Komm ich jetzt im Fernsehen? – Die Rundshow startet ein TV Experiment

Die Rundshow ist da. Seit Wochen haben wohl einige Zuschauer auf den Start der Rundshow gewartet. Am Montag war es dann so weit. Es war voll bei Twitter und zumindest ich hatte den Eindruck, dass es beim Bayrischen Rundfunk um diese Uhrzeit Rekorde in Sachen Einschaltquoten gibt. Die Realität sah ein bisschen anders aus. Aber vielleicht haben die meisten Zuschauer auch den Livestream verwendet?

Vor etwa vier Wochen wurde auf dem Blog der Rundshow mit dem Aufruf „Let‘s be pirates“ ein Fernsehformat angekündigt, das es bisher so in Deutschland noch nicht gegeben hat. In der Sendung sollen tagesaktuelle Themen aufbereitet werden. Und die Zuschauer können via Twitter, Facebook und Google Hangout – Telefon und Email funktioniert übrigens auch – live mit den Moderatoren interagieren. Tagsüber kann die Redaktionskonferenz via Livestream oder Google Hangout mitverfolgt werden, vor und nach der Sendung sind die Zuschauer ebenfalls live zugeschaltet. Und während der Sendung kann man über die App mit dem schönen Namen „Die Macht“ zu Umfragen abstimmen und via Daumen-hoch-oder runter-Button im Studio Applaus oder Buh-Rufe auslösen.

Am Montag hat dann wohl die gesamte Netzgemeinde vor dem TV gesessen. Das Thema des Tages waren die Proteste in Europa. Meiner Meinung nach nicht das perfekte Thema für den Start aber das ist Ansichtssache. Ich persönlich hatte beim Zuschauen einen schlechten Start. Auf der re:publica wurde angekündigt, dass die Rundshow auch über Facebook geschaut werden kann und das wir das doch auch machen sollen. Die folgende Information hat mich leider daran gehindert.

Livestream via Facebook

Aber es gibt ja noch die BR Mediathek und so war der Abend gerettet. Die Sendung selbst wimmelte nur so von Hangout und Skype Konferenzen. Während es Videoschaltungen im Überfluss – ja es war eindeutig zu viel – gab, wurden Twitter und Facebook quasi nicht erwähnt. Alles in allem trotzdem eine runde erste Folge mit Verbesserungspotential.

Das Feedback haben sich die Macher auch für die zweite Sendung zu Herzen genommen. Die hatte Facebook als Thema. Mir persönlich wurde Facebook – wie bei zahlreichen anderen Medienberichten in TV und Print – etwas zu negativ dargestellt. Aber gut, wir sind hier eben immer noch bei der ARD. In dem Zusammenhang stellt sich auch die Frage nach der Zielgruppe für die Sendung. Ist die Rundshow eine Sendung für die sogenannte „Netzgemeinde“? 😉 Versteht mich nicht falsch, ich finde die Sendung und die Richtung in die sie sich bewegt, super. Für jeden „normalen“ Benutzer ist das alles jedoch vielleicht ein bisschen zu viel!? Die meisten Deutschen sind, wenn überhaupt, nur beim bösen Facebook vertreten. Es ist immer schwer und ein schwerer Grat unterschiedliche Zielgruppen zu erreichen. Auf der einen Seite möchte man dem „normalen“ Zuschauer das Web näher bringen. Hier ist es notwendig, dass in der Sendung viel erklärt wird bspw. warum „Catcontent“ lustig ist oder wie man auch ohne Account bei Facebook, Twitter oder Google+ teilnehmen kann – denn das ist ja möglich. Auf der anderen Seite hat man die netzaffinen User, die sich bei ausführlichen Erklärungen sicher gelangweilt fühlen und eine hohe Social Media Integration erwarten. Und das alles in einem Format mit 30 Minuten Sendezeit. Ist es überhaupt möglich, webaffine Menschen und offline Menschen in einem Unterhaltungsformat zusammen zu bringen? Und wir alle wissen, dass die Rundshow von den Onlinern sehr viel Feedback zur Sendung bekommen hat und diese Punkte auch umgesetzt werden. Was sagen denn die Offliner zur Sendung? Wie ist Eure Meinung zur Zielgruppenproblematik?

Bei der zweiten Sendung habe ich dann übrigens den Livestream entdeckt und festgestellt, dass dort auch vor der Sendung schon gesendet wird.

Livestream mit der Soviet App

Der mangelnde Livestream im Screenshot ist alleine meiner Internetverbindung zuzuschreiben und nicht der Rundshow. Neben dem TV Bild sieht man als Zuschauer auch die Daumen-hoch-oder-runter-Abstimmungen der User. Das ist wirklich eine tolle Möglichkeit aufzuzeigen, wie andere Zuschauer die Sendung empfinden. Rechts unten werden die aktuellsten Tweets, Facebook & Google+ Kommentare, sowie Beiträge über die App selbst angezeigt. Hier hätte ich mir nur gewünscht, dass dieser Bereich etwas größer ist, da man maximal drei Beiträge zu sehen bekommt.

Die dritte Sendung habe ich dann nicht mehr live, sondern am nächsten Tag bequem in der Mediathek geschaut. Das lag vor allem am Thema: Fußball. Auf diese Weise habe ich dann aber herausgefunden, dass nicht nur die Sendung, sondern auch der gesamte Vor- und Nachspann mit angeschaut werden kann. Das ist eine schöne Idee, denn so werden auch die „normalen“ Zuschauer darauf aufmerksam gemacht, dass es auch ein Vor- und Nachprogramm der Sendung gibt.
Die Sendung an sich fand ich dann doch recht spannend und vom Aufbau eine erneute Steigerung zu den Vorgängersendungen. Vor allem der #flausch und #cat Content waren eine witzige Idee.

Y-Titty finde ich persönlich nicht so spannend. Vielleicht bin ich dafür einfach schon zu alt. In der letzten Sendung gab es den dritten Teil der Serie auch nicht mehr on air zu sehen. Ob das jetzt an den vielen Diskussionen in der Sendung und der damit verbundenen Verzögerung der Sendung oder an der Kritik zu Y-Titty lag, wissen nur die Macher der Rundshow. Sascha Lobo hat uns auf der re:publica allerdings darauf aufmerksam gemacht, dass die Teenie-Zielgruppe auf YouTube ist und dort untereinander kommuniziert. Möchte man diese erreichen, kommt man an der Videoplattform nicht dran vorbei. In diesem Zusammenhang ist die Idee, Y-Titty in die Sendung zu integrieren, gar nicht mal so schlecht 😉

Auch wenn ich nicht alles toll finde, die Macher der Rundshow machen einen sehr guten Job. Auf uns warten jetzt noch drei weitere Testwochen mit der Rundshow und ich bin schon sehr gespannt, was uns noch alles erwartet.

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