Das bisschen Fernsehen, das wir brauchen, machen wir uns selber!

Das und der Hinweis „Wenn Zuschauer zurücksenden“ war der Titel einer Session der Social Media Week. Und es trifft den Nagel auf den Kopf. Auch ein Grund warum wir die Oscar Verleihung mit Euch zusammen zu einem Social TV Event machen möchten. Denn ich schaue selten Fernsehen, weil viel zu wenig interessante Inhalte geboten werden. Aber der Reihe nach. Der Titel der Session gehört zu den Konspirativen KüchenKonzerten. Ein Projekt, das ziemlich cool ist und von dem ich bisher noch nichts gehört hatte.

Was sind die Konspirativen KüchenKonzerte?

Die Konspirativen KüchenKonzerte sind eine Fernsehshow, die Live-Auftritte von Musikbands und Arbeiten darstellender Künstler verbindet und gekocht wird auch noch. Frustriert über den „Niedergang des informativen Musikfernsehens und die altertümliche Darstellung von zeitgenössischer Kunst im TV“ ist dieses TV-Format 2009 enstanden. Zwei Jahre lang produzierte die Gruppe ohne TV-Erfahrung, ohne Geld und ohne großen Sender das TV- und Web-Format. Das Event findet immer in der Wohnung von Marco Antonio Reyes Loredo statt. Er bekocht auch seine Gäste. Da die sich die Rezepte aussuchen können, findet Ihr auf der Homepage die unterschiedlichsten Kreationen. Die Zuschauer dürfen mitbestimmen, wer in die Sendung kommt und online gibt es massig Zusatzmaterial. Social Media wurde hier zu Beginn eigentlich nur mehr oder weniger zufällig eingesetzt, dafür ist die Sendung insgesamt ziemlich social. Das es ein wirklich tolles Format ist, zeigt sich an der erneuten Nominierung des Adolf-Grimme-Preises in der Kategorie Unterhaltung. Ich drücke auf jeden Fall die Daumen. Und Ihr könnt Euch jetzt erst einmal den Trailer anschauen.

Seit August 2011 ist die Sendung bei ZDF Kultur zu sehen. Das ZDF ist sowieso sehr fortschrittlich, was die Kombination von Social Media & Fernsehen betrifft. In der Sendung ZDF „log in“ darf der Zuschauer via Facebook & Co Fragen stellen und die Gäste in der Sendung müssen diese beantworten.

Auch die ARD zeigt sich durch die Kooperation mit Richard Gutjahr den neuen Medien auch nicht abgeneigt. Eine Rundschau Sendung habe ich noch nicht gesehen, kann also nicht davon berichten. Auf der Seite http://rundshow.gutjahr.biz/ sammeln die Betreiber jedoch Infos zum Thema Social TV und zum Konzept der Sendung. Es ist also nicht so, als ob sich die deutsche TV Landschaft gar nicht mit dem Thema beschäftigt. Hier und da gibt es erste Lichtblicke, die breite Masse bekommt davon jedoch noch nicht wirklich was mit.

In Amerika wird Social Media in allen Facetten selbstverständlich mit eingebunden. Viele Inhalte der Serienseiten weisen auf Social Media Inhalte hin.

Bei amerikanischen Serien wie „True Blood“ – ich liebe diese Serie!!! – oder „How I met your mother“ bieten die Sender massig Zusatzmaterial an. Zu Beginn der letzten Staffel von True Blood konnten Facebook Fans via App in die Welt von Bon Temps eintauchen und mit Eric chatten, die Bar Fangtasia hat eine eigene Facebook Fanpage (die allerdings von Fans betrieben wird) und der Vampir Jessica bloggt über ihr Leben unter der URL http://www.babyvamp-jessica.com/. Die Wartezeit bis zur nächsten Staffel wird den Fans durch den Inside Blog versüßt.

Was ich bei HIMYM so toll finde ist, dass jede Webseite die in der Serie erwähnt wird, wirklich erstellt wird. Dazu zählen u.a. http://barneysvideoresume.com/ oder http://itwasthebestnightever.com/. Dann gibt es natürlich den Blog und Twitteraccount von Barney, einen Podcast und einen YouTube Kanal von HIMYM und CBS auf dem so wunderbare Videos zu finden sind, wie das Musikvideo von Robin Sparkles.

Bevor selbst die amerikanischen Sender solche Inhalte angeboten haben, haben ein paar Serienfans Seiten wie http://www.serienjunkies.de/ oder http://www.myfanbase.de/ aufgebaut. Auf diesen Seiten findet man sehr viele Hintergrundinformationen, Episodenbeschreibungen und Reviews zu Serien und den Schauspielern. In eine ähnliche Richtung geht die Seite http://www.sidereel.com/. Die Besucher der Seite können allerdings nicht nur Informationen wie bei Serienjunkies und myFanbase nachlesen, die Betreiber erstellen ihr eigenes Fernsehen. Der hohe Nutzen solcher Seiten zeigt das Bedürfnis der User an solchen Inhalten. Und da wären wir wieder beim Punkt: Wenn die Sender keine relevanten Inhalte liefern, machen wir – die Zuschauer – uns unser Fernsehen selbst.

