingerichtet, aber es hilft nichts. Auch bei Facebook, wo ich mich täglich aufhalte, habe ich eine Liste mit Nachrichtenseiten erstellt. Ich nutze sie nur selten. Damit ich doch mitbekomme, was in der Welt so los ist habe ich bei für mich wichtigen Nachrichtenseiten ein Häkchen gesetzt, so dass ich über neue Schlagzeilen informiert werde.

Leider werde ich damit auch über viele uninteressante Inhalte informiert, die auf den Seiten geteilt werden. Ich möchte die wichtigsten Inhalte – am liebsten aus verschiedenen Zeitungen – nach meinen Bedürfnissen zusammengestellt bekommen. Nicht Pull sondern Push. Die Zeitung bekomme ich jeden Morgen in meinen Briefkasten geliefert mit einer Auswahl an Artikeln. Hier fehlt allerdings die Personalisierung. Ich mag die Trending Mails von Twitter, weil sie mir immer wieder einen Überblick über bestimmte Inhalte aus meinem Netzwerk geben.

Newsletter haben derzeit ein Comeback. Das passiert doch auch nicht alles ohne Grund?! Ich lasse mich aktuell von Martin Giesler, Jannis Kucharz und Florian Kohl regelmäßig informieren, was die wichtigsten Neuigkeiten sind. Wer andere tolle Newsletter kennt, am liebsten zu politischen Themen, her damit! Auf diese Weise gebe ich dem Slogan „Wenn die Nachricht wichtig ist, wird sie mich finden.“ ein klein wenig Nachhilfe. Diese Inhalte erhalte ich aber bequem per Push in mein Emailpostfach und da werden sie von mir auch gelesen.

Während ich Seiten wie Rivva, Virato oder Tame aktiv besuchen muss (Pull). Ich tue das nicht oder nur selten, weil ich die Seiten nicht mag, sondern weil diese Dienste im Alltag bei mir in Vergessenheit geraten. Das ist bei mir glaube ich auch der Grund, warum ich Google+ einfach noch nicht nutze. Die Webseiten der Zeitungen besuche ich da schon öfter, aber oft auch nur durch Verlinkungen bei Twitter oder Facebook.

Zur Zeitungskrise werfe ich also nicht nur noch mehr Fragen auf, ich bringe auch keine Lösungen. Wie informiert ihr euch und welche Rolle spielen dabei Facebook, Twitter und RSS Feeds? Wonach entscheidet ihr, ob ihr euch zu einem Thema jetzt auf Süddeutsche, Zeit Online oder SpOn informiert? Oder lest ihr alle Artikel, um die Problematik aus den verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten? Wie viele Artikel lest ihr pro Tag?

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12 Gedanken zu „Gedanken zur Zeitungsdebatte oder die Frage nach Push oder Pull

  1. Dominik Henn sagt:

    Liebe Stefanie,

    die Frage hab ich mir auch schonmal gestellt und ein bisschen nachgeforscht und mir gewisse taktiken überlegt. Dabei bin ich drauf gekommen, dass weder RSS noch Twitter noch Facebook meinen bedürfnissen gerecht wird und so hab ich mir einfach selbst ein kleins Tool geschrieben, welches genau das tut, was ich brauche.. vielleicht hilfts dir ja, den überblick zu behalten

    • Stefanie Aßmann sagt:

      Lieber Dominik,

      das kommt mir bekannt vor 😉 Ich habe mitbekommen, dass ihr in Koop mit Klaus Eck ein Tool zum Wahlkampf erstellt habt. Gibt es beim Cluster noch einen thematischen Unterschied zu http://wahlkampfanalyse.de/, also habt ihr das auf Wahlkampfthemen eingegrenzt?

      Ich finde das auf jeden Fall spannend und hab zig Fragen 🙂
      Wenn ich mal wieder in B bin,

    • Dominik Henn sagt:

      ;-).. na auf Wahkampfanalyse werden die Userkommentare zur erstellung der Analyse verwendet.. bei gnutiez die redaktionellen Artikel. Gerne experimentieren und vorbeikommen natürlich auch gerne!

  2. Gordian Kaulbarsch sagt:

    Diese täglichen Updates haben mich schon früher bei der Tagesschau irgendwann genervt. Ich lese tatsächlich als Basis und mit mehr Tiefe die Zeit als Wochenzeitung (allerdings per Ebook-Reader).

    Und zusätzlich verwende ich Twitter und ein bisschen Google+ als News- und Link-Empfehler.

    In Hamburg gibt es als regionales Blatt ja eigentlich nur das Abendblatt. Das kam für mich,

    • Stefanie Aßmann sagt:

      Die Welt Kompakt kommt ja auch von der Springer AG … Da ist immer ein kleiner Lokalteil dabei. Dem Abendblatt folge ich auf Facebook, allerdings habe ich da noch keine wirklich interessanten Beiträge entdeckt … Und sonst gibt es ja noch den NDR, da versuche ich mich auch über die Fanpage auf dem Laufenden zu halten.

      Die Webseite der "Welt" nutze ich allerdings überhaupt

  3. Steve sagt:

    Ich lese nahezu gar keine Zeitung mehr. Print überhaupt nicht und online nur noch sehr sehr selten und dann auch eher wenn die Headline das Thema irgendwo durch einen Share eines Kontaktes/Freundes auftaucht und interessant klingt.

    Sonst versuche ich mich via Blogs, Twitter, G+ und FB und natürlich via TV Nachrichten auf dem Laufenden zu halten. Feedreader ist mind. 2x täglich (zu

    • Stefanie Aßmann sagt:

      Bei Twitter, G+ und Facebook, folgst du da dann Journos oder Nachrichtenseiten? Und folgst du dann nicht den geposteten Links?
      Also liest du wie ich quasi nur, was in deine TL gespült wird und besuchst nicht aktive deren Webseite?

      Tipps in Sachen YouTube und Podcast nehme ich auch gerne entgegen 😉

  4. Steve sagt:

    Bei G+ und FB folge ich kaum bis gar keinen Journalisten oder Zeitungen. Da nehme ich quasi "nur" das auf, was meine TL da so reinspült. Bei Twitter sind ein paar Journalisten dabei, Zeitungen eher weniger. Auch da gilt: primär schaue ich, was meine TL so diskutiert.

    Den Links folge ich eben nur dann, wenn wie im ersten Kommentar geschrieben, die Headline thematisch

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