Die wirklich interessanten Mehrwertinformationen, beispielsweise Backstage Informationen vom Set, könnten die Fernsehsender jedoch nur selbst liefern.

Screenshot der Tatort Fanpage
Screenshot der Tatort Fanpage
Der Tatort wird in Deutschland schon seit Jahren auf Twitter diskutiert. Irgendwann wurde die Tatort Fanpage erstellt und jetzt unterhalten sich die Nutzer auch auf Facebook über die Sendung. Die Fanpage hat mittlerweile eine halbe Millionen Fans. Der Post zum Tatort vom 12. Februar hatte knapp 600 Kommentare, kein einziger davon stammt von den Betreibern der Fanpage. Warum sucht man nicht den Dialog mit den Usern? Auf der Fanpage werden meist Informationen zum nächsten Tatort (Sendezeit) und der Link zur Mediathek gepostet. Ab und zu gibt es auch Zusatzinformationen wie Outtakes, Special Effects etc. Auf der Webseite der ARD gibt es noch viel mehr Informationen. Warum wird das bei Facebook nicht genutzt? Stellt Euch mal vor, ein Schauspieler vom Tatort würde zusammen mit den Online Nutzern den laufenden Tatort im Fernsehen diskutieren?
„Gemeinsam ermitteln macht mehr Spaß als alleine auf der Couch“. Ja, finden wir auch. Aber auf der Fanpage wird man in die nächste Kneipe zum Public Viewing geschickt. Die ARD und die Zuschauer schauen in jedem Fall getrennt.

Wenn man sich mit dem Thema Social TV beschäftigt, stolpert man auch früher oder später über die Apps wie GetGlue und Miso. Während die ersten Unternehmen verschiedene Location Based Services für das Marketing eingesetzt haben, werden in den nächsten Jahren Aktionen mit Social TV Apps folgen.

In Amerika konnten die User via GetGlue zuletzt beim Superbowl einchecken. Auch die Oscar Verleihung ermuntert die User das zu tun. Beide Veranstaltungen haben Social Media sehr intensiv eingesetzt. In Amerika werden die Oscars natürlich auch live mit dem Partner Mass Relevance, wie schon letztes Jahr, begleitet. Die User können vorab mitteilen, welcher Film sie bisher am meisten beeinflusst hat und Fragen für den Red Carpet stellen.

Auf der Webseite von ProSieben gibt es zwar massig Infos, aber der unserer Meinung nach wichtige Schritt und zwar die Diskussionen und der Austausch während der Oscar Verleihung mit dem Zuschauer, fehlt. Warum eigentlich? Liebes Oscar Team von ProSieben, Ihr habt die ganzen Zusatzinfos. Ihr könnt die Fragen der User während der Verleihung doch sicher bestens beantworten. Wir laden Euch hiermit ein, mit uns auf makesocial.tv die Oscar Verleihung live mitzuerleben!

Wer unsere Seite nicht besuchen möchte, kann sich durch den Javascript Code auch den Stream in seine eigene Webseite einbinden. Den Embedded Code findet Ihr rechts oben auf der Seite makesocial.tv.

Jetzt habe ich wieder so viel geschrieben, aber es ist natürlich noch längst nicht alles gesagt. Ich könnte hier noch zahlreiche Beispiele und Möglichkeiten durchgehen. Vielleicht beim nächsten Artikel 😉

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2 Gedanken zu „Das bisschen Fernsehen, das wir brauchen, machen wir uns selber!

  1. Bernhard sagt:

    Den Austausch mit Pro Sieben kannst Du über Twitter haben. Da sind die Spitze drin. Zu jedem Event wie Schlag den Raab (#SdR), Unser Star für Baku (#USFB) usw. tweeten sich die Zuschauer die Hände blutig. Und ProSieben antwortet reagiert auch auf Tweets.
    Du möchtest Oscar auf Facebook? Such mal die Seite von Steven Gätjen, dem ProSieben Moderator am roten Teppich!

  2. Stefanie Aßmann sagt:

    Hallo Bernhard, vielen Dank für Deinen Kommentar. Du hast natürlich recht: Die Nutzer schreiben natürlich bereits via Twitter über die verschiedenen Sendungen. Aber das ist ja genau unser Punkt: Fast überall unterhalten sich die User bisher nur untereinander.

    Wir möchten aufzeigen, dass es auch in der Kommunikation Potential gibt, das von den Sendern noch nicht wirklich genutzt wird. Mit der Plattform von Couchfunk wollen wir die Möglichkeit schaffen, dass nicht nur Twitter-Nutzer, sondern auch Facebook-Nutzer oder Nutzer, die nichts von beidem benutzen, an den Gesprächen teilnehmen können.
    Findest Du es nicht auch schade, Dich für eine Plattform entscheiden oder ständig zwischen Facebook & Twitter wechseln zu müssen?

    Wir sagen also gar nicht, dass es da noch gar nichts gibt, nur wollen wir eine Möglichkeit zeigen, wie man es eben auch machen kann.

    Zusätzlich begleiten wir diese Gespräche und suchen auch aktiv den Dialog mit den Nutzern. Angereichert mit Informationen soll das Event und auch die zukünftigen Events zu einem Gemeinschaftserlebnis werden.

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